Zwischen uns die Mauer

Filmplakat: Zwischen uns die Mauer

FBW-Pressetext

Der mitreißende Jugendfilm von Norbert Lechner erzählt nach der autobiografischen Romanvorlage von Katja Hildebrand eine Liebesgeschichte zwischen Ost- und Westdeutschland vor der Wende.

Anna kann es nicht mehr erwarten: Endlich reist sie mal nach Berlin, in diese große Stadt. In diese große geteilte Stadt. Denn wir schreiben das Jahr 1986 und um nach Berlin zu kommen, muss man über die deutsch-deutsche Grenze. Doch durch ein Schülerbegegnungsprojekt kann Anna nach Berlin und im Osten der Stadt mit Gleichaltrigen ins Gespräch kommen. Dort trifft Anna Philipp. Die beiden verlieben sich sofort. Doch ihre Liebe hat es schwer. Denn Philipp darf als Bürger der DDR nicht einfach so zu Anna in den Westen. Und auch Annas Eltern finden, es ist keine gute Idee, wenn Anna ständig versucht, Philipp zu besuchen. Immerhin steht sie kurz vor dem Abitur und außerdem ist es nicht ungefährlich. In Philipp, der zunehmend frustriert ist von der Kontrolle durch die Stasi und der Zwänge des Systems, reift ein Plan zur Flucht. Davon weiß Anna jedoch nichts. Und Philipp beschließt, dass das auch unbedingt so bleiben muss. Die autobiografische Vorlage zu ZWISCHEN UNS DIE MAUER von Norbert Lechner stammt von Katja Hildebrand und richtet sich an ein jugendliches Publikum. Der Film übernimmt auf gelungene Weise die Perspektive der erzählenden Anna, die als junge Frau aus dem Westen in die DDR reist und dort erst einmal begreifen muss, wie ein Leben in einem System der strengen Kontrolle und Regulierung funktioniert. Durch eine von den Drehbuchautorinnen Susanne Fülscher und Antonia Rothe-Liermann geschickt konstruierte Geschichte können die Zuschauer abwechselnd beide Perspektiven von Ost und West einnehmen und so auch nachvollziehen, was die junge Generation von damals umtrieben hat. Das gesamte Ensemble überzeugt, die Elternrollen werden differenziert herausgearbeitet, doch es sind vor allen Dingen Lea Freund und Tim Bülow, die als Anna und Philipp beeindrucken. Ihr Spiel miteinander ist so entwaffnend und einnehmend natürlich, dass man ihnen gespannt auf dem konfliktreichen Weg zueinander folgt und ihre Sorgen und Nöte nachvollziehen kann. Unterstützt wird die Glaubwürdigkeit der Geschichte durch die sorgfältige Ausstattung und kleine detailgetreue Momentaufnahmen des deutsch-deutschen Alltags. Das glaubwürdige Spiel und die einfühlsame Inszenierung machen ZWISCHEN UNS DIE MAUER zu einem wichtigen und packenden Beitrag zur Vermittlung von deutsch-deutscher Geschichte an ein jugendliches Publikum.

Filminfos

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Zwei junge Deutsche, sie Abiturientin aus Westdeutschland, er Pfarrerssohn aus Ostberlin, verlieben sich Mitte der 80er Jahre bei einer organisierten Begegnung von Jugendlichen zwischen Ost und West. Doch der Kalte Krieg, die Mauer beziehungsweise das Regime der DDR lassen sie nicht zusammenkommen.

Ähnlich zu der Vorlage, dem auf autobiografischem Material basierenden Jugendbuch von Katja Hildebrand, inszeniert auch Norbert Lechner seinen Film klar mit einem jugendlichen Zielpublikum im Auge und bemüht sich deshalb bewusst um Geradlinigkeit und Konzentration in der Erzählung, was die Jury als Vorzug wertete. Die Figuren im Mittelpunkt, die 16-jährige Anna und der 17-jährige Philipp, werden von Lea Freund respektive Tim Bülow mit großem Charisma verkörpert, das unmittelbar zur Identifikation einlädt. Auch der Rest des Ensembles, wie etwa Annas von Fritz Karl und Franziska Weisz gespielten Eltern, füllen ihre Rollen mit einnehmender Ausstrahlung aus und tragen dem Eindruck der Jury nach dazu bei, dass der Film den Zuschauer unmittelbar mitreißt. Es gelingt dem Film mit seiner gut umgesetzten Liebesgeschichte zwischen zwei „ganz normalen“ Jugendlichen im Zentrum in spannender Form ein Stück Alltags- und damit Zeitgeschichte auf beiden Seiten der Mauer zu vermitteln. Die Rekonstruktion der späten 1980er Jahre in DDR und BRD mittels Ausstattung und Kostüme ist in den Augen der Jury zwar nicht ganz fehlerfrei, aber doch überzeugend. Die Stationen einer Liebe, die stürmisch im enthusiastischen Glauben beginnt, auch schwerste Hindernisse überwinden zu können, und dann langsam von den deutsch-deutschen Realitäten beziehungsweise vor allem vom strengen Grenzregiment der DDR, zermürbt wird, schildert der Film auf jugendlich direkte und ergreifende Weise.

Weil er für sein Zielpublikum in den Augen der Jury gut funktioniert, fallen Aspekte wie eine an manchen Stellen allzu illustrativ eingesetzte Musik, eine sehr klassische Bildgestaltung und der etwas holprige dramaturgische Bogen, der auf einen rasanten Beginn einige Wiederholungen des gleichen Konflikts folgen lässt, weniger ins Gewicht. Auch wenn die Zeichnung des unfreundlichen und einschüchternden Verhaltens der DDR-Grenzbeamten der Jury durchaus realistisch erschien, hätte sie sich doch insgesamt ein differenzierteres Bild vor allem der DDR gewünscht. Die Nebenfiguren in ZWISCHEN UNS DIE MAUER, sowohl auf Ost- wie auf West-Seite, die zu einem weiter aufgefächerten Bild hätten beitragen können, kommen leider im Lauf des Films allesamt ein wenig zu kurz, sei es der schwule Klassenkamerad der bayerischen Gymnasiastin, der seine eigenen Erfahrungen mit einer Ost-West-Liebesgeschichte macht, oder die rebellische Freundin des Ostberliner Pfarrerssohns, die schließlich ihr Leben auf der Flucht in den Westen riskiert.

Was dem Film wiederum sehr gut gelingt, ist das Schildern des gegenseitigen Unverständnisses und der Unwissenheit zwischen Ost und West: Wie Anna, die nicht wirklich wissen kann, welches Risiko Philipp mit seiner Liebe zu ihr eingeht, und von dessen Inhaftierung nach der Flucht der Freundin nichts ahnt, so weiß auch Philipp nicht, wie tief er Anna verletzt, wenn er ihr schließlich schreibt, dass ihre Liebe keine Zukunft habe. Hier leistet ZWISCHEN UNS DIE MAUER tatsächlich ein Stück Bildungsarbeit.