Filmplakat: Wannabe

FBW-Pressetext

Im Grunde hat Coco nur einen Traum: Sie möchte berühmt werden. So wie die anderen Stars auf YouTube und Instagram. Und Coco weiß genau, dass sie auch das Zeug zu einer echten Influencerin hätte. Doch ihre Mutter ist natürlich überzeugt davon, dass Coco etwas „Anständiges“ lernen sollte. Außerdem bleiben die Follower in den sozialen Netzwerken aus. Und ohne Follower keine Berühmtheit im Netz. Für Coco ist klar: Sie muss schon zu etwas drastischeren Maßnahmen greifen, um ihre Ziele zu erreichen. Denn wenn man erstmal berühmt ist, dann ist man auch etwas wert. Egal, für wie lange. Jannis Lenz, der Regie an der Filmakademie Wien studiert, greift in WANNABE das hochaktuelle Thema der sozialen Netzwerke auf. Die falschen Verlockungen eines schnellen und vergänglichen Ruhms, die Oberflächlichkeiten eines YouTube-Beitrags oder die verfälschten Bilder, die man nach außen gibt – all das behandelt Lenz‘ Film, ohne dabei mahnend den Zeigefinger zu heben oder moralisch zu werden. Vielmehr begibt man sich als Zuschauer mit Coco, die Anna Suk auf beeindruckend vielschichtige Weise spielt, auf den Weg in die totale Abhängigkeit vom Netz. Die Dialoge sind realistisch und aus dem Alltag gegriffen, die Kamera ist immer ganz nah bei Coco und entlarvt in einigen klug gewählten Einstellungen die Wahrheit hinter der oberflächlichen Web-Fassade. WANNABE ist hochrelevantes und klug erzähltes Kurzfilmkino, das überrascht, berührt und beeindruckt.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Spielfilm; Kurzfilm
Regie:Jannis Lenz
Darsteller:Anna Suk; Simone Fuith; Julia Plach; Mathias Dachler; Merlin Leonhardt; Markus Schleinzer
Drehbuch:Jannis Lenz; Andi Widmer; Matthias Writze
Kamera:Andi Widmer
Schnitt:Alexander Rauscher,
Musik:Mirac; Bendejo; Abgeschirmt
Webseite:wannabe-film.com;
Länge:29 Minuten
Verleih:sixpackfilm
Produktion: Ocean Pictures Filmproduktion Roland Fischer, Filmakademie Wien
Förderer:German Films; Wien Kultur; Gender & Diversity der mdw; Freunde der Filmakademie; kleinwalsertal; VAM

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Es ist schon interessant, welche Gefühle Jannis Lenz‘ Kurzfilm bei der Jury angesprochen hat. Von anfänglichen Momenten des Fremdschämens, über die schlechte Selbsteinschätzung der Protagonistin Coco, bis hin zu Gefühlen des Mitleids: WANNABE spielt auf einer ganzen Klaviatur der Emotionen und muss sich dafür nicht einmal weit aus dem Fenster lehnen. In der Tat erscheint der Jury die Geschichte von Coco wie aus dem Leben gegriffen. Die 17-jährige wäre gerne ein Star. „Sängerin, Schauspielerin oder Tänzerin“, sagt sie zu Beginn noch. Und wenn schon kein ganz großer, dann zumindest genauso bekannt wie PewDiePie, JennaMarbles oder Yuya. Jene Youtube-Vlogger, die mit ihren Clips jede Menge Geld verdienen. In dieses Ziel setzt Coco alle Zeit und Energie. Im wirklichen Leben dagegen hat sie sogar große Probleme damit, dem Schulunterricht zu folgen.

WANNABE ist eine interessante Studie über Realitätsfluchten. Reich, berühmt und beliebt will sicherlich jeder Mensch sein. Lenz‘ Kurzfilm bedient sich der Sehnsüchte, die Social Media-Influencer bei ihrer Zielgruppe erzeugen. Bewaffnet nur mit Kamera, bzw. Smartphone und einer guten Idee wirkt es bei ihnen so simpel, berühmt zu werden. Die harmlosen Plaudereien im Youtube-Stil sind einfach und auch kinderleicht zu imitieren. Der Erfolg ist aber nicht garantiert.

Die Jury lobte in der Diskussion die Hauptdarstellerin Anna Suk. Auf ihren darstellerischen Fähigkeiten ruht das Konzept, mit ihr steht und fällt das Projekt. Schnitt, Sprache und Ton halten sich dabei konsequent an die Standards der Social Media-Kanäle und entführen überzeugend in die eitle Welt der Youtube-Stars. Aber WANNABE will natürlich keine Kopie der Social Media-Clips sein. Der Film entführt hinter die schillernde Fassade jener Youtube-Clips und wirft einen Blick auf das normale Leben derer, die gerne wie ihre Vorbilder wären. Anders als sie auf ihrem Channel glauben machen will, besteht Cocos Leben beinahe durchgängig aus Niederlagen und Rückschlägen. Die Jury fand glaubhaft und stimmig, wie Jannis Lenz das reale und private Leben Cocos zeichnet. Der Film zeigt den Unterschied zwischen Likes und Gefühlen, zwischen virtuellen „Freundschaftsanfragen“ und realen Freundschaften.