Werk ohne Autor

Kinostart: 03.10.18
2018
Filmplakat: Werk ohne Autor

FBW-Pressetext

WERK OHNE AUTOR von Florian Henckel von Donnersmarck erzählt die Geschichte eines jungen aufstrebenden Künstlers, der sein persönliches Trauma der NS-Zeit als Inspiration nutzt. Und damit zu seinem eigenen künstlerischen Ich findet.

Kurt ist noch klein, als seine Tante Elli aufgrund einer psychischen Erkrankung von den Nazis abtransportiert und ermordet wird. Für den ernsten Jungen war Elli die einzige Person, die seine künstlerische Begabung immer schon gefördert hat. Als er während seiner Ausbildung eine junge Frau kennenlernt, kann Kurt nicht wissen, dass ihr Vater – der bald sein Schwiegervater werden soll – mit seiner Tante in schicksalhafter Verbindung steht. Doch er spürt, dass irgendetwas nicht stimmt. Und er nutzt das Gefühl des permanent über ihm schwebenden Unheils als Inspiration für seine Kunst. Der neue Film von Florian Henckel von Donnersmarck liefert von der ersten Minute an große und dramatische Bilder. Ganz leise aber beginnt die Geschichte des kunstbegabten Kurt Barnert, der als kleiner Junge mit dem schweren Trauma der NS-Zeit konfrontiert wird und genau daraus in seinem späteren Schaffen inspirierende Kraft schöpfen kann. Das mitreißende Künstlerepos und spannungsgeladene Drama nimmt den Zuschauer dank seiner klugen Geschichte, seiner reflektierenden Dialoge und der gefühlvollen Musik mit auf eine spannende Reise in ein Künstlerleben und erzählt auch von den schrecklichen Verbrechen des NS-Regimes, die noch heute einen Schatten auf die deutsche Geschichte werfen. Das Ensemble ist glänzend besetzt. Paula Beer als Kurts Ehefrau, Saskia Rosendahl als Tante Elli und Sebastian Koch als ehemaliger NS-Arzt, der seine Vergangenheit, in der er Schuld auf sich lud, mit sich herumträgt und am Ende mit seiner feigen Lebenslüge konfrontiert wird. Ganz nah ist die vorzügliche Kamera von Caleb Deschanel an der Figur des Kurt, den Tom Schilling kraftvoll und doch sensibel spielt. Die Stimme ist ruhig und fast schon zart, doch die ganze Kraft seines Charakters zeigt sich in den Szenen, in denen Kurt seine Kunst auslebt. Hier stehen nur er und sein Schaffen im Zentrum – und auch deswegen ist WERK OHNE AUTOR nicht nur ein Film über einen Künstler. Es ist ein Film über die Kunst. Über ihre Kraft, ihre Macht, ihren Zauber und ihre Poesie.

Filminfos

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Wer bin ich? Eine existenzielle Frage, die sich Kurt Barnert schon als kleiner Junge stellt, auch inspiriert durch seine unkonventionelle Tante Elli. Unkonventionell bedeutet im Kriegsjahr 1940 im Nazi- Deutschland oftmals schon gesellschaftlich „unerwünscht“. Der Chefarzt der Gynäkologie im Dresdner Hospital, Professor Dr. Seeband, geht noch weiter. Er lässt Elli sterilisieren und schickt sie anschließend als „unwertes Leben“ in die Gaskammer. Und Kurt muss erleben, wie seine geliebte Elli abgeholt wird. Ein traumatisches Erlebnis, das ihn sein ganzes Leben verfolgen wird. So, wie auch Professor Seeband weiter schicksalshaft mit ihm verbunden sein wird. Als Student der Dresdner Kunstakademie verliebt er sich dort ausgerechnet in Seebands Tochter Elisabeth, was wegen seiner Herkunft auf entschiedene Ablehnung ihres Vaters stößt. Trotzdem heiraten sie und können noch vor der Grenzschließung heimlich aus der DDR ausreisen. Düsseldorf wird ihr neues Zuhause, wo Kurt an der Kunstakademie seine in Dresden erfolgreiche Ausbildung zum Künstler fortsetzen kann. Und dann schließt sich der Kreis: Mit der Sinnfrage „Wer bin ich“ gelingt ihm eine Serie von Bildern mit privatem wie auch politischem Hintergrund Nazideutschlands, das ihn zu seiner ersten Ausstellung verhilft, ohne zu ahnen, welche Rolle auch Seeband dabei in Wirklichkeit spielt.
Florian Henckel von Donnersmarck gelang ein episches Filmwerk nach eigenem Drehbuch. Es ist ein eindrucksvolles Plädoyer für Kunst und Kunstfreiheit. Es ist eine wunderbare Liebesgeschichte. Es ist die Geschichte von Freundschaft. Es ist der Glaube an die Wahrheit und an sich selbst. Es ist ein Stück Geschichte Deutschlands im Zweiten Weltkrieg. Es ist ein erschreckender Blick in die Verbrechen des Nationalsozialismus. Und es ist ein Stück Geschichte Deutschlands in Ost und West, in DDR und BRD. Neben der Geschichte von Kurt Barnert ist das zentrale Element des Films die Kunst. Der Film beginnt mit der Führung durch eine Nazi-Ausstellung mit Werken „Entarteter Kunst“ im Jahre 1940. Im Weiteren zeigt uns der Film die Kunst und Kunstförderung der frühen DDR und endet mit den neuen Kunstformen, gezielt weg von der Malerei, in den ersten Jahrzehnten der jungen BRD. Wie auch die Lebensgeschichte von Kurt und seiner Frau, so glaubhaft ist auch dieser Exkurs durch die Kunstgeschichte.
Henckel von Donnersmarck inszeniert stilsicher und ohne Brüche, emotional und doch ohne falsches Pathos. Ein großes Lob verdient die gute Kameraführung, das perfekte Szenenbild und die hervorragende Ausstattung bis ins Detail. Die begleitende Musik wurde mit klassischen wie auch zeitgenössischen Themen dramaturgisch bestens den jeweiligen Szenen angepasst. Eindrucksvoll und bis in die kleinsten Rollen hinein ist die Besetzung des Films. Herausragend dabei Tom Schilling wie auch Paula Beer als Liebespaar. Sebastian Koch gelingt hier im Gegensatz zum zerbrechlichen Stasi-Opfer in DAS LEBEN DER ANDEREN eine ganz andere bestechende Variante seines schauspielerischen Könnens: Vom eiskalten SS-Offizier und Euthanasie-Verbrecher zum kommunistischen Parade-Arzt der DDR bis hin zu seiner Arzt-Karriere im Westen Deutschlands. Und das große Lob für die gelungenen schauspielerischen Leistungen lässt sich auch auf das weitere Ensemble ausdehnen.