This Ain’t California

Kinostart: 16.08.12
VÖ-Datum: 08.03.13
2012
Filmplakat: This Ain’t California

FBW-Pressetext

Nico, Tom und Denis waren die besten Freunde in der DDR der 80er Jahre. Eines Tages entdeckten sie das „Rollbrett“ für sich, im Westen bekannt als Skateboard. Bald schon trafen sich am Alexanderplatz jede Menge Skateboarder, die mit ihrem Sport und ihrer Einstellung den klaren Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung demonstrierten. Ein Zeichen für das, was danach kommen sollte. Denis war einer der Anführer. Die Freunde kommen in dieser dokumentarischen Erzählung zusammen und erinnern sich noch einmal. Marten Persiel ist es gelungen eine Geschichte zu erzählem, die den Zuschauer in die jüngste Geschichte Deutschlands vor der Wende noch einmal entführt. Durch Unmengen an Archivmaterial und eine kluge Auswahl an Protagonisten wird die Zeit einer ganzen Generation wieder sicht- und vor allem fühlbar. Der perfekt gewählte Soundtrack mit Hits aus Ost und West unterstützt dies zusätzlich. Ob alte selbstgedrehte Filme, neu inszenierte Stunts oder auch Animationen, immer überträgt sich die lebensbejahende Kraft der Skater auf die Leinwand. Die Spur von Denis verlor sich für die meisten nach der Wende. Doch dieser ihm gewidmete Film lässt seine Zeit und seine Freunde nie vergessen. Mitreißend, mit hohem Tempo und ganz viel Gefühl.

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm
Regie:Marten Persiel
Drehbuch:Ira Wedel; Marten Persiel
Kamera:Felix Leiberg
Schnitt:Maxine Goedicke; Bobby Dood
Musik:Lars Damm
Webseite:thisaintcalifornia.de;
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:96 Minuten
Kinostart:16.08.2012
VÖ-Datum:08.03.2013
Verleih:Farbfilm Verleih
Produktion: Wildfremd Production GmbH Michael / Ronald Schöbel / Vietz, arte; RBB; MDR
FSK:12
Förderer:MBB
DVD EAN-Nummer:4250216604882
Anbieter-Link:www,sony.de
DVD Extras:Making of, Bildergalerie

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Nein, es ist nicht Kalifornien, was wir hier sehen, es ist ein Stück gelebte DDR, wie sie die meisten von uns (im Westen) wohl nicht kennen. Mit rasanten Schnittfolgen steigt der Film in sein Thema ein, begleitet von Musik der 80er Jahre und hier startet er auch. Sein Protagonist, Denis auch genannt Panik, ein begabter junger Sportler, wird von seinem Vater trainiert, soll Schwimmer werden, verweigert sich bei allem Drill und folgt seiner Berufung – Skateboard fahren und ohne Regeln leben. Ihm folgt der Film, zeigt sein Können auf dem Board, schildert die Skater-Bewegung der DDR, die schließlich eingemeindet werden sollte in den Sportlerbetrieb, der im Ausland so erfolgreich war - ließ sich aber nicht fassen, nicht einfangen.
Der Film baut zusammen mit den Freunden von Denis dessen Leben nach. Dazu bedient er sich strukturierender Elemente, eine durchgängige inszenatorische Idee zeigt das Leben von Denis als Animation, der Film gliedert sich in sieben Kapitel. Als Held der Skater-Szene war Denis der einzige, der es wagte, wirklich gegen den Strom zu schwimmen, er drehte das große Rad. Der Zuschauer erlebt diesen außergewöhnlichen Jungen in vielen Szenen aus privaten Super8-Filmen.
Dieses private Material prägt auch die Ästhetik des Films, der dadurch wild, rau und auf eine sympathische Art unbearbeitet wirkt. Dazu kommt die Filmmusik, gecoverte Titel der 80er Jahre, die den Bildern zusätzlich einen unwiderstehlichen Charme verleihen. Schlüsselszenen zeigen wie in Prag die erste World Championship der Skateboarder stattfand und die Staatsmacht versuchte, Ost- und Westskater voneinander separiert in getrennten Hotels unterzubringen - aber da war es schon zu spät: die Skater aus Ost-Berlin hatten bereits erlebt, wie es ist, mit anderen Jugendlichen aus der ganzen Welt zusammen zu sein, eine Leidenschaft zu teilen und zu reisen.
Eine dramaturgische Stärke des Films stellt seine Rahmung dar, in der die Erzählungen von Freunden Etappen aus Denis’ Leben in all deren Facetten skizzieren. Ihm ist dieser Film gewidmet.

Der Film versteht sich als Dokumentarfilm, hat manchmal die Anmutung eines fiktionalen Films, verwendet zahlreiches privates Originalmaterial und nimmt es mit dem dokumentarischen Purismus nicht immer zu genau. Trotzdem wirkt er authentisch und überzeugt in seiner Konstruktion und seinem Blick auf die Jugendszene der DDR der 80er. Er spiegelt das Lebensgefühl der Jugend jenseits politischer Statements und offizieller Darstellungen wider. Durch die Kombination unterschiedlicher Filmmaterialien wirkt er mutig, lebendig und innovativ. Die Geschichte der Freunde und ihr Blick auf Denis zeugen von einer ungewöhnlichen Freundschaftsgeschichte, in der sie sich im Laufe der Jahre zwar aus den Augen verloren, aber nun gemeinsam an die wilden Jahre erinnern. All diese Elemente ergeben einen sehenswerten, in seiner Konzeption ungewöhnlich stimmigen Film, der seinem Thema in großartiger Weise gerecht wird.