Der Rosenkönig

1985
Filmplakat: Der Rosenkönig

Kurzbeschreibung

Die Beziehungen zwischen Mutter, Sohn und dessen Geliebten, der sich ihm und seinen Obsessionen willenlos als Opfer hingibt.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Spielfilm
Regie:Werner Schroeter
Darsteller:Magdalena Montezuma; Mostéla Djadjam
Drehbuch:Werner Schroeter; Magdalena Montezuma
Länge:106 Minuten
Produktion:
FSK:18

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Von diesem Film werden viele Formen herkömmlicher Wahrnehmung herausgefordert. Seine Ausgangshandlung ist konzentriert auf die Beziehung zwischen drei Menschen, die sich gleichsam wie in einem ausweglosen Situationskäfig bewegen: eine Mutter, deren Sohn und dessen von ihm geliebter Freund. Als ein poetisches Motto zieht sich durch alle Einstellungen die Vorstellung von den zwei Kindern, die nicht reden können und von denen, wenn sie sich küssen, eines sterben muß. Dieses Motto wird optisch verknüpft mit dem Bild der Rose, dem größten aller Symbole für die Liebe. Aus diesem Zusammenhang erklärt sich auch der Titel, der in einem ganz tiefen Sinn das "ästhetische Programm" ist.

Der Film hat seine unvergleichliche Stärke vor allem in der Bildersprache: Jedes Bild, jede Einstellung wirkt wie eine in sich geschlossene Inszenierung, die bis zur ästhetischen Souveränität führt. Zusammengehalten werden die Bildfolgen durch symbolische Linien, die sich durch die Rose, das Feuer, das Wasser, die Erde versinnbildlichen, und zwar so inszeniert, daß der Verfall zum eigentlichen Prozeß wird. Der Film ist ein Versuch, den Stil der großen italienischen Oper in die Sprache dieses Mediums zu übertragen. Es darf als ungewöhnlich bezeichnet werden, wie sich verschiedene Traumebenen, durch wenige Symbole aufeinander bezogen, untereinander abrufen und am Ende gegenseitig auflösen.

Diskutiert wurde lebhaft, ob die Verwendung von Symbolen aus der christlichen Kommunikationstradition (Kreuzigungsszenen) und die Verwendung sakraler Musik wirklich unbedingt sinnvoll und vertretbar sind. Weit auseinander gingen die Meinungen auch in der Frage, ob es vertretbar ist, bis zum blutrünstigen Ritualmord vorzugehen. Die mit großer Disziplin eingerichteten Bildfolgen verdienen Anerkennung, weil sie innerhalb dieser Konzentration mit geradezu barocker Situationsfülle einhergehen. Lobend hervorgehoben wurden im übrigen die Kamera, die hochkalkulierte, kunstvolle Lichtführung und der Schnitt.