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Die Wohnung

Prädikat besonders wertvoll | 
2011
Filmplakat: Die Wohnung

FBW-Pressetext

Am Anfang steht eine Wohnung in Tel-Aviv. Arnon Goldfingers Großmutter hat darin gewohnt, bis zu ihrem Tod. Alles, was jetzt noch bleibt, sind Andenken und gesammelte Schätze. Beim Durchsuchen der Habseligkeiten fallen Arnon Briefe und Dokumente auf, die nicht in das Bild passen, welches er von seinen Großeltern hatte. Doch was genau wusste Arnon überhaupt über sie? Und welche Geheimnisse haben sie jahrelang still gehütet, weil keiner den Mut hatte, nachzufragen? Der Filmemacher Arnon Goldfinger startet mit dieser Dokumentation eine persönliche Suche nach den eigenen Wurzeln. Dabei tauchen Erkenntnisse auf, die ihm auch nach monatelanger Recherche noch unglaublich erscheinen und mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Es ist spannend und lehrreich zugleich, Arnon Goldfinger bei seiner Suche zu begleiten. Die Gespräche mit seiner Mutter und anderen Menschen, die Teil der Suche sind, werden von ihm sensibel und unaufdringlich dokumentiert. Es braucht keine zusätzlichen visuellen Hilfsmittel, um die Botschaften zwischen den Zeilen zu vermitteln. Am Ende des Films ist die Wohnung leergeräumt. Doch die Geschichte hat Spuren hinterlassen und das Schweigen wurde gebrochen. Ein wichtiger filmischer Beitrag zur deutsch-jüdischen Vergangenheitsbewältigung.

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Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm
Regie:Arnon Goldfinger
Drehbuch:Arnon Goldfinger
Kamera:Philippe Belaiche; Talia Galon
Schnitt:Tali Halter-Shenkarusic
Musik:Yoni Rechter
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:97 Minuten
Kinostart:14.06.2012
VÖ-Datum:21.11.2012
Verleih:Edition Salzgeber
Produktion: zero one film GmbH , ZDF; Arte; SWR;
FSK:0
Förderer:FFA; MBB; DFFF; New Israeli Foundation for Cinema and Television

Jurybegründung

Prädikat besonders wertvoll
Tel Aviv, Israel. Gerda Tuchler ist mit 98 Jahren verstorben. 70 Jahre hat sie in derselben Wohnung zusammen mit ihrem Ehemann Dr.Kurt Tuchler gelebt, nachdem sie 1933 aus Deutschland nach Palästina ausreisen mussten.
Der Enkel von Gerda Tuchler, Arnon Goldfinger, ist Regisseur, Autor und Produzent dieses Filmes. Zusammen mit seiner Mutter beginnt er die Räumung der Wohnung. Es offenbart sich ihnen eine Welt randvoll mit Möbeln, Kleidern, Büchern, Dokumenten, Briefen und Erinnerungstücken aus 70 Jahren. Alles wurde aufbewahrt seit der Ankunft aus Deutschland. Eine Wohnung, die genau so auch in Berlin noch hätte existieren können.
Was ist wegzuwerfen, was findet das Interesse der Mitglieder der großen Familie, was kann verkauft werden? Arnon Goldfinger taucht ein in den Nachlass von Briefen und Schriften seiner Großmutter, versinkt mehr und mehr in deren vergangenes Leben und stößt auf fast unglaubliche Dinge: Vor und nach dem Krieg war das Ehepaar Tuchler mit Baron Leopold von Mildenstein, einem SS-Offizier im Nazi-Regime, eng befreundet, unternahm mit ihnen gemeinsame große Reisen und trafen sich auch nach dem Krieg noch mehrfach bei Urlauben in Deutschland. Arnon Goldfinger beginnt zu recherchieren, macht Besuche in Wuppertal bei der Tochter von Mildenstein, geht in Archive, nimmt schließlich zu weiteren Nachforschungen seine Mutter mit nach Deutschland. Und während dieser spannenden Reise durch die geheimnisvolle Vergangenheit seiner Großmutter entsteht auch dieser Film.
Dramaturgisch äußerst geschickt und dank einer sehr guten Montage zieht der Film mit ständig steigernder Spannung den Zuschauer in die bewegte Vergangenheit der Familie Tuchler hinein, lässt ihn teilhaben bei Arnon Goldfingers Recherchen. Wie Mosaikstein um Mosaikstein löst sich das Geheimnis um die Vergangenheit der mit Tuchler befreundeten Familie Mildenstein auf. Der Film zeichnet sehr genau die Personen in den Interviews, wobei die Fragen behutsam und nie verletzend gestellt werden. Ausgezeichnet ist der Duktus des Sprechers Axel Milberg im Off, welcher den roten Faden auf der Suche nach der Wahrheit spannt.
Dass in diesem Fall das Thema Flucht, Vertreibung und Holocaust und der Begriff Schuld nie zentral im Mittelpunkt des Films stehen, ist sicher ein Vorzug dieses Films, wohl auch und besonders durch die Tatsache, dass ein jüdischer Autor und Regisseur ihn geschaffen haben.
Eines offenbart der Film aber deutlich: Hier, und sicher und auch in vielen anderen Familiengeschichten, sind es die Eltern und deren Kinder, welche nicht in der Lage sind zu fragen oder zu antworten. Es ist der Enkelgeneration vorbehalten, sich nicht nur für die Vergangenheit der Großeltern zu interessieren, sondern sich auch mit deren Schuld auseinanderzusetzen. Sinnfällig dafür ist die klare und stete Aussage von Goldsteins Mutter, sich nicht mit der Vergangenheit ihrer Mutter oder ihres Vaters auseinandersetzen zu wollen, auch wenn der Sohn noch so dazu drängt.
Ein wichtiger Film, dem ein großer Zuspruch in den Kinos zu wünschen wäre.
Prädikat
besonders wertvoll
Filmempfehlung

Die Filmempfehlung zu diesem Film gibt es als fertig gestaltetes PDF zum Download