The Birthday Party

Filmplakat: The Birthday Party

FBW-Pressetext

Kurz vor der Jahrtausendwende ist die Angst vor dem Millenium-Bug allgegenwärtig. Bricht das gesamte Computernetzwerk zusammen? Droht ein Stillstand des Fortschritts? Diese Fragen beschäftigen auch Francesco auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier auf dem Land. Es sind Fragen, die auch Jahre später in Erinnerung bleiben, doch wie ist es mit ganz alltäglichen Situationen? Auf der Feier wird schnell klar: Francesco ist nur das fünfte Rad am Wagen. Das ermöglicht ihm aber auch, Details zu beobachten, die den anderen Kindern entgehen. Der Regisseur Francesco Sossai schafft mit seinem eindringlich verwirklichtem Coming-of-Age Kurzfilm ein Versatzstück der Erinnerung und flechtet dabei autobiografische Gedankensplitter mit ein. So oder so ähnlich mag sich die Geburtstagsfeier abgespielt haben, doch als plötzlich die an einen Rollstuhl gebundene Großmutter verschwindet, werden die Erinnerungen immer schwammiger. Vor allem das überzeugende Spiel des Jungdarstellers Nicola Cannarella trägt dazu bei, eine fast mystische Atmosphäre der Bedrohung und des Unwohlseins zu erschaffen. Eine beeindruckend subtil erzählte Reminiszenz zwischen Fantasie und Realität.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Coming-of-Age; Kurzfilm
Regie:Francesco Sossai
Darsteller:Nicola Cannarella; Matthias Tormen; Denis Fasolo; Elia Luciani; Luisa Trigilla; Livio Pacella
Drehbuch:Francesco Sossai
Kamera:Giulia Schelhas
Schnitt:Francesco Sossai
Musik:Fabio de Min
Webseite:dffb.de;
Länge:17 Minuten
Verleih:Kurzfilm Agentur Hamburg
Produktion: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH (DFFB)
Förderer:dffb; CNC

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Francesco Sossai versucht in seinem Film THE BIRTHDAY PARTY eine Erinnerung aus seiner Kindheit in Szene zu setzten. Sein Vater fährt ihn zu einem abgelegenen Hof im ländlichen Italien. In den letzten Tagen des Jahres 1999 geht die Angst vor dem Millenium Bug um und der junge Protagonist fühlt sich unwohl in der für ihn fremden Umgebung. Er ist der Außenseiter unter den anderen Kindern, die miteinander Fußball spielen und sich unanständige Witze erzählen. Alles ist ihm fremd - auch die alte Frau, die unbeweglich auf einem Stuhl sitzt und die erwachsenen Männer der Familie, die plötzlich angetrunken in der Tür stehen und von denen eine nicht genau bestimmbare Gefahr auszugehen scheint. Sossai ist hier ein Stimmungsbild gelungen, das für die Jury sehr authentisch wirkt. Wir sehen alles mit den Augen des jungen Protagonisten, auf dessen Gesicht sich in vielen extremen Nahaufnahmen seine Irritation und Unsicherheit spiegelt. Als Kind kann er die Situation, in der er sich befindet, nicht durchschauen. Er sieht und spürt viel, versteht aber wenig – und Sossai gelingt es, diese Unschärfe spürbar zu machen. So erzählt diese autobiografische Studie, gerade weil sie so subjektiv und emotional ist, vieles über die Verzerrungen des Erinnerns. Sehr gerne verleiht die Jury dem Film das höchste Prädikat BESONDERS WERTVOLL.