Sarahs Schlüssel

Kinostart: 15.12.11
2010
Filmplakat: Sarahs Schlüssel

FBW-Pressetext

Julia, eine amerikanische Journalistin, die mit ihrem französischen Mann in Paris lebt, erhält von ihrem Chefredakteur den Auftrag, einen Bericht über die Deportation der Juden durch die französische Polizei im Jahr 1942 zu schreiben. Zum 60. Jahrestag der Geschehnisse soll ein entsprechender Artikel veröffentlicht werden. Dabei stößt sie auf das bewegende Schicksal der kleinen Sarah Starzynski und ihrer Familie. Fasziniert und tief bewegt verfolgt Julia die Spuren dieses Mädchens und stößt auf Wahrheiten und Enthüllungen, die ihr Leben völlig durcheinander bringen. Der Verfilmung des gleichnamigen Romans gelingt es, eine Geschichte auf zwei Ebenen zu erzählen: Dabei werden die Handlungsstränge rund um Sarah und Julia geschickt und sensibel miteinander verwoben. Das grauenhafte Verbrechen, welches damals so vielen Menschen zugefügt wurde, wird hier anhand eines berührenden Einzelschicksals dargestellt. Der Regisseur Gilles Paquet-Brenner erzählt unpathetisch in ruhigen ausdrucksstarken Bildern mit viel Gefühl. Zusammen mit dem großartig zurückhaltenden Spiel der beiden Protagonistinnen und der passenden musikalischen Untermalung wird eine Atmosphäre geschaffen, bei der man nicht anders kann, als mit Sarah und Julia mitzufühlen und zu fiebern. Die wichtigste Aussage des Films steht am Ende: Wir alle sind das Ergebnis unserer Geschichte. Und indem wir sie erzählen, lebt sie weiter.

Filminfos

Kategorie:Spielfilm
Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Gilles Paquet-Brenner
Darsteller:Kristin Scott Thomas; Mélusine Mayance; Niels Arestrup; Frédéric Pierrot; Michel Duchaussoy; Dominique Frot; Gisèle Casadesus; Aidan Quinn
Drehbuch:Gilles Paquet-Brenner; Serge Joncour
Buchvorlage:Tatiana De Rosnay
Kamera:Pascal Ridao
Schnitt:Hervé Schneid
Musik:Max Richter
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:102 Minuten
Kinostart:15.12.2011
Verleih:Camino Filmverleih
Produktion: Hugo Productions
FSK:6

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Bei den Historikern, die sich mit den modernen Katastrophen des 20. Jahrhunderts befassen, lautet eine aktuelle Zielsetzung: weg von den Statistiken und Zahlen – hin zu realen Geschichten, zum Leben der Menschen. Der Film von Gilles Paquet-Brenner wird solchen Anforderungen, die er selbst aufruft, vollkommen gerecht. Auf behutsame Weise und mit einer komplexen Dramaturgie gelingt es, einerseits rückblickend die Geschichte des jüdischen Mädchens Sarah zu erzählen und andererseits gegenwartsbezogen die Lebenskrise der recherchierenden Journalistin Julia vor Augen zu führen. Sarah hatte versucht, ihren kleinen Bruder zu retten, als im Jahr 1942 die französische Polizei in Paris Juden deportierte. Sarah überlebte, der Bruder kam im Versteck ums Leben. Die Eltern wurden im Konzentrationslager ermordet. Diese Ereignisse lasten schwer. Es ist keine einfache Geschichte, die sich auf simple Weise erzählen und verstehen lässt. Für viele Jahre herrschte Schweigen, in den betroffenen Familien. In der gesellschaftlichen Erinnerungskultur der Franzosen war dieses Thema lange Zeit Tabu. Der Film arbeitet einerseits die Schande der Kollaboration auf und zeigt andererseits, dass Menschen in der Not über sich hinauswachsen und mutig helfen. Basierend auf der Vorlage „Sarah's Key“ von Tatiana de Rosnay ist Gilles Paquet-Brenner eine kongeniale Verfilmung gelungen. Behutsam wird man mit den Figuren vertraut gemacht. Bilder mit poetischer Kraft (Kornfeld, Bad im Teich, Strand) unterstützen ebenso wie die Musik einen Prozess, bei dem sich quasi emotionale Intellektualität entfalten kann. Die Darsteller - insbesondere Kristin Scott Thomas in der Rolle der aus New York stammenden Journalistin Julia Jarmond - sind überzeugend und werden von Regie und Kamera (Pascal Ridao) gut in Szene gesetzt. Mit Zeitverschiebungen werden die Handlungsstränge um ein paar Jahre verlängert. Dadurch kann auch nachvollziehbar gezeigt werden, wie Sarahs Sohn die bedrückenden Wahrheiten annimmt, die er anfangs nicht wissen wollte. Auch relativ spät eingeführte Figuren kommen gut zur Geltung. Dem Regisseur Gilles Paquet-Brenner, dessen jüdischer Großvater im Konzentrationslager Majdanek ums Leben kam, gelingt es, die Aufmerksamkeit auf sehr subtile Nuancen zu lenken und zugleich komplizierte Geschichten einleuchtend zu erzählen. Dabei werden parallel zu den tragischen historischen Ereignissen der Vergangenheit private Sorgen der Gegenwart (späte Schwangerschaft, Ehekrise) angemessen geschildert. Der Film ist gut komponiert und kann der Gefahr einer Verzettelung entgehen. Die Jury war von dem Film SARAHS SCHLÜSSEL sehr beeindruckt und votierte daher für das Prädikat „besonders wertvoll“.