Vergiftete Wahrheit

Kinostart: 16.04.20
2019
Filmplakat: Vergiftete Wahrheit

FBW-Pressetext

Das faszinierende Justizdrama in der Regie von Todd Haynes erzählt die wahre Geschichte des Anwalts Robert Bilott, der seit mittlerweile zwanzig Jahren einen Kampf gegen einen der größten Chemiekonzerne führt.

Robert Bilott ist gerade erst Partner in einer renommierten Kanzlei geworden, als ein neuer Klient an ihn herantritt. Ein Farmer aus einer Kleinstadt in West Virginia will das Unternehmen DuPont verklagen, das seit mehreren Jahrzehnten ungefiltert Chemikalien in Flüsse leitet und somit nicht nur dafür sorgt, dass die Tiere, die das vergiftete Wasser trinken, elendig verenden, sondern dass auch die Menschen in diesem Teil West Virginias an Krebs und anderen schweren Krankheiten leiden und sterben. Die Firma DuPont jedoch redet sich heraus. Denn immerhin hat sie es schwarz auf weiß, dass das Wasser nur bis zu einer erlaubten Grenzmarke verschmutzt wird. Außerdem gibt es keine Erhebungen, die einen Zusammenhang zwischen der Wasserbelastung und den Krankheitsmerkmalen beweisen könnten. Genau diese Erhebungen will Robert Bilott nun durchführen. Und er merkt schnell, dass er damit in ein Wespennest sticht. Schon die ersten Minuten von VERGIFTETE WAHRHEIT, dem neuen Film von Regisseur Todd Haynes, machen die ganze Dimension des großen Skandals klar, der nicht etwa eine filmische Erfindung, sondern Tatsache ist. Der Anwalt Robert Bilott, glaubwürdig und mit Brüchen und Kanten verkörpert von Mark Ruffalo, kämpft seit mittlerweile zwanzig Jahren für die Rechte der Bewohner von Parkersburg in West Virginia. Die endlosen Mühen eines solchen Prozesses, das Auf und Ab und die vielen Enttäuschungen – all das machen Todd Haynes und seine Drehbuchautoren Matthew Michael Carnahan und Mario Correa anhand von langen dialogbetonten Szenen deutlich, die dank einer klug komponierten Lichtsetzung und einem basslastigen und damit immer subtil bedrohlich wirkenden Score die Atmosphäre der permanenten Unsicherheit hervorrufen und beim Zuschauen die Erinnerung an Genreklassiker wie DIE SIEBEN TAGE DES CONDOR und DIE UNBESTECHLICHEN hervorrufen. Todd Haynes ist, basierend auf einer wahren Geschichte, ein faszinierendes Justizdrama gelungen, das seine klare und anklagende Botschaft direkt an die richtet, die denken, mit ihrem Unrecht auf ewig durchzukommen. Ohne an Menschen wie Robert Bilott zu denken, die sich unermüdlich dagegen stellen werden.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Todd Haynes
Darsteller:Anne Hathaway; Mark Ruffalo; William Jackson Harper; Bill Pullman; Tim Robbins; Mare Winningham; Bill Camp; Victor Garber
Drehbuch:Matthew Michael Carnahan; Mario Correa
Kamera:Edward Lachman
Schnitt:Affonso Goncalves
Musik:Marcelo Zarvos
Länge:127 Minuten
Kinostart:16.04.2020
Verleih:Tobis
Produktion: Participant Productions, Killer Films;

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Todd Haynes steht mit VERGIFTETE WAHRHEIT in der Tradition von US-amerikanischen Filmen, in denen aufrechte Anwälte gegen scheinbar übermächtige Industrieriesen kämpfen. Diese Filme basieren oft auf wahren Geschichten – hier ist die Quelle ein Artikel im New York Times Magazin. Erzählt wird davon, wie der Chemiekonzern DuPont wissentlich umweltschädliche Stoffe entwickelte und herstellte und dabei die Vergiftung vieler der Angestellten einer Chemiefabrik in Parksburg, West Virginia, der Bürger dieser Kleinstadt sowie deren Böden und des Trinkwassers in Kauf nahm. Auf einer Ebene wird durch den Film dieser gigantische Skandal publik gemacht, denn DuPont macht immer noch mit Teflon Milliardengewinne, obwohl inzwischen gerichtlich erwiesen ist, wie umweltschädlich sowohl die Herstellung wie auch die Nutzung dieser Kunststoffbeschichtung ist. Doch interessanter ist die zweite Ebene des Films, denn hier wird komplex und subtil ein menschliches Drama aufgeführt. Der Protagonist Rob Bilott, von Mark Ruffalo sehr einnehmend als nachdenklicher, gewissenhafter Familienmensch dargestellt, muss einen hohen Preis dafür zahlen, dass seinen Klienten, den „kleinen Leuten“ aus der Gegend, schließlich ihr Recht zugesprochen wird. Statt eine ihm als Partner einer Anwaltskanzlei sichere Karriere zu machen, verbeißt er sich in den Fall, wird von vielen Seiten angefeindet und schließlich drohen sogar seine Gesundheit und seine Ehe unter dem ständigen Druck Schaden zu erleiden. Todd Haynes, dessen Stärke es ist, mit großer Sensibilität und stilistischem Einfallsreichtum davon zu erzählen, wie Menschen miteinander umgehen, brilliert hier mit genau beobachteten und gestalteten Szenen, in denen oft durch Details wie etwa eine zitternde Hand mehr über eine Person oder eine Situation deutlich gemacht wird als durch lange Dialoge. Haynes fängt die Atmosphäre und das Lebensgefühl, in den unterschiedlichen Milieus, in denen der Film spielt, kraftvoll und authentisch ein. Sei es beim Besuch auf einer Farm, in der sowohl die Tiere wie auch die Menschen langsam vergiftet werden oder bei einer Festlichkeit der Mächtigen und Reichen in Cincinnati. Man spürt in diesem Film den Zorn der Filmemacher über die politischen und ökonomischen Zustände in ihrem Land. Vor allem bietet VERGIFTETE WAHRHEIT aber virtuoses, intelligentes und spannendes Erzählkino.