The Kids Are All Right

Kinostart: 18.11.10
2010
Filmplakat: The Kids Are All Right

FBW-Pressetext

Lebemann Paul fällt aus allen Wolken, als er eines Tages einen Anruf von seinen Kindern erhält, von denen er bisher nichts wusste: Die beiden sind das Produkt von Pauls Samenspende und lebten bisher wohl behütet mit ihren lesbischen Müttern Jules und Nic zusammen. Doch nun ist es Zeit, den Vater kennenzulernen, finden die Kinder. Und während Paul den Schock noch verarbeiten muss, durchlaufen Jules und Nic eine Ehekrise, die vielleicht auch ein kleines bisschen mit dem neuen „Familienmitglied“ zu tun hat. Das Modell der idealtypischen Familie wird in diesem Film erst in Variation aufgestellt, hinterfragt und neu zusammengeführt. Die Akteure spielen ihre jeweiligen Rollen mit einer für eine Komödie erstaunlichen Ernsthaftigkeit. Annette Bening und Julianne Moore liefern eine grandiose Darstellung als Paar, das an einem Beziehungs-Scheidepunkt angekommen ist, mit all seinen unbequemen Wahrheiten und Entscheidungen. Die Dialoge sind locker und schnell gehalten, doch spürt man trotz all dem trockenen Humor eine tiefe Nähe der Protagonisten zueinander. Das Drehbuch und die Regie von Lisa Cholodenko wirken spritzig und niemals gekünstelt. Der Film funktioniert als unterhaltendes Erzählkino und ist dennoch ein starkes Statement zu mehr Toleranz in der Gesellschaft. Unterhaltend, liebevoll und ehrlich. Großartiges Independent-Kino.

Filminfos

Gattung:Komödie; Spielfilm
Regie:Lisa Cholodenko
Darsteller:Julianne Moore; Annette Bening; Mark Ruffalo; Mia Wasikowska; Josh Hutcherson; Yaya DaCosta; Kunal Sharma; Rebecca Lawrence
Drehbuch:Lisa Cholodenko; Stuart Blumberg
Kamera:Igor Jadue-Lillo
Schnitt:Jeffrey M. Werner
Musik:Carter Burwell; Nathan Larson
Webseite:universal-pictures.de;
Länge:106 Minuten
Kinostart:18.11.2010
Verleih:Universal
Produktion: Mandalay Vision, Saint Aire Production; 10th Hole Productions; Artist International;
FSK:12

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Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat wertvoll erteilt.

Das Familienleben ist schön zur flockigen Musik mit netten halbwüchsigen Kindern, die Tochter fast 18 Jahre und der Bruder 15. Die Familienwelt scheint noch in Ordnung. Doch etwas ist anders als bei einer sogenannten Normalfamilie. Zu den Kindern gehören zwei Mütter, Nic und Jules, ein lesbisches Paar, und ein bisher unbekannter Paul, der als anonymer Spender einer Samenbank von dieser Eigenschaft des biologischen Vaterseins bisher nichts wusste.

Für Kinder ist es von enormer Bedeutung, sich mit ihrer biologischen Herkunft auseinander zu setzen und so suchen auch hier die Kinder nach ihrem Erzeuger. Ihre Recherche führt sie zu ihrem leiblichen Vater, der ein gut aussehender, erfolgreicher Restaurantbesitzer ist, Typ Lebenskünstler. Aber der Neue hat es nicht einfach. Er versucht in das bisher intakte Beziehungsgeflecht einzudringen, was unweigerlich zu Verwicklungen und ernsten Schwierigkeiten in der Lebensgemeinschaft dieser US-amerikanischen Fastdurchschnittsfamilie führt. Angehimmelt von der Tochter, sehr reserviert gesehen von seinem Sohn, geht er mit Jules eine sexuelle Beziehung ein. Als diese auffliegt, hängt der Haussegen von Nic und Jules schief und es sieht nach Trennung aus.

THE KIDS ARE ALLRIGHT berührt mehrere ernsthafte Themen und Fragestellungen wie man unschwer an diesem Ausgangsplot erkennen kann. Der Film ist trotzdem äußerst unterhaltsam und erzählt seine Geschichte mit viel Humor und leichter Hand. Mit seinen Protagonistinnen und Protagonisten geht er immer respektvoll um und kommt ihnen sehr nahe. Man könnte in ihm auch einen Werbefilm für eine gleichgeschlechtliche Lebens- und Liebesbeziehung zweier Frauen sehen, die ihren familiären Alltag mit ihren Kindern und den oft unvermeidbar entstehenden Konflikten letztlich wunderbar bewältigen können.

Mit spritzigen Dialogen werden auch die vielen kleinen Details, die diese Komödie unterhaltsam machen, ausgespielt. Da ist zum einen die tonangebende und eloquente Nic und dann die das Leben etwas leichter nehmende Jules. Ein Paar mit dramaturgisch notwendigen unterschiedlichen Charakteren, die in der Erziehung ihrer Kinder und im Umgang mit Problemen in der Partnerschaft sich einigen müssen und können. Die Balance in der Familie verschiebt sich, als der Samenspender in diesen Verbund eingreift und damit als Katalysator ihre Beziehung infrage stellt. Das alles wird differenziert und realitätsnah behandelt und die Handlung aus diesen Charakteren heraus entwickelt.

Die Botschaft des Films - alles ist so wie in anderen Familien auch - lässt einen überraschenden Schluss oder dramaturgisch interessantere Brechung mit offenem Ende nicht zu. THE KIDS ARE ALLRIGHT ist ein starkes und überzeugendes Plädoyer für Toleranz gegenüber homosexuellen Paarbeziehungen. Eine gelungene unterhaltende Erzählung.