Ride Hard - Live Free

Kurzbeschreibung

Das Motorrad als Kultgegenstand, Ideologien von organisierten Fans, Droge "Motorrad".
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm
Regie:Paul Oberle; Klaus Schrader
Länge:86 Minuten
Produktion:

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Sie sind gegen Zwang und Uniformen und haben sich selbst in Uniformen gezwängt. Sie preisen die "Freiheit der Straße" und bevölkern diese zu Tausenden. Sie rühmen sich ihrer Individualität und drängen sich trotzdem zu einer elitären Gruppe zusammen. Nur in der Gruppe vermögen sie sich selbst zu verwirklichen und ihr Freiheitsbedürfnis zu artikulieren: die Mitglieder des Berliner Rocker-Motorrad-Clubs, deren exklusive Note darin besteht, dass sie nur Harley-Davidson-Maschinen fahren.

Die bärtigen und bärenstarken Berliner Rocker sind gleichsam die roten Fäden, die sich durch einen Film ziehen, dem es weitgehend gelungen ist, den Kultgegenstand "Motorrad" in seiner technischen Entwicklung und gegenwärtigen Bedeutung präsent zu machen. Die Autoren haben dabei auf jeglichen Kommentar verzichtet und lassen nur die am Motorsport und seinen Männer- und Frauenbünden direkt und indirekt Beteiligten sprechen; sie verzichten also auf Analyse und ersetzen sie durch Beschreibung, was sich nach Auffassung des Bewertungsausschusses vorteilhaft auf die dokumentarische Glaubwürdigkeit auswirkt. So entsteht eine Art Soziogramm der "überzeugten" Motorradfahrer, die, wie sich herausstellt, in allen Schichten und Altersstufen der Bevölkerung zu finden sind und auch, wenn sie sich nicht in Clubs organisiert haben, im Umgang mit ihrem kostbaren Spielzeug einem besonderen Ritual huldigen.

Es spricht für das Verantwortungsgefühl der Autoren, dass auch die Schattenseiten dieses Hobbys nicht ausgeklammert werden. Die präzisen Aussagen von Familienangehörigen Verunglückter machen betroffen und hallen nach, und der Gottesdienst für Motorradfahrer, dem in Berlin ein Fahrzeugkorso vorausgeht, lässt Nachdenklichkeit auch beim hartgesottenen Lederjacken- und Sturzhelmträger erkennen.

In der Diskussion wurde beanstandet, dass die Aktivitäten des Rocker-Clubs über Gebühr ausgespielt worden seien, so dass sich als überflüssig empfundene Widerholungen eingestellt hätten.