Riss

Filmplakat: Riss

FBW-Pressetext

Es ist Samstagmittag. Ein junges Pärchen war einkaufen und trottet langsam nach Hause. Unter dem Vorwand eines vorbeirasenden Autos schließt er sie in seine Arme und schafft es, seine genervte Freundin aufzuheitern. Plötzlich klopft es an seiner Schulter. Es ist der Fahrer, ein Rentner. Und ehe sich das junge Paar versieht, hat es sich in einen handfesten Streit verstrickt. Durch eine geschickte Montage, eine exzellente Kamera und das ausdrucksstarke Spiel der Darsteller erzählt die Filmstudentin Biene Pilavci in nur 9 Minuten eine überzeugende Geschichte, bei der sie keineswegs jede Frage beantworten will. Dank seines dynamischen Spannungsbogens liefert dieser Film nicht nur am Ende ein raffiniertes Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Kurzfilm
Regie:Biene Pilavci
Darsteller:Aylin Tezel; Klaas Heufer-Umlauf; Friedhelm Ptok
Drehbuch:Biene Pilavci
Kamera:Lars Petersen
Schnitt:Biene Pilavci
Musik:Giardini di Miro
Webseite:dffb.de;
Länge:9 Minuten
Verleih:DFFB
Produktion: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH (DFFB), cosmic calypso
Förderer:dffb

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Ein junges Paar spielt im alltäglichen Leben Rollen, die es durch Film und Fernsehen gelernt hat. Die aparte Schönheit und der coole Rebell finden auf dem Heimweg vom Einkaufen ihre Bühne auf der Straße, als ein Auto etwas zu schnell an ihnen vorbeifährt und sie mit „genretypischen“ Gesten antworten. Doch der Autofahrer entpuppt sich als ein zorniger alter Mann mit Krückstock, der ihr Straßentheater gar nicht witzig findet. In der Reaktion auf ihn kommen sie schnell an die Grenzen ihrer eingeübten Gesten, und so nähert man sich einer Eskalation, bei der schließlich Schlagsahne fließt. Der Riss nach dieser spontanen Aggression wird auch stilistisch sehr eindrucksvoll inszeniert. Während bis dahin im Stil des klassischen Erzählkinos (von dem die beiden ja auch ihre Rollenidentitäten übernahmen) geschnitten wurde, ist der Film nach dem Riss auch wie „verrissen“ montiert. Kurze Bilder der beiden als eher verwirrte Protagonisten wechseln mit kurzen Rückblenden auf das Geschehen auf der Straße ab. Da hier geschickt Informationen zurückgehalten werden, entpuppt sich der Film im letzten Teil auch als Thriller, denn man weiß nicht, was die beiden dem alten Herrn tatsächlich getan haben. Das hilflos hysterische Lachen der jungen Frau ist wie ein erstes ängstliches Tasten nach einer eigenen Körpersprache. Dramaturgisch, stilistisch und in der Darstellung ist dieses kleine Drama aus einem Guss, und so konnte das Prädikat besonders wertvoll vergeben werden.