Wer wir waren

Kinostart: 08.07.21
2020
Filmplakat: Wer wir waren

FBW-Pressetext

Ein eindringlicher und inspirierender filmischer Appell an die Wichtigkeit des globalen Dialogs zur Zukunft unseres Planeten

Basierend auf Essays von Roger Willemsen erzählt der neue Dokumentarfilm von Marc Bauder von engagierten und visionären Persönlichkeiten auf der ganzen Welt, die sich im Heute Gedanken über das Morgen machen. Durch seine erzählerische Ruhe, die starken Kinobilder und die Fokussierung auf charismatische Protagonist*innen transportiert der Film seine wichtige Botschaft und entwickelt eine eigene poetische Kraft.

Marc Bauder begleitet in WER WIR WAREN seine Protagonist*innen bei ihren Tätigkeiten, die sich immer auch anfühlen wie Herzensprojekte. Ob der Astronaut Alexander Gerst auf der ISS, die Meeresforscherin Sylvia Earle bei ihren Erkundungen in der Tiefsee oder die Post-Humanistin Janina Loh bei ihren Forschungsreisen in Sachen Künstlicher Intelligenz. Sie alle reflektieren nicht nur über ihre Arbeit, sondern vielmehr über die globalen Zusammenhänge und die Wichtigkeit, diese für unseren Planeten und damit auch für unser Überleben richtig einzusetzen. Passend dazu schafft die Montage, unterstützt von einem stimmungsschaffenden Score und eindrucksvollen Kinobildern von ganz oben im All oder ganz unten im Meer, in sich geschlossene Themenwelten, die durch eine raffinierte Montage Teil eines großen Ganzen werden. Die große erzählerische Ruhe erlaubt dem Zuschauer eine Reflexion, was durch die als Voice Over eingesetzten philosophischen Gedanken von Roger Willemsen, der mit seinem Buch die Inspiration zum Film lieferte, unterstützt wird. Bauder zeigt einzelne Konflikte auf, die aber immer darauf hinauslaufen, dass der Dialog und der Austausch zwischen Positionen und Menschen unerlässlich ist. Besonders klar wird das in einer der stärksten Episoden, in der sich der Ökonom und Philosoph Felwine Sarr mit Kollegen in Afrika über die Folgen der Entwicklungspolitik und die Herausforderungen und Chancen für den Kontinent unterhält. Seine Gedanken eröffnen eine völlig neue Perspektive auf ein lang bekanntes Thema und machen deutlich, dass nur miteinander etwas Produktives entstehen kann. Auf diese Weise macht WER WIR WAREN eindringlich auf Probleme aufmerksam und zeigt gleichzeitig Möglichkeiten auf, diese ändern und gestalten zu können.
Prädikat besonders wertvoll

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Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm
Regie:Marc Bauder
Drehbuch:Marc Bauder
Kamera:Börres Weiffenbach
Schnitt:Stefan Stabenow
Musik:Thomas Kürstner; Sebastian Vogel
Webseite:bauderfilm.de;
Länge:100 Minuten
Kinostart:08.07.2021
Verleih:X Verleih
Produktion: BAUDERFILM GmbH Marc Bauder, HR; RBB; SWR; Arte; Hanfgarn& Ufer;
Förderer:FFA; BKM; MBB; DFFF; HessenFilm und Medien

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Ein Denker betrachtet die Probleme unserer Zeiten – aus der Zukunft heraus. Dieses Konzept des unvollendeten Essays von Roger Willemsen mit dem gleichen Titel inspirierte Marc Bauder zu seinem neuen Dokumentarfilm. Passagen aus Willemsens Text werden im Off mit sonorer Stimme vorgelesen, doch davon abgesehen nutzt Bauder den Text eher als den Rahmen und Resonanzkörper seines Films. Für diesen hat er sechs Wissenschaftler*innen danach befragt, wie sie sich die Zukunft der Menschheit vorstellen und welche Konflikte unbedingt gelöst werden müssen, damit wir überhaupt noch eine Zukunft haben. Dafür hat er Alexander Gerst eine Kamera in die ISS mitgegeben, und die damit gefilmten Aufnahmen von der Erde aus dem Weltall sowie dem Leben in der Schwerlosigkeit liefern die großen Schauwerte des Films. Doch ähnlich spektakulär sind die Bilder vom Grund der Tiefsee, die bei den Tauchgängen der Meeresbiologin Sylvia Earle entstanden. Sowohl von ganz oben wie auch von ganz unten wirkt die Erde majestätisch, doch Gerst und Earle machen auch deutlich, wie fragil ihr Zustand ist und wie zerstörerisch die Menschen mit dem „einzigen Ort im Universum, wo Menschen leben können“ (so Gerst) umgehen. Die Posthumanistin Janina Loh steht dagegen am Anfang des Films an einem postapokalyptisch wirkenden Ort: einem verseuchten Strand bei Fukushima. Die Aufnahmen wurden vor dem Ausbruch der Corona-Epidemie gedreht. Doch sie trägt eine Atemmaske und diese Sequenz weckt inzwischen ganz andere Assoziationen, mit denen Marc Bauder höchstens bei der Montage des Films gerechnet haben kann. Bauder arbeitet gerne mit Kontrasten, und so hat er seine Protagonist*innen an möglichst unterschiedlichen Schauplätzen aufgenommen. Und es gelingt ihm zusammen mit seinem Kameramann Börres Weiffenbach, jeweils den Geist des Ortes einzufangen – sei es in einem buddhistischen Kloster oder auf internationalen Meetings mit John Kerry und Angela Merkel. Der fließend assoziative Schnitt und die atmosphärisch reiche Filmmusik geben dem Film eine Ruhe, durch die er nie überladen wirkt, obwohl in ihm viel geredet wird. Oft werden die Protagonist*innen in Zwiegesprächen gezeigt, so macht Bauder auch stilistisch eine der Kernaussagen seines Films deutlich: dass nachhaltige positive Veränderungen nur über Austausch und Dialog möglich werden. WER WIR WAREN bietet ein sinnliches Kinoerlebnis und regt zugleich zum Nachdenken darüber an, wer wir sind.