Keine Lieder über Liebe

Kinostart: 27.10.05
2005
Filmplakat: Keine Lieder über Liebe

FBW-Pressetext

Für solch erfrischend originelle Filmkunst braucht man statt großer Etats "nur" ein ausgefallenes und ausgefeiltes Konzept und eine erstklassige Darstellerriege, dann klappt's auch mit der Zukunft des deutschen Films.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama
Regie:Lars Kraume
Darsteller:Jürgen Vogel; Florian Lukas; Heike Makatsch; Monika Hansen; Thees Uhlmann
Drehbuch:Lars Kraume
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:101 Minuten
Kinostart:27.10.2005
Produktion: Film1 GmbH & Co. KG, ZDF;
FSK:6
Förderer:Nordmedia

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

„Was war eigentlich vor einem Jahr, als meine Freundin und ich meinen Bruder in Hamburg besucht haben? War da was oder war da nichts?“ - Aus nicht ganz so heiterem Himmel beschließt Tobias, einen Dokumentarfilm über seinen Bruder und dessen Band zu drehen. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlicher Film, der dem Zuschauer einen beklemmend peinlichen Spiegel der eigenen Sozialisierung vorhält.

„Keine Lieder über Liebe“ zählt zu den Höhepunkten des Kinojahres 2005. Lars Kraume und seinem Ensemble ist ein Experiment gelungen, das wieder einmal zeigt, welche Filme möglich sind, wenn man sich statt großer Etats „nur“ mit einem überzeugendem Konzept auf ein filmisches Experiment einlässt. Die Umsetzung dieser Idee gelingt dank der präzisen Kameraarbeit und der gnadenlosen Offenheit und Darstellungskraft der drei Hauptdarsteller Jürgen Vogel, Heike Makatsch und Florian Lukas.

Bis auf die Szene, in der Tobias am Ende in der leeren Berliner Wohnung sitzt und an seine Freundin zurückdenkt, ist die dokumentarische Fiktion dermaßen überzeugend gelungen, dass man die Geschichte für real nehmen würde, wäre der Cast nicht derart prominent besetzt.

Neben den Höchstleistungen von Kamera und Darstellern ist es auch gelungen, aus der wohl riesenhaften Menge an Drehmaterial alle Szenen mit einer derartigen Präzision zu schneiden, dass sie nie unzufriedenstellend oder peinlich enden. Jede Szene hat die Länge, die sie braucht, um optimal zu wirken oder den Grad an unerträglicher Penetranz zu erreichen, die auch die dargestellten sich im Kreise drehenden Pseudodiskussionen im wahren Leben einnehmen.

„Um die Wahrheit zu sagen, braucht es auch immer ein Gegenüber, das die Wahrheit auch hören will“, heißt es im Film. Um Filme dieser Originalität und Qualität auch zukünftig im Kino zu sehen zu bekommen, braucht es Talente wie diese, die zusammen finden - und es braucht ein Publikum, das bereit ist, sich jenseits herkömmlicher Plots auch auf filmische Experimente wie dieses einzulassen.