I Was Never Really Here

Filmplakat: I Was Never Really Here

FBW-Pressetext

Sam und seine Mutter Rita kommen aus Ghana, haben aber in Deutschland eine neue Heimat gefunden. Eines Tages bekommen die Beiden Besuch von Ritas Freundin Gifty und deren Sohn Kwesi, die die Hoffnung haben, ebenfalls in Deutschland leben zu können. Und während sich die Unsicherheit, ob sich diese Hoffnung erfüllt, wie ein Schleier über die neu entstandene Wohngemeinschaft legt, wachsen in Sam Gefühle für Kwesi, die ihn dazu bringen, sein Leben zu hinterfragen. Der Kurzspielfilm in der Regie von Gabriel Bihina Arrahnio (Drehbuch Judith Rose Gyabaah und Johanna Bungarten) erzählt seine Geschichte mit einer ungemein atmosphärischen Dichte, die keine ausformulierten Dialoge nötig hat. Sowieso wird der Text gekonnt mit der Musikebene verwoben, ist nie Selbstzweck, sondern transportiert immer Stimmung und Gefühle. Die exzellente Kamera von Georg Lewark fängt diese Emotionen mit größtmöglicher Nähe ein, unterstützt von einer sinnlich-flirrenden Sommerlichtstimmung. Trotz eines existenziellen Ausgangskonflikts und einem hochaktuellen Thema wirkt die Erzählhaltung des Films federleicht, wozu das mitreißenden Spiel gerade der jungen Hauptdarsteller Noah Tinwa und Ben Mood eine Menge beiträgt. Der Austausch ihrer scheuen Blicke, die zufälligen Berührungen, das wachsende Begehren – die Inszenierung dieser queeren und wunderschönen Liebesgeschichte berührt durch eine subtile Zartheit, die den Film als etwas ganz Besonderes herausstechen lässt.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Kurzfilm
Regie:Gabriel Bihina Arrahnio
Darsteller:Noah Tinwa; Ben Mood; Dayan Kodua; Charity Collin
Drehbuch:Judith Rose Gyabaah; Johanna Bungarten
Kamera:Georg Lewark
Schnitt:David Roeglin
Musik:Luis Guldzynski
Länge:22 Minuten
Verleih:Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf
Produktion: Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
FSK:6
Förderer:Filmuniversität Babelsberg

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

In dem Kurzspielfilm werden erstaunlich viele Themen berührt, ohne dass er überladen oder konstruiert wirken würde. Es geht um die Identitätsfindung eines 17-Jährigen, um eine schwule erste Liebe, um das Leben in einem fremden Land und darum, wie in Deutschland mit Migranten umgegangen wird. Der Deutsch-Ghanaer Sam hilft zusammen mit seiner Mutter deren alter Freundin Gifty und ihrem Sohn Kwesi, die gerade aus Ghana in Deutschland angekommen sind und bei denen unsicher ist, ob sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen werden. Die beiden jungen Männer kommen einander näher, aber Kwesi und Gifty droht die Ausweisung . Gabriel Bihan Arrahnio hat diese kurze Geschichte vom Entdecken und Warten sehr authentisch inszeniert. Das Milieu, von dem erzählt wird, wirkt absolut glaubwürdig und die Situationen, in denen die vier Protagonist:innen sich wiederfinden, wirken wahrhaftig. Da stimmt jedes Bild, jeder Ton und jedes Wort, und es wirkt nie folkloristisch oder melodramatisch. Stattdessen erzählt Arranhnio mit einer zärtlichen Zuneigung zu seinen Filmfiguren, die in jeder Einstellung zu spüren ist. Die vier Darsteller:innen spielen überzeugend und sehr lebendig – Arrahnio beweist hier sein Talent in der Führung der Schauspieler:innen. Und auch die Kameraarbeit von Georg Lewark wurde von der Jury gelobt. In I WAS NEVER REALLY HERE gelingt es, einen kurzen Abschnitt im Leben des Protagonisten Sam so intensiv und komplex zu gestalten, dass deutlich wird, wie grundlegend es durch diese Erfahrung geprägt werden wird. Und so ist dieser Spielfilm mit seinen knapp 23 Minuten auch ein schönes Beispiel dafür, dass die Coming- of-Age-Geschichte eines der fruchtbarsten Filmgenres unserer Zeit ist.