Willkommen im Tollhaus

Kinostart: 07.11.96
1995

Kurzbeschreibung

Detailgenaue, liebenswürdige Beschreibung des Milieus einer amerikanischen Kleinstadt und der Pubertätsprobleme eines Mädchens, das zuhause keine Unterstützung und in der Schule Ablehnung erfährt.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Kategorie:Spielfilm
Gattung:Drama
Regie:Todd Solondz
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:88 Minuten
Kinostart:07.11.1996
Verleih:Kinowelt
Produktion: Suburban Pictures Production, New York, N.Y., Suburban Pictures Production;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Wie immer der Titel gemeint sein mag - er irritiert. Ist "Tollhaus" ein Synonym für "Leben"? Und in diesem Leben "willkommen" ein unter ungünstigen Bedingungen heranwachsendes Menschenkind, ein Pechvogel, ein Tollpatsch, prädestiniert zum Außenseiter forever? Jedenfalls gibt es hier (zur Genugtuung des Bewertungsausschusses) kein Happy-End, aus dem häßlichen Entlein wird kein strahlend weißer Schwan. Kein Märchen wird erzählt, sondern ein nachvollziehbarer, ehrlicher Sachverhalt, ohne unglaubwürdige Stimmungsmache. Aber man kann die Hoffnung mitnehmen, daß gerade das ausbleibende Anpassen an gesellschaftliche Normen dem Entlein die Chance gibt, sich später im Existenzkampf zu bewähren, seinen Mann bzw. seine Frau stehen.

Hinter der lautstark und optisch attraktiv vorgetragenen Schilderung des kleinbürgerlichen Lebens in einem amerikanischen Vorort verbirgt sich eine echte Familientragödie, so unauffällig wie brutal: Das hübsche, das begabte (kleinere) Töchterchen ist das Hätschelkind der ehrgeizigen Mutter. Dem Aschenputtel wird wenig Fürsorge gewidmet, das muß mit seinen Verletzungen allein fertig werden. Und auch als es sich zu einer wahren Heldentat aufrafft - es organisiert eine wenngleich ergebnislose Suchaktion nach der plötzlich verschwundenen Schwester - bleibt es ohne äußeren Erfolg. Die Schulkameraden verzeihen dem häßlichen Entlein sein Außenseitertum nicht, es wird, so ahnt man, immer auf seine eigenen, dennoch nicht abhanden kommenden Energien angewiesen bleiben.

Innerhalb einer sehr kritisch, aber auch liebevoll beobachteten Mitwelt behauptet sich die grandios selbstlose, blutjunge Hauptdarstellerin mit bewundernswerter Hingabe an ihre unattraktive Rolle. So "unansehnlich" sie sich zeigt und gibt, so faszinierend wirkt sie in ihrem uneitlen Spiel. Ihr vor allem gilt das Lob des Bewertungsausschusses.