Vom Duft der Roten Beete und den Menschen, die ewig leben

Filmplakat: Vom Duft der Roten Beete und den Menschen, die ewig leben

FBW-Pressetext

Eine Erfindung, durch die Menschen ewig leben, ist doch nichts anderes als ein großer Segen. Oder etwa doch nicht? Diese Frage muss sich der Professor stellen, der durch Experimente mit seinem Lieblingsgewächs, der Roten Beete, den Schlüssel zur Unsterblichkeit gefunden hat. Doch so glücklich wie er sich gedacht hat, sind die Menschen gar nicht mit ihrem Schicksal. Sie sind depressiv und fühlen sich des Sinns des Lebens beraubt. Gut, dass man diese wahren Erkenntnisse vor der Welt verbergen kann. Mit Lügen, Ausreden – oder gefälschten Daten. Der neue Animationsfilm der Filmemacherinnen Maren Wiese und Petra Stipeti? sprüht nur so vor kreativen Einfällen und liebevollen Gestaltungsideen. Sowohl ästhetisch als auch dramaturgisch wirkt der Film wie aus einem Guss und ist dabei noch eine klug durchdachte und vielschichtige Reflexion auf den immer wieder aktuellen Diskurs, ob es jemals ewiges Leben gibt. Und ob es das überhaupt geben sollte. Ein starker Film mit ganz eigener künstlerischer Handschrift.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Kurzfilm
Regie:Maren Wiese; Petra Stipetić
Drehbuch:Maren Wiese; Petra Stipetić
Schnitt:Maren Wiese; Petra Stipetic
Musik:Thomas Höhl
Webseite:petrastipetic.de;
Länge:12 Minuten
Produktion: DOKfront GbR Wittmoser und Kim
Förderer:HessenFilm und Medien

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Im 12-minütigen Animationsfilm VOM DUFT DER ROTEN BEETE UND DEN MENSCHEN, DIE EWIG LEBEN zeigen die Regisseurinnen Maren Wiese und Petra Stipetic eine Zukunftswelt, in der schon ewige Mutationsfolgen die Menschenformen zu großer Vielfalt variiert haben. Vor langer Zeit war es einem Professor gelungen, ein Unsterblichkeits-Elixir aus Roter Beete zu extrahieren, einem Gemüse, das er aus dem Borschtsch seiner Großmutter kannte. In der Gegenwart der Zukunft angekommen beschäftigt sich der Professor mit der Evaluation seiner Erfindung durch Umfragen, die von Künstlicher Intelligenz und auf Social Media durchgeführt werden. Dabei stellt sich heraus, dass die meisten Menschen mit der Situation unglücklich sind, weil ihnen zur Ewigkeit verdammt der Sinn des Lebens verlorengegangen ist – mit der Folge von Depression und Selbstbetrug. Was der Professor aber leugnet oder ihm gleich in Form verfälschter Daten und Fake News verheimlicht wird.

Diese dystopische, lebensphilosophische Geschichte, die auch noch Wissenschafts- und Forschungsethik behandelt, ist in einer eigenen, schlüssigen, gut durchgehaltenen psychodelischen Bildersprache sehr formen- und einfallsreich erzählt. Assoziationen zu Expressionismus, Surrealismus und drogeninspirierten Illustrationen der späten 1960er Jahre intensivieren das grafisch hochwertige Erlebnis. Auch die Musik als durchkomponierter, aber durchaus konturierter Klangteppich gefiel der Jury. Verwirrend und störend war für sie nur die Vielfalt der Thesen und Meinungsäußerung, die auch durch beabsichtigte Sprach- und Stimmverzerrungen zum Teil nicht ganz verständlich wurden, sodass eher ein inspirierender Gesamteindruck als eine differenzierte Denk- und Diskussionsanregung entstand. In Abwägung aller Argumente und im Anschluss an eine spannende Diskussion verleiht die Jury gerne das Prädikat WERTVOLL.