Paradise Now

Kinostart: 08.09.05
2004
Filmplakat: Paradise Now

FBW-Pressetext

Nüchtern, authentisch mit fast dokumentarischen Mitteln beschreibt dieser bewegende Film den Alltag, die Motive und Konflikte zweier palästinensischer "Märtyrer". Diese Form der Behandlung eines brisanten Themas verdient höchste Anerkennung.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama
Regie:Hany Abu-Assad
Darsteller:Hiam Abbass; Lubna Azabal; Amer Hlehel; Kais Nashef; Ali Suliman
Drehbuch:Hany Abu-Assad; Bero Beyer
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:92 Minuten
Kinostart:08.09.2005
Verleih:Constantin Film Verleih GmbH
Produktion: Augustus Film Production, Lama Productions; Razor Film Produktion; Lumen Films; Arte France Cinéma;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Wer sind eigentlich diese jungen Männer, die als Selbstmordattentäter vor allem in Israel immer wieder Menschen in den Tod reißen und sich selbst für eine Idee, für ihren Glauben opfern? Sind es wilde Fanatiker oder verzweifelte Menschen, die in diesem Akt den einzigen Weg sehen, sich selbst aus ihrer trüben Existenz durch einen Akt der Gewalt zu befreien und zugleich als Racheengel für das Unrecht, das Israel an den Palästinensern verübt, aufzutreten? Diesen Fragen geht „Paradise Now“ nach . Die beiden Freunde Said und Khaled werden ausgewählt für eine sorgfältig geplante Mission und sollen als lebende Bomben Tod und Unruhe bringen. Aber der Plan läuft fehl, und beide Männer haben danach noch einmal die Gelegenheit zu überdenken, ob sie wirklich diese Mission erfüllen wollen. Khaled verweigert sich, Said aber geht seinen eingeschlagenen Weg bis zum bitteren Ende – auch er kein Fanatiker, sondern ein junger Mann, der das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung nie erleben durfte und sein Leben nicht länger als Häftling einer Situation des Unrechts weiterleben möchte.

Der Film macht es sich nicht leicht, in dem er die eine Seite glorifiziert und die andere verteufelt. Er versucht, das Schicksal von zwei Attentätern exemplarisch nachzuvollziehen und dadurch zur Diskussion über deren Taten sowie über die politische Lage im Nahen Osten mit filmisch-dramatischen und zum Teil trotz aller dokumentarischen Genauigkeit auch fiktiven Mitteln anzuregen. Er nimmt sich seines schwierigen und brisanten Themas angenehm zurückhaltend und nüchtern an, wirkt dadurch authentisch und verzichtet auf billige Effekte und propagandistischen Pathos. Mit sparsamen, aber wirkungsvollen Mitteln inszeniert, entsteht das sensible Psychogramm nicht nur zweier junger Männer, die vor einer nicht allein für sie erschreckenden Entscheidung stehen, sondern auch das Bild eines Landes, einer politischen und historisch bedingten Situation und von Menschen, die auf beiden Seiten der Grenze in diesem Dilemma gefangen sind. Ein mutiger und wichtiger Film, der betroffen macht und Nachdenklichkeit provoziert.