Jack

Kinostart: 09.10.14
VÖ-Datum: 11.09.15
2013
Filmplakat: Jack

FBW-Pressetext

Jack ist zehn Jahre alt und lebt mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Manuel in Berlin. Jacks Mutter ist noch sehr jung und ihre Versuche, die Verantwortung als Mutter mit ihren eigenen Wünschen als junge Single-Frau unter einen Hut zu bringen, scheitern meist. Und so muss Jack oft die Erwachsenenrolle übernehmen, kocht für Manuel, räumt die Wohnung auf, ist der Mann im Haus. Als das Jugendamt entscheidet, Jack von seiner Mutter zu trennen und in eine Wohngruppe zu geben, lässt Jack sich das nicht lange bieten. In den Ferien büchst er aus und kehrt zurück zu seiner Mutter. Doch die ist nicht da, wie vom Erdboden verschluckt. Kurzentschlossen holt er seinen kleinen Bruder und begibt sich auf die Suche nach ihr. In leisen Tönen erzählen Regisseur Edward Berger und seine Co-Autorin Nele Mueller-Stöfen von der Großstadt-Odyssee des zehnjährigen Jack. Dabei behält der Film stets die Perspektive des Kindes im Blick, die Kamera folgt ihm und zeigt die Welt aus seinem Blickwinkel. In der Rolle des Jack leistet der Jungdarsteller Ivo Pietzcker Großes. Seine Mimik reflektiert Entschlossenheit, Reife, Verantwortungsbewusstsein. Stoisch und pragmatisch denkt und handelt er, macht, was gemacht werden muss, ohne zu jammern oder aufzugeben. Doch in vielen Momenten blitzt auch die verletzliche Kinderseele auf, dann spürt der Zuschauer die Einsamkeit des Jungen und die Sehnsucht nach einer Mutter. Den dokumentarischen Eindruck unterstützt das gut gewählte und authentische Setting. Berlin spielt eine wichtige Rolle, denn in der Reise der Brüder setzt sich der Film auch mit der Anonymität und der Größe dieser Stadt auseinander. All diese Aspekte verarbeitet Berger nicht in anklagenden Bildern und Szenen. Sein Film fällt kein moralisches Urteil, er zeigt schlicht, wie es nun mal ist. Nicht nur im Film, sondern eben auch im wahren Leben. Starkes und beeindruckendes deutsches Kino mit einem überragenden Hauptdarsteller.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm; Kinder-/Jugendfilm
Regie:Edward Berger
Darsteller:Ivo Pietzcker; Georg Arms; Luise Heyer; Nele Mueller-Stöfen; Antony Arnolds; Johann Jürgens; Vincent Redetzki; Jacob Matschenz; Odine Johne
Drehbuch:Edward Berger; Nele Mueller-Stöfen
Kamera:Jens Harant
Schnitt:Janina Herhoffer
Musik:Julian Maas; Christoph M. Kaiser
Webseite:jack-film.de;
Weblinks:moviejones.de; zelluloid.de; kinderfilmwelt.de; ;
Länge:102 Minuten
Kinostart:09.10.2014
VÖ-Datum:11.09.2015
Verleih:Camino Filmverleih
Produktion: Port au Prince Film & Kultur Produktion GmbH
FSK:6
Förderer:MFG Baden-Württemberg; FFA; BKM; DFFF
DVD EAN-Nummer:4015698001389

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Jack ist ein Junge von vielleicht 10 Jahren, der mit seiner jungen Mutter Sanna und seinem kleinen Bruder Manuel irgendwo in Berlin lebt. Sanna will noch etwas vom Leben haben, sie will feiern, lieben – und sich am liebsten nicht um ihre Kinder sorgen, die sie gerne mal vergisst und vernachlässigt, ohne es aber aus böser Absicht heraus zu tun. Es passt nur einfach nicht zusammen – das Leben, das sie sich erträumt hat und die beiden Kinder von verschiedenen Männern, die abgehauen sind. Alleingelassen wurde sie mit der Verantwortung, die sie nicht tragen will und kann. Und so wird Jack viel abverlangt – mehr als ein Junge in seinem Alter leisten kann. So sehr er sich auch bemüht: Die Familie, die vielleicht niemals eine war, droht auseinanderzubrechen. Und für Jack und Manuel beginnt eine Odyssee, bei der die beiden ganz auf sich alleine gestellt sind.

Schon die ersten Bilder machen klar, dass sich Edward Berger und seine Co-Autorin Nele Mueller-Stöfen (die in dem Film auch eine wichtige Rolle als Heimerzieherin spielt) bedingungslos auf ihren herausragenden kleinen Hauptdarsteller einlassen. Die Kamera folgt jeder Bewegung von Jack, begibt sich auf seine Höhe, seine Perspektive hinab und zeigt die Welt einer sommerlichen Großstadt aus dem Blickwinkel eines Kindes, das viel zu früh erwachsen werden musste. Es ist die Sichtweise eines Kindes, die man selten bis nie im deutschen Kino so sieht: Ungeschönt, desillusioniert und dennoch durch die bedingungslose Nähe und Zärtlichkeit für Jack ungeheuer faszinierend. Wie gebannt folgt man dem Weg des Jungen, bangt und hofft mit ihm, wird immer wieder aufs Neue enttäuscht, ohne dabei Sanna moralisch zu verurteilen. Eine Balance, die kaum ein Film mit solch einem schwierigen Thema jemals derart gekonnt leistet. Auch dramaturgisch leistet der Film ganze Arbeit, vertraut voll und ganz auf das kontrollierte Spiel des kleinen Ivo Pietzcker, lässt seine emotionalen Spitzen und Wendepunkte ganz nebenbei entstehen und gewinnt gerade durch diese Zurückhaltung, was Zuspitzungen anbelangt, auf der ganzen Linie. Ein Meisterwerk!