Spielt keine Rolle

Kurzbeschreibung

HANS ist tot. CONNY muss nun allein für ihre Tochter LEO sorgen. Nach der Trennung der Eltern lebte Leo die meiste Zeit bei ihrem Vater. Die neuen Umstände überfordern Conny, die verdrängt statt trauert. Als Komplizinnen des Unkonventionellen finden Conny und Leo ihren Weg zu einer ungewöhnlichen Mutter-Tochter-Beziehung.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Kurzfilm
Regie:Annika Pinske
Darsteller:Ina Tempel; Emma Frieda Brüggler; Lutz Blochberger; Marie Lou Sellem; Trystan Wyn Pütter; Benjamin Lew Klo
Drehbuch:Annika Pinske
Kamera:David Schmitt
Schnitt:Annika Pinske
Musik:Maria Kamutzki; Woods
Länge:25 Minuten
Verleih:DFFB
Produktion: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH (DFFB)
Förderer:dffb

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.

Es ist nur scheinbar eine verkehrte Welt, von der Annika Pinsker in ihrem Kurzspielfilm SPIELT KEINE ROLLE erzählt. Die 10-jährige Leo hat bislang bei ihrem Vater Hans gelebt, weil der Mutter Conny, die als Bühnenbildnerin am Theater arbeitet, ihre Karriere stets wichtiger war. Doch dann erhält Conny einen Anruf, der alles verändert: Hans, der um einiges älter war als sie, ist plötzlich und unerwartet verstorben. Und so muss sie sich plötzlich um dessen Hinterlassenschaften kümmern - und um das gemeinsame Kind, das bislang in ihrer Lebensplanung eine eher untergeordnete Rolle spielte. In den ersten Tagen des unerwarteten Beisammenseins gilt es nun einen Zugang, eine gemeinsame Basis zu schaffen - und das ist gar nicht so einfach.

Sehr schön und überaus gelungen ist es anzusehen, wie Annika Pinsker mit vielen kleinen Andeutungen die ganze Dramatik und Vielschichtigkeit ihrer Geschichte entfaltet und es dabei schafft, immer wieder Neues zu entdecken und Erwartbares oder sattsam bekannte Klischees zu vermeiden. Das liegt vor allem an den exzellenten und exzellent geführten Darstellern, bei denen vor allem die junge Emma Frieda Brüggler als Leo einen sehenswerten Job macht. Auch Ina Tempel als Mutter, die sich erst mit der neuen Rolle anfreunden muss, leistet Herausragendes, wenngleich ihr zurückgenommenes Spiel anfangs irritiert und sich erst mit der Zeit als grundsätzlicher Mangel an Empathie offenbart. Wie sich hier in diesem dichten und kompakten, dabei aber niemals aufgeregten Kammerspiel Persönliches und eine prinzipielle Kritik an gesellschaftlichen Rollenbildern und Erwartungen (Geschlechterrollen, Anforderungen der modernen Arbeitswelt) aufs Schönste miteinander verbinden, das hat schon eine eigene Qualität, die neugierig macht auf die folgenden Arbeiten der noch jungen Regisseurin.

Die stilistischen Vorbilder sind Annika Pinsker deutlich anzusehen: Ihre unverwechselbare Herangehensweise erinnert an die Filmemacher der sogenannten „Berliner Schule“ - und doch erweist sie sich in ihrem Film nicht als bloße Kopistin, sondern als außerordentliche begabte Regisseurin, die die Stilistik ihrer Vorbilder mit viel Originalität zu ergänzen weiß. Wenn man zudem bedenkt, dass der Film als Übung während einer recht frühen Phase des Studiums entstand, dann weißt man dieses Kleinod umso mehr zu schätzen. Gut möglich, dass hier ein Talent mit außerordentlichen Fähigkeiten heranwächst - das Potenzial ist jedenfalls deutlich sichtbar vorhanden.