Filmplakat: Pace

FBW-Pressetext

Aufstehen, fertig machen, los rennen. Keine Zeit für Muße, für die schönen Dinge, für die Liebe. Denn am Ende des Tages kommt der große Zeiger immer näher. Und wenn man nicht aufpasst, dann überrollt einen die Zeit. Bis man sich wünscht, sie würde nicht so schnell vergehen. In seinem Animationsfilm PACE beschreibt der Filmemacher Kai Stänicke das Leben als einen Alltag, in dem der Mensch dahinrast, stetig unter dem Eindruck, die Zeit würde ihn verfolgen. Die Welt, in der Stänicke den Protagonisten ansiedelt, ist grau und karg, die Menschen sind dünn, ihre Gesichter ohne Konturen. Die Gesichter gestaltet Stänicke halb transparent, Augen gibt es nicht, dafür aber ein rundes Loch, welches seine Form verändert, wodurch es dem Film auf geschickte Weise gelingt, die Figur trotz dem Verzicht auf Worte und Charaktereigenschaften mit einer ganz eigenen Persönlichkeit auszustatten. Mithilfe eines klug konzipierten Soundkonzepts und einem perfekten Timing gelingt Stänicke ein spannender, raffinierter und zeitkritischer Kurzfilm, der der Leistungsgesellschaft pointiert einen Spiegel vorhält.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Animationsfilm; Kurzfilm
Regie:Kai Stänicke
Drehbuch:Kai Stänicke
Schnitt:Susanne Ocklitz
Musik:Phillip Feneberg
Länge:11 Minuten
Kontakt:mail@kaistaenicke.com
Produktion: Kai Stänicke
FSK:12
Förderer:FFA; BKM; Nordmedia

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Getrieben vom Zeiger einer immer schneller laufenden Uhr geht ein Mann seinen Weg und versucht, mit seinem Umfeld Schritt zu halten – bis ihn die Zeit überholt. PACE ist ein animierter Kurzfilm über unser Verhältnis zur Zeit und das Gefühl, immer weniger davon zu haben.

Diesem scheinbar einfach gestalteten Animationsfilm gelingt es von Anfang an, eine bedrohliche Stimmung zu erzeugen und mit zunehmendem Tempo noch zu steigern. Das liegt am gelungenen Charakterdesign, einer schmalen, schwarzen Gestalt ohne Gesicht, deren Konturen sich in einem Auflösungsprozess befinden und kleine schwarze Punkte verlieren. Geht die Gestalt anfangs allein ihren Weg, ist sie bald Teil einer Gruppe, dann Teil einer Masse, mit der sie versucht, Schritt zu halten. Der Film ist klar gegliedert durch den Lauf des Zeigers, der die Repetition der gleichen Tätigkeit in immer schnellerem Tempo erzwingt.

Gleichzeitig gibt es immer wieder überraschende Wendungen, z.B. dass die Taschenuhr, auf die der Mann vor dem Einschlafen blickt, keine Uhr ist, sondern ein Medaillon, das mit einem Bild von Palmen ein geruhsameres Leben verspricht. Betrachtet der Mann es anfangs noch eingehend, bevor er sich zur kurzen Ruhe begibt, so wird sein Blick im Laufe der Zeit immer knapper und mechanischer, bis er, von der Zeit überrannt, ins große Räderwerk gerät und das Medaillon das Getriebe für kurze Zeit stören kann.

Der Film ist weitgehend in schwarz-weiß gehalten und weist nur ein einziges Farbelement auf: den rosafarbenen Schal einer Frau, der im Wind schwebt und Leichtigkeit und Liebe verheißt. Hält der Mann zunächst noch in seinem Lauf inne und lässt sich ablenken, so bringt er im weiteren Verlauf dafür keine Muße mehr auf. Die Frau bleibt einsam zurück, und der Schal weht als vages Versprechen über dem Geschehen. Mit solch ausdrucksstarken Bildern zeigt der Film große Originalität. Musik und Sounddesign sind passend gestaltet und unterstreichen die Wirkung. So entsteht das eindringliche Porträt eines seelischen Zustands.

PACE ist ein aufwändig und eindrucksvoll gestalteter Film über ein Phänomen unserer Zeit, der den Eindruck großer Einfachheit und Klarheit vermittelt.