Sommer der Gaukler

Kinostart: 22.12.11
VÖ-Datum: 13.07.12
2011
Filmplakat: Sommer der Gaukler

FBW-Pressetext

Emanuel Schikaneder befindet sich mit seiner Schauspieltruppe im Sommer 1780 auf dem direkten Weg nach Salzburg. Doch dort wird ihnen die Spiellizenz verwehrt und so müssen sie in einem bayerischen Dorf Halt machen. Dort gehen Dinge vor sich, die selber schon reif für das Theater sind. Die neue Komödie vom bayerischen Kultregisseur Rosenmüller ist lustvoll und spritzig inszeniert und strotzt vor pfiffigen Ideen. Historische Ereignisse werden en passant eingebunden und intelligent miteinander verknüpft. Max von Thun verkörpert die schillernde Gestalt des Schikaneder mit einer Mischung aus „gauklerischem“ Humor und intensiver Ernsthaftigkeit. Doch neben dem Schicksal des Theater-Paradiesvogels geht es hier vor allem um die Dorfbewohner, die die althergebrachten Klassen- und Standesgrenzen nicht mehr hinnehmen wollen. Prächtige Kostüme, eine beeindruckende Kulisse und die Kamera von Stefan Biebl erschaffen einen Film, der das Lebensmotto von Schikaneder in jeder Minute überträgt: „Das ganze Leben ist ein Spiel!“

Filminfos

Gattung:Komödie; Spielfilm; Historischer Film
Regie:Marcus H. Rosenmüller
Darsteller:Max von Thun; Lisa Maria Potthoff; Nicholas Ofczarek; Maxi Schafroth; Anna Maria Sturm; Erwin Steinhauer; Michael Kranz; Fritz Karl; Florian Teichtmeister; Anna Brüggemann; Butz Ulrich Buse; Martin Weinek; Christian Lerch
Drehbuch:Robert Hültner; Klaus Wolfertstetter
Buchvorlage:Robert Hültner
Kamera:Stefan Biebl
Schnitt:Georg Söring
Musik:Gerd Baumann
Weblinks:;
Länge:102 Minuten
Kinostart:22.12.2011
VÖ-Datum:13.07.2012
Verleih:Movienet
Produktion: Geißendörfer Film- & Fernsehproduktion KG, Moviepool; BR; ORF;
FSK:6
Förderer:FFF Bayern; DFFF
BD EAN-Nummer:4250128408707
DVD EAN-Nummer:4250128408691
Anbieter-Link:
DVD Extras:Making of, Trailer

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll erteilt.


Theater im Film - ein Konzept, das im deutschen Film selten geworden ist. Noch dazu ein Kostümfilm, der so unterhaltsam, intelligent und amüsant ist, wie es ihn in den letzten Jahren so nicht zu sehen gab.

Das Rokoko-Theater des Emanuel Schikaneder; Eine fahrende Truppe, die sich durch die Südtiroler Berglandschaft bewegt. Der Impresario und Theaterdirektor, gespielt von Max von Thun, verkörpert einen „homme de lettres“, charmant und Frauen becircend mit dunklem Augenaufschlag und behänden Bewegungen, trotz seiner Körperhöhe, die er stets unter den niederen Türstürzen hindurch winden muss. Schlaksig und mit ungewöhnlicher Körpersprache ist er Kunstfigur und Verführer zugleich. Die Einfälle der Regie, diese eher träge dahinfließende Handlung zu inszenieren, erscheinen schier unerschöpflich. Steigt doch die kleine Truppe von Schauspielern ohne finanzielle Mittel in einem Gasthof ab, kein Engagement erwartet sie, sondern nur eine Wartezeit. Schikaneder wartet auf Mozart, den er in dieser Gegend auf der Durchreise treffen will. Und als der Wirt nicht mehr bereit ist, die Schauspieler zu verköstigen, muss Schikaneder alle List aufbringen, um die prekäre Lage zu klären. Die Liebeleien und Seitensprünge, die mehr aus Langeweile und enttäuschten Erwartungen denn aus wirklicher Leidenschaft entstehen, füllen die Zeit nur notdürftig. Die Paarungen und die Liebesmüh bilden dabei eine starke Klammer und geben dem Film seine liebenswürdige Leichtigkeit.

Die Spiegelungen und Doppelungen, die hier die Inszenierung beleben, werden unterstrichen von Gesangseinlagen der streikenden Minenarbeiter, die den Gegenpol zur gestrandeten Künstlertruppe bilden. Hier die schlecht bezahlten und ausgebeuteten Arbeiter, die aufbegehren und sich gegen den Minenbesitzer wenden, dort die hungrigen Schauspieler, die sich immer wieder mit den Beschwichtigungen ihres Theaterdirektors zufrieden geben müssen und schließlich nicht mehr mitspielen.

Die sprachlichen Ebenen ergeben sich aus Dialektfärbungen und beleben das Geschehen, ebenso wie die Filmmusik, die Szenen unterstreicht, aber nie falsches Pathos erzeugt. Theatralik wird raffiniert als Mittel der Unterhaltung eingesetzt. Das ganze Leben ist Theater, so verspricht der Film.
Die Schauspieler geben ihr ganzes komödiantisches Können. Der Regisseur Marcus H. Rosenmüller versteht es, sie liebenswert, komisch, menschlich und authentisch agieren zu lassen. Hervorzuheben auch die Besetzung der weiblichen Hauptrollen mit Lisa Maria Potthoff und Anna Maria Sturm, die überzeugend agieren und vergessen lassen, dass die Inszenierung in den frivolen Szenen manchmal ein wenig bieder wirkt. Der Schnitt unterstreicht die unterhaltsam verwirrende Szenerie und hebt immer wieder die Guckkasten-Situation hervor, die dem Theater eigen ist. Wenn schließlich der sich öffnende Vorhang einen geschlossenen Vorhang zeigt, der wiederum nur zwei Augen freigibt, dann weiß der Zuschauer: Alles ist Spiel, alles ist Theater.