Filmplakat: Philipp

FBW-Pressetext

Philipp ist 15 und ihm ist alles egal. Die Schule interessiert ihn ebenso wenig wie seine Zukunft, Freunde hat er nicht viele und seine Eltern gehen ihm auf den Geist. Vor allem sein Vater nervt ihn mit seiner dominanten und stets verständnisvoll kumpelhaften Art. Überall mischt er sich ein, organisiert Philipps Geburtstagsparty und stört Philipps Zweisamkeit mit seiner Freundin. Doch welcher Weg bleibt, wenn die Grenze zwischen Vater und Kumpel nicht gewahrt wird? Der 40minütige Film von Fabian Möhrke beschreibt den Konflikt zwischen einem Teenager und seinem übergriffigen Vater, der eigentlich nur ein Kumpel sein will, auf eindringliche Weise. Die Kamera schafft lakonische Bilder mit ungewöhnlichen Einstellungen, die die ausweglose Situation von Philipp verdeutlichen. Der Schluss des Films lässt den Zuschauer atemlos und schockiert zurück. Ein großartiger Film mit sehr guten Darstellern, der 2010 unter anderem den First Steps Award gewonnen hat.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Spielfilm; Kurzfilm
Regie:Fabian Möhrke
Darsteller:Max Hegewald; Hans Jochen Wagner; Vanessa Krüger; Anna Bolk
Drehbuch:Fabian Möhrke
Kamera:Marco Armborst
Schnitt:Fabian Möhrke
Webseite:philipp-der-film.com;
Länge:40 Minuten
Produktion: BuntFilm Juretzka & Hering GbR

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Man kann auch Grausames tun und es dabei nur gut meinen. Bernd will für seinen 15jährigen Sohn Philipp ein optimaler Vater sein. Und er merkt bis zum tragischen letzten Moment nicht, dass er mit seinem Verständnis, seiner großzügigen Toleranz und seinem kumpelhaften Verhalten der größte Feind des Jungen ist. Denn Bernd besetzt selber alle Positionen, in denen Philipp sich entwickel, bewähren und selber finden könnte. So nimmt er seinem Sohn den Raum zu leben, indem er sich in jeden Bereich von dessen Existenz hineindrängt. Er ist sogar der bessere jugendliche Rebell, wenn er in einem Einkaufszentrum eine Angestellte, die ihn bittet, nicht zu rauchen, mit pubertärer Renitenz provoziert. Fabian Möhrke hat dieses extreme Vater-Sohn-Verhältnis in einer Reihe von exemplarischen Situationen so konkret und eindrucksvoll in Szene gesetzt, dass man schnell die Mechanismen erkennt, die die Ursache für die Passivität und Freudlosigkeit des Protagonisten sind. Philipp wird zu immer extremeren Gegenreaktionen getrieben, um sich auch nur in Ansätzen gegen seinen übermächtigen Vater zu behaupten. Aber auch wenn er ihn bestiehlt und dann sogar körperlich angreift, stößt er dabei ins Nichts. So wird seine Position in diesem unterschwelligen Machtspiel immer aussichtsloser, bis ihm letzten Endes nur noch die radikalste Gegenreaktion bleibt. In diesem Familiendrama haben alle Situationen mindestens einen doppelten Boden, und Möhrke gelingt es, das Ungesagte und das vielschichtige Verhältnis der Figuren zueinander mit Tiefe und Klarheit darzustellen. So schillern einige der Sätze wie „Ich wünsche mir ein Pony“ oder „Ich kann nicht danke sagen“ voller Mehrdeutigkeiten. Das Ensemble der Darsteller ist ebenso passend besetzt und spielt glaubwürdig und intensiv, wobei Max Hegewald in der Titelrolle ein besonderes Lob verdient, da er immer wie eingezwängt spielen musste und dabei dennoch (besonders im Verhältnis zu seiner Freundin) erstaunlich ausdrucksstark wirkt.