Vaterlandsliebe

Filmplakat: Vaterlandsliebe

FBW-Pressetext

Jens ist ein ganz normaler Typ von nebenan. Sich selbst beschreibt er als offen und ehrlich. Doch was ihn ganz besonders auszeichnet, ist seine bedingungslose Liebe zu seinem Vaterland. Deutsche Kultur, deutsche Tugenden, deutsche Traditionen – das alles möchte Jens hochhalten und beschützen. Die Tatsache, dass unser Land aber immer multikultureller wird, ist für ihn nur schwer zu ertragen. Der studentische Kurzfilm mit dokumentarischem Anschein von Nico Sommer wartet mit dramaturgischen Überraschungen auf. Die Erzählerstimme der Hauptfigur Jens kommentiert selbstsicher Situationen, die sich im Bild völlig anders darstellen. So wird mit gelungenen Brüchen eine Illusion einer engstirnigen Gruppe der Gesellschaft reflektiert, die versucht, durch angesammeltes Halbwissen eine Vormachtstellung zu behaupten. Der Film schafft es so, eine wichtige Diskussion weiter anzuregen und zeigt, dass die durch Jens verkörperte Einstellung zwangsläufig scheitern muss.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Kurzfilm
Regie:Nico Sommer
Darsteller:Fabian Püschel; Eve Wangui
Drehbuch:Nico Sommer; Fabian Püschel
Kamera:Nico Sommer
Schnitt:Nico Sommer
Musik:Wolfram Lauenburg
Webseite:suesssauerfilm.de;
Länge:20 Minuten
Verleih:interfilm Berlin Management GmbH
Produktion: süsssauer Filmproduktion Nico Sommer, Kunsthochschule Kassel;
Förderer:Kunsthochschule Kassel

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Der dokumentarisch anmutende Kurzfilm von Nico Sommer wirkt verblüffend. Er vermittelt Einblicke in das Leben von Jens, den der Co-Drehbuchautor Fabian Püschel im Film verkörpert. Jens will kein Nazi sein, liebt aber sein deutsches Vaterland. Er arbeitet als Nachtwächter in einem Kunstmuseum, dressiert seinen Schäferhund und hat eine dunkelhäutige Freundin. Dieser Protagonist versucht Ehrlichkeit als seine Haupttugend vorzuführen und bietet ein provokantes Gemisch aus Halbwahrheiten, Paradoxien und stilisierten Klischees. Sind moderne Künstler schwul? Gibt es bei Delphinen Massensexorgien? Bilden die Deutschen in vielen Berliner Schulen nur noch eine Minderheit? Brauchen die braven Kleinbürger „ihren Nazi“ als Feindbild bzw. als einen sie selbst entlastenden Sündenbock? Was ist mit dem Alptraum, dass aus dem Bäcker über Nacht einer Dönerladen wird? Gibt es eine Pille gegen Vaterlandsliebe?
Was weite Kreise der Bevölkerung nicht offen (- oder nur unter Einfluss von Alkohol am Stammtisch) aussprechen, wird in dieser Satire bloßgestellt. Raffiniert erzählt (u. a. auch mit Kommentaren eines Boxtrainers) und geschickt gedreht, dürfte dieser Kurzfilm für viel Meinungsstreit, vielleicht auch für einige Missverständnisse sorgen. Die Jury entschied sich auch deshalb für das Prädikat „besonders wertvoll“, weil die aufgeworfenen Fragen eine intensive Auseinandersetzung wert sind.