Romeos

Kinostart: 08.12.11
2011
Filmplakat: Romeos

FBW-Pressetext

Gerade hat Lukas sein Coming Out in der Provinz hinter sich gebracht, da tritt er sein neues Leben in der Großstadt Köln an. Doch gleich bei Ankunft im Zivi-Wohnheim landet er als einziger Junge im Schwesterntrakt. Immerhin wohnt da seine beste Freundin Ine, die mittlerweile bestens in die schwul-lesbische Szene der Domstadt integriert ist. Unerwartet befindet er sich inmitten eines neuen Freundeskreises und auch gleich seines ersten Flirts: mit dem äußerst attraktiven Macho Fabio. Aus der anfänglichen Faszination der ungleichen Jungs für einander entwickelt sich mehr und mehr - bis Fabio hinter das Geheimnis von Lukas kommt, und nun alle gezwungen sind, etwas für ihre Gefühle zu riskieren…. Der Debütfilm von Sabine Bernardi greift ein schwieriges und wichtiges Thema auf, welches in unserer Gesellschaft immer noch ausgegrenzt wird. Nicht nur Lukas, der von Rick Okon überzeugend dargestellt wird, muss seine Identität erst noch finden, auch die anderen Figuren suchen sich selbst auf dem schwierigen Weg ins Erwachsensein. Die energiegeladene Atmosphäre wird von einer großartigen Kamera eingefangen und das gesamte Darstellerensemble ist exzellent. Ein berührender Film, der anderen Mut macht und ein großartiges Plädoyer für mehr Toleranz.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Sabine Bernardi
Darsteller:Rick Okon; Maximilian Befort; Liv Lisa Fries; Felix Brocke; Silke Geertz; Gilles Tschudi; Sigrid Burkholder; Johannes Schwab; Tessa Lukat; Ben Gageik; Kathrin Heß; Ralf Rotterdam
Drehbuch:Sabine Bernardi
Kamera:Moritz Schultheiß
Schnitt:Renata Salazar Ivancan
Musik:Roland Appel
Webseite:romeos-derfilm.de;
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:94 Minuten
Kinostart:08.12.2011
Verleih:PRO-FUN MEDIA
Produktion: Boogiefilm GbR, ZDF;
FSK:16
Förderer:Filmstiftung NRW

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Romeos (lateinisch): Geliebter, Liebhaber (plural). Ein Paarfindungsfilm. Nur dass das sich suchende und findende Paar nicht dem Schema konventioneller Liebespaare entsprechen. Lucas ist transsexuell: Von der Frau zum Mann. Täglich trainiert er mit Hanteln, kontrolliert seine männliche Behaarung, sucht seine Identität. Die schlimmste Phase der Entscheidung und dem dafür notwendigen Beantragungsmarathon hat er fast hinter sich. Nur der Personalausweis ist noch nicht geändert. Und er muss auf die nächste entscheidende Operation warten. Zu allem Überfluss wohnt er zunächst in einem Zivi-Wohnheim im Schwesterntrakt. Für ihn eine schwierige Situation als Mann. Lukas hat Angst vor der Entdeckung seiner Transsexualität, zieht sich zurück. Seine Freundin aus früheren Tagen als Mädchen unterstützt ihn moralisch, zieht ihn aus dem Rückzug heraus. Sie ist lesbisch und verkehrt in dem entsprechenden Milieu der Großstadt Köln. Partys in Discos und Privat. Lukas verliebt sich in Fabio. Eine Phase der Anziehung und Ablehnung zwischen zwei unterschiedlichen Charakteren beginnt. Fabio ist ein Macho, attraktiv und erotisch, für Lukas das Gegenstück, das er vielleicht auch sein will. Sie spielen das Spiel der Liebenden, nur etwas rauer. Immer verbunden mit der Angst von Lukas, entdeckt und abgelehnt zu werden. Am liebsten will er sich verstecken, bis der Zufall es offen legt. Letzten Endes ist es an Fabio, sich zu entscheiden.

ROMEOS ist ein atmosphärisch dichter Film über die Trans-Gender-Problematik in Verbindung mit der schwul-lesbischen Szene und vielen Aktionen und nahe gehenden Erlebnissen des Protagonisten Lukas. Seine eigentlich tragische Situation mit seinen Befürchtungen des Ausgestoßenwerdens wird mit leichter Hand erzählt. Das Eintauchen in die Partys und Disco-Bars hat nichts Voyeuristisches, sondern wirkt eher wie selbstverständlich angemessen. Die Drehbuchautorin und Regisseurin Sabine Bernardi konzentriert die Geschichte auf die Phase der Verwandlung und auf die persönlichen Gefühle und Verhaltensweisen nach dem Coming-out. Es geht dabei immer um die Suche nach Nähe und Bestätigung bis zum Punkt der Überwindung (fast) aller Hürden nach der Brustamputation. Am Ende dann springt der Protagonist in der Dünentotale seiner neuen Freiheit entgegen. Es ist ein mutiger Film, der in der Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ vom ZDF entstanden ist, fast zu überbordend in dem hin und her der Beziehung und den Etappen der an Originalschauplätzen häufig mit Handkamera gedrehten Innensichten der Discos und Partys. Manche Bilder wirken zu aufgesetzt, wie z.B. die Situation in dem Wohnheim der Jungen, oder auch zu oberflächlich als Klischee-Platzhalter. Dennoch funktioniert der Film durch seine authentisch wirkenden Handlungsorte und die turbulenteren Sequenzen. Und wenn man dann weiß, dass es sich um einen Debüt-Spielfilm handelt, und dieses Thema weder überzogen oder verkitscht wurde wie bei anderen Filmbeispielen aus Hollywood, ist der Film nicht nur für das deutsche Publikum ein wertvoller Beitrag.