Filmplakat: First Night

FBW-Pressetext

Alex weiß nicht, was ihn erwartet, als er seinen Vater besucht. Zu seinem Geburtstag hat dieser etwas ganz Besonderes für ihn vorbereitet. Als dann kurze Zeit später zwei Prostituierte die Wohnung betreten und Alex mit einer von ihr nach nebenan ins Schlafzimmer geschickt wird, weiß der junge Mann sich vor Verlegenheit und Unsicherheit nicht zu helfen. Und so nimmt die Nacht, die eigentlich Alex‘ „erste Nacht“ werden sollte, eine dramatische Wendung. Der Kurzspielfilm von Andrei Tanase unterläuft mit seiner geschickt gestrickten Dramaturgie sämtliche Erwartungen der Zuschauer. Die Figuren sind allesamt authentisch und durch das gleichsam beeindruckende und starke Spiel der Darsteller wirkt vieles überraschend, doch alles auch immer nachvollziehbar. Vor allem Alfredo Minea zeigt durch sein unverstellt intensives Spiel die Verletzlichkeit von Alex, der als junger Mann auf der Schwelle zum Erwachsensein steht und sich von seinem dominant übergriffigen Vater unter Druck gesetzt fühlt. Tanase schreckt auch bei dem, was er in den klug komponierten und eng gesetzten Bildern zeigt, vor Realismus und Härte nicht zurück, was den authentischen Eindruck dieses großartigen kammerspielartigen Dramas nur unterstützt.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama; Coming-of-Age; Kurzfilm
Regie:Andrei Tanase
Darsteller:Mimi Branescu; Alfredo Minea; Cristiana Luca; Elvira Deatcu
Drehbuch:Andrei Tanase
Kamera:Barbu Balasoiu
Schnitt:Andrei Balasoiu
Länge:16 Minuten
Kontakt:philipp@deutsche-exotik.de
Produktion: Deutsche Exotik Filmproduktion GmbH Philipp Dettmer

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

An seinem 18. Geburtstag besucht Alex seinen Vater Calin. Der will seinem Sohn ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk machen: die erste Nacht mit einer Frau - einer Prostituierten, die er bezahlt.

Von der farblich ungewöhnlich gehaltenen Titelsequenz bis hin zum konsequent durchdachten Schluss beweist Andrei Tanases Kurzfilm FIRST NIGHT, dass er mehr ist als nur ein Film mit Biss. Denn FIRST NIGHT kann wahrlich Zähne zeigen.

In der Diskussion zeigte sich, dass der Film alle Erwartungen der Jury bravourös unterlaufen hat. Souverän mit der Handkamera gedreht, ruht der Blick des Zuschauers auf dem Protagonisten Alex. Bis er die väterliche Wohnung betritt, erscheint er wie ein verträumt wirkender Oberstufenschüler. Obwohl neu möbliert, wirkt die Wohnung steril, kalt und charakterlos. Erzählerisch recht spektakulär klärt FIRST NIGHT schon in diesen ersten Einstellungen die Konstellation. Vater Calin, der zunächst mit einer Katze spielt, ist seinem Sohn gegenüber von vornherein verbal übergreifend und aushorchend. Die Wohnung ist ein unerfreulicher Ort, dessen Atmosphäre sich genauso spontan wie selbstverständlich auf die Zuschauer überträgt.

Mit nur wenigen Einstellungen erzählt Andrei Tanase die Geschichte eines Sohnes, der vor den Augen seines Vaters bestehen möchte, obwohl dieser seine Männlichkeit permanent in Frage stellt. Die Jury lobt die gute Kamera und die exakten Schnitte, mit der FIRST NIGHT seine Zuschauer in eine brutale Erwachsenenwelt entführt. Eine Welt, in der für Gefühle offenbar kein Platz ist, für sexuelle und geschäftliche Prahlereien dafür umso mehr. Der Film ist kompromisslos und krass inszeniert, hält drauf, wo andere Filme verschämt wegschauen und gewinnt damit ungeheuer an Kraft. Ganz offensichtlich ist sich der Film seiner Wirkung bewusst. In einigen Sequenzen nutzt er die Rezeptionsgewohnheiten und Filmerfahrung seiner Zuschauer, um sie gleich darauf zu irritieren.

FIRST NIGHT zeigt den Schritt über die Schwelle zum Erwachsenendasein aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel. Mit diesem Schritt – so scheint es – gibt Alex all seine Kindlichkeit und Verspieltheit ab, während er eingesogen wird, in eine Welt aus Macht und roher Sexualität.

FIRST NIGHT ist ein gut strukturierter, unglaublich dichter Film, mit einem ausgezeichneten Hauptdarsteller. Ein Film, der keine großen Ansprüche ans Setting hat und dennoch sehr gut funktioniert. Nach intensiver Diskussion einigt sich die Jury darauf, dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“ zu verleihen.