Am Grenzübergang

Filmplakat: Am Grenzübergang

FBW-Pressetext

1999 berichtete ein ehemaliger DDR-Soldat vom Arbeitsalltag am Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße mitten in Berlin. Die Aufzeichnung dieses Interviews und die Ansichten der Details eines Stadtbezirks, die auch heute noch für Neugierige Ansätze bieten sich den Grenzverlauf vorzustellen, sind Ausgangspunkt der vielfältigen Bild-Ton-Collage von Regisseur Thomas Kutschker. Er nimmt den Zuschauer mit auf eine informative aber auch fordernde Spurensuche, auf eine Reise durch die wenigen Jahre, in denen sich das Gesicht der Straße, die deutsche Geschichte und auch persönliche Schicksale so dramatisch verändert haben, scheinbar ohne allzu viele konkrete Anhaltspunkte zu hinterlassen. Mit großem Bedacht werden die Bildausschnitte gewählt, nebeneinandergesetzt und mit den Aussagen des Grenzwächters kombiniert – mal kontrastreich, mal im Gleichklang. Ein anspruchsvolles Dokument über die Zeichen der Zeit und den Wandel ihrer Bedeutung, das das Prädikat besonders wertvoll auch für die große künstlerische Leistung einstimmig verdient.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm; Kurzfilm
Regie:Thomas Kutschker
Drehbuch:Thomas Kutschker
Kamera:Thomas Kutschker
Schnitt:Thomas Kutschker
Länge:14 Minuten
Kontakt:kutschker@filmischesberlin.de
Produktion: Thomas Kutschker

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Berlin, Heinrich-Heine-Straße. Eine Straße wie viele andere auch, wären da nicht einzelne Details, die diese Straße zu einem besonderen, einem historischen Ort machen. Hier war einmal ein Grenzübergang zwischen Ost und West. Aber nur, wer genau hinschaut, findet die letzten Hinweise darauf.

Auf voneinander getrennt laufender Bild- und Tonebene erzählt der Regisseur die Geschichte der Straße. Auf der Tonspur erfährt der Zuschauer viel über ihre Bedeutung als Grenzübergang zu Zeiten der DDR, aus dem Alltag eines Grenzsoldaten – unspektakulär erzählt, untermalt nur vom fließenden Autoverkehr der Straße. Im Gegensatz dazu wird die Bildebene als eine Art Lupe eingesetzt, die einzelne Details der Heinrich-Heine-Straße einfängt, die noch von ihrer Zeit als Grenzübergang zeugen. Kleinigkeiten, die man als Passant sicherlich übersehen würde.

Das filmische Konzept ist angenehm anspruchsvoll, die Rezeption erfordert vom Zuschauer volle Konzentration auf den Film, ist nicht zum schnellen Nebenbeikonsum angelegt. Damit ist AM GRENZÜBERGANG eine Art Gegenkonzept zu „erlebter Geschichte“ am Checkpoint Charly und ein Dokument über ein kleines regionales Stück deutscher Geschichte, das nach und nach von den kleinen alltäglichen Veränderungen ganz verschwunden sein wird. Ein durch und durch gelungener Dokumentarfilm mit einem geschärften Blick für das Detail in einer unüberschaubaren Menge an Orten und Momenten deutsch-deutscher Geschichte.