Das Herz ist ein dunkler Wald

Kinostart: 27.12.07
2007
Filmplakat: Das Herz ist ein dunkler Wald

FBW-Pressetext

Couragiert und schräg inszeniert Nicolette Krebitz ein archaisches Drama über eine Frau, deren Welt durch die Entdeckung des Doppellebens ihres Mannes in Scherben fällt. Mit poetischer Bildsprache umklammert sie ihr Publikum und führt es mit in den Strudel der Emotionen ihrer Protagonistin, die anfangs kühl, sachlich, distanziert ist und in ihren Wirrungen immer morbider, mythischer und fatalistischer wird. Getreu dem Medea-Prinzip wird dies zu einer unbehaglich-verstörenden, aber sehr interessanten Erfahrung mit einem entblößten Finale.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Kategorie:Spielfilm; Arthouse
Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Nicolette Krebitz
Darsteller:Franziska Petri; Nina Hoss; Devid Striesow; Monica Bleibtreu; Marc Hosemann
Drehbuch:Nicolette Krebitz
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:86 Minuten
Kinostart:27.12.2007
Verleih:X Verleih
Produktion: X Verleih AG, NDR
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Eine Frau wird aus ihrem gut geordneten, bürgerlichen Leben als Mutter und Hausfrau gerissen, als sie erfährt, dass ihr Mann noch eine zweite Familie hat, die der ihren fast spiegelbildlich ähnelt. Auch der Film ist in den ersten Minuten bis zu dem Moment, an dem sie erkennt, dass ihr Mann sie seit Jahren betrogen hat und ein Doppelleben führt, wohlgeordnet, nüchtern und realistisch. Doch dann kommt die Frau im wahrsten Sinne des Wortes vom Weg ab und wankt in eine Parkanlage, deren Büsche und Bäume auch filmisch in eine eher mythische, archaische Geschichte führen.

Von nun an gibt es neben realistischen, präzise geschriebenen und gespielten Szenen wie jener, in der die Frau nachts von zwei Mitarbeitern eines psychologischen Notdienstes geweckt wird oder der Aussprache der beiden Frauen auch andere Sequenzen, die sich eher im Kopf der Protagonisten abzuspielen scheinen. Wenn sie sich an Situationen und Auseinandersetzungen mit ihrem Mann erinnert, spielen die beiden diese Rückblenden im Stil einer Theaterinszenierung auf leerer Bühne. Dieser Verfremdungseffekt wirkt eher bemüht und konnte die Jury nicht überzeugen.

Beeindruckender ist dagegen die Souveränität, mit der die Regisseurin viele Szenen als Traumvisionen inszeniert. Im nächtlichen Schloss wandert sie eher durch die Hölle ihrer Ängste, Wut und Rachegefühle als durch Szenen einer dekadenten Party. Wenn sie wie in einer Performance über den voll bedeckten Tisch schreitet oder in einem Nebenraum plötzlich ihren Vater findet, folgt der Film dabei eher einer Traumlogik und auch die Bilder wirken surreal.

So ist auch das Ende konsequent erzählt und umgesetzt: mit ihren Kleidern lässt sie ihre bürgerliche Existenz endgültig hinter sich, mit der Busfahrt nimmt sie Abschied vom Leben und dann vollendet sie die Tragödie in einem nahezu klassischen Stil.