Zug nach Peace

Filmplakat: Zug nach Peace

FBW-Pressetext

Um eine neue Heimat zu finden, muss man die alte Heimat verlassen. Doch die Erinnerungen bleiben. Die Erinnerungen an die vielen Träume und Hoffnungen als Kind, die vielen schrecklichen Bilder, die man mitansehen musste – und die Zerstörung des Landes, das keinen Platz für weitere Träume und Hoffnungen bietet. Und doch ist die Heimat für immer im Herzen. Haider Abid, Jakob Weyde und Jost Althoff haben mit ZUG NACH PEACE einen neunminütigen Kurzfilm geschaffen, der berührt und zum Nachdenken anregt. Haider Abid reflektiert über das, was er in seiner Heimat Irak zurückgelassen hat. Untermalt wird dies nicht nur von Bildern einer Fahrt in der Berliner U-Bahn, während der sich Abid fragen muss, wie lange er noch als etwas „Fremdes“ angesehen wird, sondern auch durch Animationssequenzen, die das Erzählte auf sehr stimmungsvolle Weise bebildern. Für manche Gefühle, die Abid zum Ausdruck bringt, benötigen Jost Althoff und Jakob Weyde oft nur ein einziges ikonisches Bild, um ganz stringent das nachvollziehbar zu machen, wofür viele Worte nicht reichen würden. Die gekonnte Montage von Abids Erzählung und die kunstvollen schwarz-weißen Animationssequenzen erschaffen einen Film, der durch den Einblick in ein Einzelschicksal gleichzeitig die Geschichte eines ganzen Landes erzählt Und der so auch viel zur Verständigung beitragen kann.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Animationsfilm; Kurzfilm
Regie:Jakob Weyde; Haider Abid
Drehbuch:Jakob Weyde; Haider Abid
Kamera:Florian Lampersberger
Schnitt:Philipp Glauner
Musik:Dury De Bagh
Länge:9 Minuten
Kontakt:jakob@house-of-creatures.de
Produktion: House of Creatures GbR Jakob Weyde
Förderer:FFA

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.

ZUG NACH PEACE ist ein stringent und formal spannend erzählter Kurzfilm, dem es in kompakter Form gelingt, für ein politisch und gesellschaftlich relevantes aktuelles Thema zu sensibilisieren. Anhand eines Mannes, der in der Realfilmebene in der Berliner U-Bahn unterwegs ist, entblättert sich auf der Animationsebene die leidvolle Geschichte seines Heimatlandes Irak. Beide Erzählebenen stehen in einem interessanten Verhältnis zueinander – der historische Abriss in der Animation wird durch das Bild des Individuums in der Bahn ergänzt, womit die Schilderung der weit entfernten Ereignisse ein Gesicht bekommt, dem wir alle täglich begegnen können. Bemerkenswert am historischen Teil ist die Entscheidung, in erster Linie aus der Perspektive der zivilen Bevölkerung heraus zu erzählen und Fragen nach Verursachern und Schuldigen auszuklammern. Die Animation arbeitet mit wiederkehrenden Motiven wie einem Gemüseverkäufer oder auch einer Palme, die als Symbol für Leben und Beständigkeit eingesetzt wird. Auch historisch ikonische Bilder wie beispielsweise die halb abgerissene Saddam-Hussein-Statue finden im gelungenen Animationsverfahren Verwendung. Wenn auch die Realfilm-Ebene seitens Spiel und Inszenierung etwas zur Animation hin abfällt, so sind beide doch auf wunderbare Weise miteinander verquickt.
Dem Film gelingt es ausgesprochen gut, das Bewusstsein bei jedem von uns selbst dahingehend zu erneuern, welch tragische Geschichten hinter jedem einzelnen Menschen stehen, der sich auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung befindet. Die Jury hält einen Einsatz des Films insbesondere auch in Schulen und Medienzentren für ideal, weil die Klarheit der Erzählung und die Unmittelbarkeit des Bezugs auch einen niederschwelligen Einsatz sinnvoll erscheinen lässt.