Nach Auschwitz

Filmplakat: Nach Auschwitz

FBW-Pressetext

Der Kurzdokumentarfilm NACH AUSCHWITZ von Jan Sobotka zeigt den Ort des Verbrechens an der Menschlichkeit von einer völlig neuen Seite. Auschwitz als Arbeitsplatz, als Ort des Alltags. Morgens werden die Türen aufgeschlossen, die Tasche abgestellt, es wird geräumt und dann geht es an die Arbeit. Nur dass die Arbeit der Beschäftigten in Auschwitz sich mit der Erinnerung an den Tod von Millionen von Menschen beschäftigt. Statt Akten zu sortieren, werden hier Koffer und Brillen von Opfern der NS Zeit entrostet und sortiert, Erinnerungsstücke katalogisiert und Touristen durch das Vernichtungslager geführt. Ein Ort des Erinnerns, des Grauens, aber für manche Menschen eben auch ein Ort, an den sie jeden Tag zur Arbeit gehen. NACH AUSCHWITZ zeigt durch diese Herangehensweise eine Wirklichkeit, die neben den Grauen, die dort passiert sind, auch existiert. Viele Besucher sehen die Berge an Schuhen, Brillen und Andenken, aber es wird selten hinterfragt, was mit ihnen geschieht oder wie es möglich ist, diese Dinge nach über 70 Jahren noch immer im damaligen Zustand zu erhalten. NACH AUSCHWITZ lässt immer wieder klug gewählte Erklärungen der beschäftigten Menschen mit in den Film einfließen und lässt so den Raum für Reflektionen. Doch der Dokumentarfilmer Jan Sobotka schafft noch mehr: Er macht die heutige Realität von Auschwitz für den Zuschauer erlebbar. Und so ist NACH AUSCHWITZ ein Film, der Geschichte nicht einfach nur erneut aufbereitet, sondern eine weitere Ebene hinzufügt.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm; Kurzfilm
Regie:Jan Sobotka
Drehbuch:Jan Sobotka
Kamera:Jan Sobotka
Schnitt:Jan Sobotka
Webseite:dok2.de;
Länge:20 Minuten
Verleih:Kurzfilm Agentur Hamburg
Produktion: Dok2 Filmwerkstatt Berlin Jan Sobotka
FSK:0

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Jan Sobotka zeigt Menschen bei ihrer Arbeit. Als Restauratoren waschen sie Schuhe, reinigen Koffer vom Rost, entwirren Brillengestelle und suchen an Zimmerwänden nach Rissen oder Zeichnungen. Man kennt die Bilder von den Bergen dieser Habseligkeiten, die den Ankömmlingen im KZ Auschwitz abgenommen wurden. Man weiß um ihre monströse Masse und Sobotka muss diese Aufnahmen nicht zeigen, damit man erkennt, dass hier eine Sisyphosarbeit geleistet wird. Stattdessen zeigt er sachlich, wie gewissenhaft die Restauratoren diese Arbeit verrichten. Er zeigt die Präzisionsgeräte, derer sie sich bedienen und an deren großen Firmenlogos man erkennen kann, dass sie aus Deutschland kommen. Und er lässt zweimal kurz Restauratoren zu Worte kommen. Die erklären beispielsweise, dass die Qualität einer Brille etwas über den sozialen Stand ihres Trägers aussagt oder dass bei der Restauration immer darauf geachtet werden muss, dass die Korrosion auch Teil des Objekts ist und es deshalb nicht zu gründlich geputzt werden darf. Aber wichtiger als diese Informationen ist es, dass einer der Restauratoren polnisch und der andere deutsch redet. Sobotka erklärt nicht. Stattdessen zeigt er und mit seinen sorgfältig komponierten Aufnahmen vermeidet er jedes Pathos. So lässt er dem Zuschauer Raum, über das Gesehene nachzudenken und es selber zu bewerten. Mit dieser nüchternen, distanzierten Annäherung gelingt es Sobotka, ganz ähnlich wie den Restauratoren selbst, den Brillen, Schuhen und Koffern Bedeutung und Würde zu geben. Und deshalb wird seinem sowohl inhaltlich wie auch in der Form außergewöhnlichem Film das Prädikat „besonders wertvoll“ zugesprochen.