Das fliegende Klassenzimmer

Kinostart: 12.10.23
VÖ-Datum: 22.02.24
2023
Filmplakat: Das fliegende Klassenzimmer

FBW-Pressetext

Die Neuverfilmung des Klassikers von Erich Kästner interpretiert die berühmte Vorlage mit erfrischenden jungen Darsteller:innen und einer ebenso frischen Geschichte.

Die 13-jährige Martina erhält durch ein Stipendium die einmalige Chance, auf ein Internat in Südtirol zu gehen. Dort angekommen, wird sie durch ihre Mitschüler Matze und Uli und die forsche Jo direkt in eine Auseinandersetzung der Internatsbewohner:innen mit den „Externen“, den Kindern aus dem Dorf, hineingezogen. Diese Auseinandersetzung besteht bereits seit vielen Generationen – und nicht mal der Plan einer gemeinsamen Theateraufführung kann da helfen. Jo und die anderen holen sich Rat bei ihrem Lehrer Justus Bökh. Schließlich hat er selbst Erfahrung mit der Freundschaft zu einem „Externen“. Ob Bökh weiterhelfen kann? Und was steckt eigentlich hinter dem geheimnisvollen „Nichtraucher“, der zurückgezogen in einem alten Eisenbahnwaggon haust?

Erich Kästner schrieb seinen Roman „Das fliegende Klassenzimmer“ im Jahr 1933. Bei dem Film in der Regie von Caroline Hellsgård (Drehbuch Gerrit Hermans) handelt es sich um die bereits vierte Verfilmung des Kinder- und Jugendbuchklassikers, dessen Geschichte bis heute eine universelle Gültigkeit besitzt. Denn egal, um welche zwei „Lager“ es geht, von denen hier im Kontext des Schulbesuchs die Rede ist: die Botschaften, dass es nur im Miteinander geht und wir alle unter der Oberfläche gar nicht so verschieden sind, verstehen Klein und Groß, Jung und Alt im Damals und im Heute. Das divers besetzte Ensemble junger Darsteller:innen harmoniert wunderbar miteinander und wird von einem hochkarätigen Ensemble an „Erwachsenen“ ergänzt, allen voran Hannah Herzsprung als gutmütige Lehrerin und Tom Schilling als Lehrer Justus Bökh sowie Trystan Pütter als der „Nichtraucher“. Um den 90 Jahre alten Stoff ins Hier und Heute zu transportieren, spielen neben dem Theater auch Neue Medien und Smartphones eine Rolle, drängeln sich aber nie in den Vordergrund der Story. Die Berge Südtirols liefern eine wunderbare Kulisse, in die sich auch das Internatsgebäude perfekt integriert. Die Geschichte ist wohltuend unaufgeregt erzählt, die Spannungsmomente sind gezielt gesetzt. Vielmehr geht es Regie und Drehbuch aber um die Entwicklung der Freundschaft innerhalb der Clique. So gelingt dem Film eine überzeugende Neuinterpretation des zeitlosen Klassikers.

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Dies ist bereits die vierte Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Erich Kästner. Das verwundert nicht, denn schließlich werden bereits in der literarischen Vorlage Themen wie Bullying, soziales Gefälle, Aggressionen zwischen Cliquen, Versagungsängste, Solidarität und Freundschaft behandelt, die so universell sind, dass sich heute genauso gut von ihnen erzählen lässt wie in den 1930er Jahren. Die Hauptprotagonistin Martina kommt aus Berlin in ein Internat nach Südtirol, wo sie sich auf eine Prüfung vorbereiten soll. Deren Ergebnis wird entscheiden, ob sie als begabtes Kind ohne gutbetuchte Eltern mit einem Stipendium an der Schule lernen kann. Von Anfang an wird Martina in die Konflikte der Schule hineingeworfen, denn sie wird im wahrsten Sinn des Wortes von den „Externen“ durch das Dorf „gejagt“. Diese “Externen“ bekämpfen traditionell die „Internen“, also jene Klassenmitglieder, die im Internat wohnen. Dieser „Krieg der Knöpfe“ bildet den Hauptspannungsbogen der Geschichte. In Nebensträngen geht es darum, dass jedes der Kinder seine Stärken erkennt und seinen eigenen Weg findet, sowie um den Konflikt zwischen dem Internatsleiter und einem einsiedlerischen Künstler, der in einem ausrangierten Eisenbahnwagen lebt und schnell zum Verbündeten von Martina und ihren Schulkameraden wird. Der Internatsleiter und der Künstler waren einst Freunde, aber auch Schüler auf dem Internat in den verschiedenen Lagern. Sie spiegeln also die Situation zwischen den beiden Schülergruppen wider. Der Film hat eine angenehme Grundatmosphäre und die idyllischen Schauwerte des sommerlichen Südtirol werden von Carolina Hellsgård ebenso kompetent und inspiriert ins Bild gesetzt wie die durchweg überzeugenden Darsteller:innen. Sowohl die jugendlichen wie die altgedienten Schauspieler:innen lassen ihre Figuren überzeugend lebendig werden. Nur Hannah Herzsprungs Schuldirektorin kommt den aus „Paukerfilmen“ bekannten Klischees manchmal ein wenig zu nah. Die Geschichte indes wurde modernisiert: Handys und Skaten spielen eine große Rolle, aber leider wird, so die Jury, die Chance, die Geschichte auch medial ins 21.Jahrhundert zu holen, auf halbem Wege fallengelassen. Statt das Theaterstück „Das Fliegende Klassenzimmer“ wie jedes Jahr beim Schuljahresabschlussfeier auf der Bühne zu präsentieren, beginnt Martina es zusammen mit ihren Freunden, allen voran die nicht auf den Mund gefallene Leo, als Handyfilm zu inszenieren, und sie haben dabei so originelle Ideen, dass der „Nichtraucher“ sich gerne entscheidet, der Gruppe zu helfen. Doch dann wird das Video, nicht sehr plausibel, von Leos Handy gelöscht, sodass letzten Endes doch eine Theaterinszenierung aufgeführt wird, gemeinsam von den plötzlich vereinten internen und externen Schüler:innen. Für die Jury wird so ein fulminantes, aber doch auch etwas unglaubwürdiges Finale aus dem Hut gezaubert, da die Schüler:innen und vor allem die unter Prüfungsstress stehende Martina sicher nicht die Zeit dafür gehabt hätten, die Vorführung so perfekt über die Bühne zu bringen. In Abwägung aller Argumente und im Anschluss eine spannende Diskussion erteilt die Jury diesem warmherzig und unterhaltsam inszenierten Film gerne das Prädikat WERTVOLL.