The Wolf of Wall Street

Kinostart: 16.01.14
2013
Filmplakat: The Wolf of Wall Street

FBW-Pressetext

Ende der 80er Jahre will der junge motivierte Jordan Belfort in New York als Börsenmakler Karriere machen. Von Mentoren beeinflusst, lernt er schon bald die Welt der Wall Street mit all ihren Verlockungen kennen. Als Belfort mit seinem Freund Danny ein eigenes Aktienunternehmen gründet, lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten und er schwimmt schon bald in Geld, Drogen und hübschen Mädchen. Doch nicht alle Geschäfte, die Belfort und seine Kompagnons durchführen, sind auch legal. Bald schon ist ihm das FBI auf den Fersen. Und für Belfort wird es immer schwerer, mit dem Leben auf der Überholspur Schritt zu halten. Martin Scorsese hat sich für seinen neuen Film der wahren Geschichte eines berüchtigten Börsenmaklers bedient. Doch sein Film ist viel mehr als nur ein „Einzelschicksal“. THE WOLF OF WALL STREET ist eine Mileustudie einer Zeit, in der die Börse boomte, und das Geld, zusammen mit Alkohol und Drogen, in Strömen floss. Die hochgradige Dekadenz dieser Branche und das allgemeine Gefühl von „Sex, Drugs und Rock’n Roll“ inszeniert Scorsese in einem sprichwörtlichen Bilderrausch, dem man staunend folgt. In Leonardo DiCaprio findet er die perfekte Besetzung für den Protagonisten, der mit seinem Erfolg selbst nicht umgehen kann. Immer mehr verwandelt er sich in einen machtbesessenen und skrupellosen Anführer einer Horde seelenloser Verkäufer, der ohne Drogen nicht mehr leben kann und dem jeglicher Realismus abhanden gekommen ist. Mit seinem passenden Soundtrack, den er ironisch gebrochen und treffend platziert, beweist Scorsese erneut seinen virtuosen Umgang mit Musik. Der gesamte Film wirkt wie eine übergroße und überdrehte Party, bei der man als Zuschauer das Gefühl hat, sie könne nur mit einem Riesenkater enden. Martin Scorsese neuestes Meisterwerk ist ein überspitztes, bissiges und dennoch wahrhaftiges Gesellschaftsporträt.

Filminfos

Gattung:Spielfilm; Biopic
Regie:Martin Scorsese
Darsteller:Leonardo DiCaprio; Jonah Hill; Matthew McConaughey
Drehbuch:Terence Winter
Buchvorlage:Jordan Belfort
Kamera:Rodrigo Prieto
Schnitt:Thelma Schoonmaker
Musik:Howard Shore
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:180 Minuten
Kinostart:16.01.2014
Verleih:Universal
Produktion: Red Granite Pictures, Sikelia Productions; Appian Way; EMJAG Productions;
FSK:16

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die wahren Gangster von New York sitzen in der Wall Street. Von seiner Form erinnert THE WOLF OF WALL STREET an GOOD FELLAS. Auch hier ist die Grundlage ein autobiografischer Text, der vom Aufstieg und Fall eines amoralischen Protagonisten erzählt. Auch hier wird aus der Innenperspektive eines verschworenen Männerbundes erzählt, der nicht umsonst mit Robin Hood und seinen lustigen Kumpanen verglichen wird. Auch hier werden Exzesse von Lust, Sucht und Gier mit einer kalten Virtuosität zelebriert. Doch diesmal ist der manische Antiheld ein Börsenmakler, und auch wenn diese Geschichte von Brokern, die Anleger mit wertlosen Aktionen um ihr Geld bringen, in den noch weitgehend analogen 80er und 90er Jahren spielt, sieht das Publikum ihn mit dem Wissen um die verheerenden Auswirkungen von verbrecherischen Börsengeschäften in den letzten Jahren. Scorsese hat erkannt, dass die Groteske eine angemessene Form ist, mit der man sich auf ein solch absurdes System wie der Finanzmarkt einen Reim machen kann. Und so ist THE WOLF OF WALL STREET zugleich mit einem boshaft überdrehten Humor und eisiger Distanz erzählt. Die Filmfiguren sind Karikaturen, unter denen es nicht einen auch nur halbwegs sympathischen Menschen gibt. Und Scorsese zeigt sie in dekadenten Panoramen, wie jenen wilden Feiern in den Büroräumen, bei denen mit kleinwüchsigen Menschen auf Zielscheiben geworden wird, eine Frau sich für 10000 Dollar kahl scheren lässt oder eine Blaskapelle halbnackt durch die Tischreihen marschiert. Ein Drogenrausch wird in hypnotisch wirkender Zeitlupe inszeniert, und Reichtum mit einer obszön wirkenden Arroganz ausgestellt. Aber es gibt auch kleine, grandios geschriebene und gespielte Szenen wie jene, die damit endet, dass sich Matthew McCounaughey und Leonardo DiCaprio bei einem gemeinsamen Lunch motivierende auf die Brust trommeln. DiCaprio kann inzwischen so perfekt Scorseses Visionen verkörpern wie es früher Robert DeNiro vermochte. Es gibt Momente, in denen er in der Rolle des Jordan Belfort buchstäblich zur Fratze wird. Er spielt ihn mit einer furchtlosen Intensität, zugleich voller Charisma und erbärmlich. Man ist von diesem Wolf zugleich abgestoßen und fasziniert.