vincent will meer

Kinostart: 22.04.10
VÖ-Datum: 04.11.10
2010
Filmplakat: vincent will meer

FBW-Pressetext

Junges deutsches Kino mit viel Elan und Frische: Der Tod seiner Mutter reißt den unter Tourette-Syndrom leidenden Vincent aus der behüteten Isolation und konfrontiert ihn mit der Realität eines Pflegeheims. Hals über Kopf bricht er mit der essgestörten Marie und dem extrem zwangsneurotischen Alex zu einem turbulenten Roadtrip nach Italien auf. Für das liebenswert kuriose Trio wird die Flucht vor den Autoritäten im Laufe der Reise zum Meer ein Aufbruch in ein selbstbestimmtes Leben. Energiegeladene, junge Darsteller – allen voran Hauptdarsteller und Drehbuchautor Florian David Fitz - vermitteln die Willensstärke der Figuren, die trotz ihrer seelischen Behinderungen als Gruppe zusammenwachsen, sich kennen, schätzen und lieben lernen. Die dynamische Geschichte meistert die Herausforderung eines Spagats zwischen authentisch umgesetzten Krankheitsbildern, die berühren, und einem unterhaltsamen Roadmovie mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen. Respekt!

Filminfos

Kategorie:Spielfilm
Gattung:Drama; Komödie; Spielfilm
Regie:Ralf Huettner
Darsteller:Heino Ferch; Karoline Herfurth; Florian David Fitz; Johannes Allmayer; Katharina Müller-Elmau
Drehbuch:Florian David Fitz
Kamera:Andreas Berger
Schnitt:Kai Schroeter
Musik:Stevie B-Zet; Ralf Hildenbeutel
Webseite:film.de;
Länge:95 Minuten
Kinostart:22.04.2010
VÖ-Datum:04.11.2010
Verleih:Constantin Film Verleih GmbH
Produktion: Olga Film GmbH
FSK:6
Förderer:FFA; MBB; FFF Bayern; DFFF
DVD EAN-Nummer:4011976874782
Anbieter-Link:constantin-film.de
DVD Extras:Making of, Interviews, Entfallene Szenen, Behind the Scenes, Bio- und Filmografien

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die Protagonisten des Films sind schon besondere Filmfiguren: Vincent leidet am Tourette-Syndrom, Alexander ist Zwangsneurotiker und Marie magersüchtig. Alle Drei sind gleichsam an den Rand der Gesellschaft gestellt.

Das Drehbuch von Hauptdarsteller Florian David Fitz führt diese Drei zusammen, bringt sie zu einer Flucht aus einer Therapieklinik und zu einer wechselvollen Reise ans Meer, nach San Vicente. In diesem Roadmovie entstehen und entwickeln sich neue Beziehungen. Ein Blick- und Interpretationswechsel auch für den Betrachter: Er sieht Außenseiter nicht mehr als Sonderfälle mit Tabuisierung- und Abgrenzungspotenzial. Er sieht Menschen in unserer Nähe, die vor allem eines verdienen: Beachtung.

Eine ziemlich klare moralische Botschaft des Films, die aber - ein Glücksfall - nicht mit der pädagogischen Keule winkt, sondern sie als Grundelement in einen unterhaltsamen Film integriert. VINCENT WILL MEER trägt Züge eines modernen Märchens, bleibt eine Legende aus dem Alltäglichen, changiert zwischen Derbheit und Zartheit.

Das ist eine filmische Leistung, die so nicht zu erwarten war, denn die Fallstricke sind gerade bei einem solchen Sujet erheblich. Und wie leicht wäre es gewesen, in die üblichen Floskeln medialer Betroffenheitskultur zu verfallen. Regisseur Ralf Huettner und sein Autor haben folglich eine Gratwanderung hinter sich. Auch jetzt stehen sie ab und an nahe am Absturz - in die filmische Korrektheit der Botschaft zum einen, zum anderen in das deutsche Komödienelend.

Sie stürzen aber nicht ab, halten die Balance, nach dem Motto „Die Krankheit ernst nehmen und trotzdem die Komödie nicht vergessen". Ralf Huettner drückte es mit den Worten aus: „Man muss die Figuren beschützen, gleichzeitig aber den Film im Kopf haben." Am Ende der ereignisreichen Filmreise ist keiner der Reisenden wundersam geheilt, aber alle haben sich verändert. Und auch dem Zuschauer öffnet sich die Chance, eigene Vorurteile zu hinterfragen und vielleicht (nach dem Prinzip Hoffnung) abzulegen.