UMMAH - Unter Freunden

Kinostart: 12.09.13
VÖ-Datum: 11.04.14
2013
Filmplakat: UMMAH - Unter Freunden

FBW-Pressetext

Daniel arbeitet schon seit mehreren Jahren für den Verfassungsschutz. Die stetigen Einsätze als verdeckter Ermittler haben den jungen Mann zermürbt. Eines Tages kommt es zu einer Schießerei, bei der Verdächtige sterben und nach der Daniel sich nur noch wünscht, abzutauchen ins „ganz normale Leben“. Wenigstens für eine kurze Zeit. Von seinem Chef wird er in Berlin Neukölln untergebracht. Nach und nach lebt sich Daniel im Kiez ein und wird von der größtenteils türkisch-arabischen Nachbarschaft freundschaftlich in die Gemeinschaft aufgenommen. Doch auch wenn Daniel neue Freunde findet und sich ein kleines Zuhause schafft, holt ihn eines Tages seine Vergangenheit und die Erwartungen seines Arbeitgebers ein. Aus der Perspektive Daniels wird dem Zuschauer in Cüneyt Kayas Film die türkisch-arabische Kultur näher gebracht. Diese ist mit solch wunderbar skurrilen und doch zutiefst authentischen Charakteren bestückt, dass man in jeder Szene die Wärme und Freundschaft spürt. Die größte Wandlung durchlebt sicherlich Daniel, intensiv und grandios von Frederik Lau verkörpert, der vom außen stehenden Beobachter und Fremden zu einem Teil der Gruppe wird und in der Gemeinschaft eine Familie findet. Für die ist er bereit zu kämpfen. Bis zum bitteren Ende. Kaya erzählt geradlinig und konsequent und scheut auch nicht vor typischen Culture-Clash-Situationen zurück. Doch nicht eine Sekunde macht der Film sich über die Figuren lustig, denn gegenseitiger Respekt und Freundschaft bestimmen die Handlung. Ein wichtiger Debütfilm mit positiver Botschaft für das Miteinander der Kulturen.

Filminfos

Gattung:Drama; Komödie; Spielfilm
Regie:Cüneyt Kaya
Darsteller:Frederick Lau; Kida Khodr Ramadan; Burak Yigit; Mona Pirzad; Sami Nasser; Eray Egilmez; Christian Kahrmann; Ugur Polat; Eleonore Weisgerber
Drehbuch:Cüneyt Kaya
Kamera:Sebastian Bäumler
Schnitt:Laylah Naïmi
Musik:Frank Schreiber; Paul Wollstadt
Weblinks:zelluloid.de; moviejones.de;
Länge:94 Minuten
Kinostart:12.09.2013
VÖ-Datum:11.04.2014
Verleih:Senator
Produktion: All Ahead Film Cüneyt Kaya, deutschfilm; kahuuna films;
FSK:12
Förderer:FFA
BD EAN-Nummer:888837959490
DVD EAN-Nummer:88883795391
Anbieter-Link:senator.de
DVD Extras:Making of Interviews; Fotogalerie;

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

In Cüneyt Kayas Kinodebüt kommt es knüppeldick: Ein Geheimdienstaussteiger nimmt eine Auszeit, und obwohl er eigentlich nur seine Ruhe möchte, lässt er sich darauf ein, seine neue, ihm vollkommen fremde Nachbarschaft in Berlin Neukölln kennen und schätzen zu lernen. Doch dann holt seine Vergangenheit ihn ein.

Dieses Kinodebüt zeichnet sich vor allem durch die hervorragende Führung und Leistung des Hauptdarstellers Frederik Lau aus. Sein Spiel ist in allen Momenten derart nuancenreich, überzeugend und mitreißend, dass man ihm nur zu gerne durch sein neues Leben folgt. Ihm ist es auch zu verdanken, dass man der Geschichte die eine oder andere Drehbuchschwäche verzeiht, vor allem im Bezug auf die Rolle des Geheimdienstes, der immer wieder nah an Karikaturniveau herangeführt wird. Kaya hat Neukölln hervorragend beobachtet, alle Haupt- und auch die Nebenfiguren des Kiezes zu einer Lebenswelt verdichtet, die auch für Außenstehende glaubhaft erscheint. Immer wieder ertappt sich der Zuschauer bei der Überprüfung eigener Vorurteile, immer wieder bricht das intelligente Drehbuch mit Erwartungshaltungen.

Der Bewertungsausschuss hat sehr lange und intensiv über die Rolle des Geheimdienstes diskutiert, in wie weit dieser Gegenpol grob vereinfacht dargestellt werden musste, um die Geschichte nicht zu sehr vom Kern abweichen zu lassen, oder ob eine bessere Differenzierung von Davids Gegenpol dem Fluss und der Glaubwürdigkeit der Geschichte gut getan hätte. Der Einsatz von Stereotypen ist legitim, die Schwarz-weiß-Zeichnung hier jedoch sehr grob ausgefallen, zumal das sehr dick aufgesetzte Ende wie ein politisches Statement wirkt und damit vom Kern des Films ablenkt.

Da aber die positiven Aspekte der Inszenierung überwogen, vor allem die Darstellung der archaischen Welt, das differenzierte Porträt des Miteinanders in Neukölln und auch der ein oder andere selbstironische Blick auf diese in Teilen noch immer in sich geschlossenen Gesellschaft, hat sich doch eine Mehrheit für die Erteilung des höchsten Prädikates entschieden. Cüneyt Kaja ist ein überraschendes und auch überraschend starkes Debüt gelungen, dass neugierig macht auf die weitere Karriere dieses begabten Drehbuchautors und Regisseurs.