Wonder Wheel

Kinostart: 11.01.18
VÖ-Datum: 14.06.18
2017
Filmplakat: Wonder Wheel

FBW-Pressetext

Woody Allens neues Drama, das im Vergnügungspark Coney Island spielt, beschreibt einen spannenden Gefühls- und Beziehungsreigen im Amerika der 1950er Jahre.

Ginny wollte mehr von ihrem Leben. Als hoffnungsvolle Schauspielerin kam sie vom Land in die große Stadt, verliebte sich in einen Musiker, bekam ein Kind. Doch dann nahm das Leben eine schicksalhafte Wendung – und nun ist Ginny Kellnerin in einem Muschellokal auf Coney Island und lebt mit ihrem Ehemann Humpty, der ein Fahrgeschäft betreibt, und ihrem Sohn oberhalb einer Wurfbude in einer kleinen Wohnung. Die einzige Ablenkung von ihrem trostlosen Alltag erfährt Ginny in den Armen von Micky, dem Bademeister, mit dem sie eine leidenschaftliche Affäre hat. Als eines Tages Humptys Tochter vor der Tür steht und sagt, sie sei auf der Flucht vor ihrem Ehemann, beginnt sich für Ginny das Schicksalsrad erneut zu drehen. Denn die soviel jüngere Frau spielt nun nicht nur im Leben ihres Ehemanns die erste Geige. Auch Micky ist von ihr begeistert – und verliert mehr und mehr das Interesse an seiner Geliebten. Wie ein Theaterstück inszeniert Woody Allen seinen nunmehr 47. Film WONDER WHEEL, in dem er die Schicksale von vier Protagonisten auf geschickt raffinierte Weise miteinander verknüpft. Jede Handlung hat Konsequenzen, jeder Dialog ergibt einen neuen Konflikt oder vermittelt spannende doppelbödige Enthüllungen. Unterstützt wird Allen von seinem kongenialen Kameramann Vittorio Storaro, der kunstvolle, lichtdurchflutete und farbtrunkene Bilder, sowohl vom Inneren der Räume als auch von der Szenerie Coney Islands in den 1950er Jahren, schafft. Der Cast ist perfekt aufeinander abgestimmt, jeder der Darsteller spielt seinen Part mit Verve und Elan. Jim Belushi als cholerischer Ehemann und Vater, Juno Temple als unschuldige junge Carolina, die die Geschichte ins Rollen bringt, Justin Timberlake als aufstrebender Nachwuchsautor und charmanter Bademeister Micky – und natürlich Kate Winslet, die ihrer Darstellung der Ginny eine tiefe Traurigkeit verleiht. Um sie dreht sich alles in der Geschichte, sie ist die verlorene Seele, die in großen Monologen ihre ganze Tragik und somit auch ein Stück ihres Innersten offenbart. Doch stets umweht sie auch ein Hauch des ehemals großen Stardoms, was nun nur noch eine wehmütige Erinnerung ist. Eine Erinnerung im Schatten des Riesenrads, welches sich beständig weiterdreht. So wie das Leben selbst.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Woody Allen
Darsteller:Jim Belushi; Juno Temple; Justin Timberlake; Kate Winslet; Max Casella; Jack Gore
Drehbuch:Woody Allen
Kamera:Vittorio Storaro
Schnitt:Alisa Lepselter
Länge:102 Minuten
Kinostart:11.01.2018
VÖ-Datum:14.06.2018
Verleih:Warner
Produktion: Gravier Productions, Amazon Studios;
FSK:12
BD EAN-Nummer:5051890313386
DVD EAN-Nummer:5051890313409
Anbieter-Link:warnerbros.de

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Eine Art „Rad der Wunder“, so verspricht es der Titel, steht im Mittelpunkt des neuen Films von Woody Allen. Deutlich sichtbar ist das so benannte Riesenrad auf Coney Island in den 1950er Jahren so etwas wie das geheime Zentrum des Films. Immer wieder wird es in den Bildmittelpunkt gerückt oder dient als Hintergrundkulisse für die zwischenmenschlichen Tragikomödien, die sich hier abspielen.

Der Film beginnt mit einer Einstellung, die zunächst an ein Wimmelbild erinnert. Erst langsam schält sich aus diesem Durcheinander der Leiber und Menschen der Rettungsschwimmer Micky Rubin heraus, der in New York Theaterwissenschaften studiert und der von einer Karriere als Autor enorm tiefer und bedeutungsvoller Dramen träumt. Er fungiert fortan als eine Art Erzähler und nicht zuletzt auch als wesentlicher Faktor für die Tragödie, die sich durch sein Zutun entfaltet. Denn Micky hat eine Affäre mit der unglücklich verheirateten Ginny (Kate Winslet), die mit dem schroffen Ex-Alkoholiker Humpty (Jim Belushi) zusammenlebt, nachdem ihre notorische Untreue eine erste Ehe zum Scheitern brachte. Aus dieser Verbindung hat sie einen Sohn mit in die neue Beziehung eingebracht, der sich freilich als richtiger Teufelsbraten und notorischer Brandstifter erweist. Und dann taucht eines Tages Humptys eigentlich verstoßene Tochter Carolina (Juno Temple) auf, die mit einem Mafia-Gauner verheiratet war, vor dem sie sich nun auf der Flucht befindet. Klar, dass das Auftauchen die mühsam gefundenen Arrangements und Lügengebäude tüchtig ins Wanken bringen - zumal sich Micky in die Tochter seiner Geliebten verguckt - und die sich auch in ihn ... In WONDER WHEEL, als mittlerweile 47. Werk des Regiegroßmeisters, begeisterte die Jury Vittorio Storaros exzellente Kameraarbeit, die die 1950er Jahre nicht in ein nostalgisch romantisierendes Licht taucht, sondern dem Zuschauer solch eine Frische und Buntheit jener Zeit vermittelt, dass man glaubt, man sei unmittelbar dabei.

Zudem erscheint es besonders bemerkenswert, wie diese Kamera den Bühnenraum der Wohnung von Humpty und Ginny immer wieder neu arrangiert und so den Eindruck des Kammerspielartigen immer wieder weitet. Nach Ansicht der Jury gelingt es dem Film, aufgrund der sehr guten Schauspielleistungen gut zu unterhalten. Dennoch konnte er, aufgrund der Vorhersehbarkeit der Geschichte, nicht restlos überzeugen. Vielleicht liegt es daran, dass Woody Allen, der mittlerweile fast jährlich ein neues Werk auf die Leinwand bringt, immer noch ein Filmemacher ist, von dem man etwas ganz Besonderes erwartet.

Das Theatralische spielt bei WONDER WHEEL eine zentrale Rolle - allein schon durch Micky Rubins Studienfach und seine Leidenschaft für alles Theatralisch-Dramatische. Dass auch Ginny mal eine Karriere als Darstellerin anstrebte, versteht sich dabei fast von selbst. Und genau daraus leitet sich auch ihr Hang zu Hysterie und gnadenlosem Overacting ab, der manchem Jurymitglied vielleicht ein wenig zu viel des Guten war - die Glaubwürdigkeit der Geschichte jedenfalls und damit auch die Identifikation mit den Hauptfiguren leidet so unter der exaltierten Wucht der mit viel Spiellaune agierenden Darstellerriege.

Jedoch haben die eindeutigen filmhandwerklichen Qualitäten die Jury überzeugt, und so zeichnet sie den neuen Film von Woody Allen mit dem Prädikat „wertvoll“ aus.