Schuld sind immer die Anderen

Kinostart: 28.02.13
2012
Filmplakat: Schuld sind immer die Anderen

FBW-Pressetext

Im „Waldhaus“, einer idyllisch gelegenen Einrichtung des offenen Vollzugs, bekommt Ben gemeinsam mit einer Handvoll anderer jugendlicher Straftäter die einmalige Chance auf Resozialisierung jenseits karger Gefängnismauern. Raubüberfall, Diebstahl, Körperverletzung – diese Vergangenheit beginnt Ben mit jedem weiteren Tag in der familiären Gemeinschaft des Waldhauses zu hinterfragen, gar aufzuarbeiten. Er fasst Vertrauen zu den anderen Jungs, entwickelt Sympathien für die Betreuer, die von nun an seinen Alltag begleiten. Doch dann geschieht etwas völlig Unerwartetes. Mit der Ankunft seiner Heimleiterin Eva holt ihn sein altes Leben schlagartig wieder ein. Was Eva anfänglich nicht ahnt, weiß Ben bereits beim ersten Blickkontakt: Sie ist eines seiner Opfer. Eine ausweglose Situation. Für beide. Es ist dieser Ausnahmesituation, den Lars-Gunnar Lotz’ Debütfilm behandelt. Er beleuchtet dabei die intensiven Empfindungen von Opfern und Tätern gleichermaßen und realitätsgetreu. Edin Hasamovic als junger Mann, der in seinem jungen Leben schon so viele Fehler begangen hat, gelingt es, im Zuschauer Empathie und Mitgefühl zu wecken, und Julia Brendler als Eva verkörpert eine starke Frau, die so viel mehr ist als das Opfer einer grausamen Straftat. Ein authentischer und klug durchdachter Film und ein absoluter Glücksfall im deutschen Nachwuchsfilm.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Lars-Gunnar Lotz
Darsteller:Edin Hasanovic; Julia Brendler; Marc Ben Puch
Drehbuch:Anna Maria Praßler
Kamera:Jan Prahl
Schnitt:Julia Böhm
Musik:SEA + AIR
Webseite:schuld-sind-immer-die-anderen.de;
Weblinks:zelluloid.de; moviejones.de;
Länge:93 Minuten
Kinostart:28.02.2013
Verleih:Alpha Medienkontor
Produktion: FFL Film- und Fernseh-Labor Ludwigsburg GmbH & Co.KG, SWR;
FSK:12
Förderer:MFG Baden-Württemberg

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Statt im Gefängnis einzusitzen, soll ein jugendlicher Gewalttäter in einer von Sozialarbeitern betreuten Einrichtung soziale Kompetenz lernen und sich in diesem Rahmen mit seiner Schuld und dem Leiden seiner Opfer auseinandersetzen. Dieser Grundkonflikt wird dramaturgisch dadurch zugespitzt, dass eine seiner Betreuerinnen eines seiner Opfer ist. Er erkennt sie sofort, in ihr wächst nur langsam der Verdacht, der erst im letzten Akt zur Gewissheit wird. Dadurch wird eine Situation geschaffen, in der der junge Mann aus nächster Nähe beobachten kann, welche verheerenden Auswirkungen sein Überfall sowie seine Schläge und Tritte auf die Frau hatten. Diese war schwanger und hat ihr Kind verloren und unter diesem Verlust leiden sowohl sie wie auch ihr Freund, der als Sozialarbeiter im gleichen Heim arbeitet. Durch diese Erfahrungen entwickelt sich der Junge Mann soweit, dass er schließlich zu seiner Tat steht und sich bewusst den Konsequenzen stellt.
Diese ganz andere Coming of age-Story bildet den Kern des Films und sie ist es auch, die am meisten bewegt. Edin Hasanovic gelingt es in der Hauptrolle, den weiten Bogen vom brutalen Schläger zum zu Empathie und Reue fähigen jungen Mann zu schlagen und diesen emotionellen Reifeprozess in jeder Phase glaubwürdig und mit großer Intensität zu vermitteln. Während er als Täter immer schwächer wird, wird das Opfer immer stärker und diese Entwicklung macht Julia Brendler mit einer ebenso inspirierten und komplexen schauspielerischen Leistung nachvollziehbar.
Bis in die Nebenrollen ist SCHULD SIND IMMER DIE ANDEREN überzeugend besetzt und auch die Inszenierung ist aus einem Guss. Hierbei wurde große Sorgfalt darauf gelegt, zu zeigen, nach welchen Regeln eine sozialtherapeutische Einrichtung wie das „Waldhaus“ geführt wird, wie versucht wird, die jugendlichen Straftäter in dieser familienähnlichen Institution zu sozialer Kompetenz zu erziehen, und wie das soziale Geflecht aussieht, das sich zwischen den Jugendlichen und den Sozialarbeitern entwickelt. Lars Gunnar Lotz erzählt hier eine zugleich gesellschaftlich aktuelle wie spannende und bewegende Geschichte. Dieser positive Gesamteindruck wird nur durch ein paar Ungeschicklichkeiten im Drehbuch gemildert. So holpert die Dramaturgie manchmal ein wenig, doch davon abgesehen ist dies ein zugleich spannender und erstaunlich reifer Debutfilm.