Oblivion

Kinostart: 11.04.13
2013
Filmplakat: Oblivion

FBW-Pressetext

Wir schreiben das Jahr 2077. Ein interstellarer Krieg hat die Erde vollständig verwüstet und die menschliche Zivilisation ist zerstört. Auf einer Basisstation sind Jack, der sich als Spezialmechaniker um die Reparatur zerstörter Drohnen kümmert, sowie Victoria die einzigen verbliebenen Menschen, die den Abbau wichtiger Rohstoffe für die Versorgung eines anderen Planeten garantieren sollen. Eines Tages wird Jack Zeuge eines abstürzenden Raumschiffes. Und was er danach zu sehen bekommt, lässt ihn an seiner Mission zweifeln. Aber Zweifel sind nicht erlaubt. Und werden bitter bestraft. Joseph Kosinski, der durch TRON LEGACY bekannt wurde, lieferte mit seiner gleichnamigen Graphic Novel die Vorlage für seinen eigenen Film. Das Resultat ist eine gelungene und atmosphärisch stimmig inszenierte Genreunterhaltung. Die Geschichte rund um den Helden Jack, den Tom Cruise charismatisch verkörpert, wird durch unzählige Zitate aus großen Science-Fiction-Abenteuern angereichert. Doch sind diese nicht lieblos aneinandergereiht, sondern fügen sich, auch dank großartiger sphärischer Bilder und einem Soundtrack, der an die Hohezeit der Synthesizer-Musik in den 70er Jahren erinnert, zu einem harmonischen gelungenen Ganzen. Kosinski gelingt es, sowohl die Kühle der Maschinen als auch die Seele des Menschen im Bild spürbar zu machen. Viele Plot-Twists sorgen für Überraschungen und sorgen beim Zuschauer für anhaltende Spannung – so funktioniert gut gemachtes und anspruchsvolles Genre-Kino!

Filminfos

Gattung:Science-Fiction; Spielfilm; Actionfilm
Regie:Joseph Kosinski
Darsteller:Tom Cruise; Morgan Freeman; Nikolaj Coster-Waldau; Olga Kurylenko; Zoe Bell; Melissa Leo; Andrea Riseborough; Lindsay Clift
Drehbuch:William Monahan; Joseph Kosinski
Buchvorlage:Arvid Nelson
Kamera:Alwin H. Kuchler
Schnitt:Richard Francis-Bruce
Webseite:oblivionmovie.com;
Weblinks:zelluloid.de; moviejones.de;
Länge:125 Minuten
Kinostart:11.04.2013
Verleih:Universal
Produktion: Chernin Entertainment, Radical Pictures; Ironhead Studios7Universal Pictures;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

„Ein schöner Tag im Paradies“ grüßt ein verhuschtes Übertragungsbild einer Frau, die Befehle erteilt. Sie wendet sich an die beiden letzten Bewacher der durch Atombomben verseuchten Erde. Es ist das Jahr 2077, 60 Jahre nach der Vertreibung der Invasoren, die die Erde ausbeuten wollten: „Sind Sie ein perfektes Team?“ Ja, so scheint es. Das wird natürlich nicht so bleiben, sonst wäre es ja auch kein spannender Hollywoodfilm.

Jack Harper (Tom Cruise) und Victoria (Andrea Riseborough) sind dieses Team. Ihr Arbeitsplatz und Wohnstatt ist eine Glasraumarchitektur in unterkühltem Design als Kommandozentrale für ihre Einsätze auf der Erde. Jack ist verantwortlich für die feindliche Welt draußen, kämpft gegen die Reparaturanfälligkeit und Zerstörungen der Anlagen. Dafür verantwortlich sind Plünderer, die Aliens, und es ist sein Auftrag, sie zu eliminieren. Und so jagt sie Jack als Lonesome Rider auf seinem Pferd – Pardon – futuristischem Flugobjekt durch die wüste Landschaft. Die Plünderer sehen aus wie die Bösen bei STAR WARS, und fliegende waffenstarrende Drohnenkugeln reagieren auf deren biologische Substanz, wodurch sie Jack Harper helfen, sie zu vernichten.

Jack hat noch Erinnerungen an die alte Welt, verbotene Bruchstücke aus der Zeit vor seinem jahrzehntelangen Tiefschlaf und seines gelöschten Gedächtnisses. Erinnerungen an eine junge wunderhübsche Frau und an Visionen von heiler Welt vor der atomaren Verseuchung und Verwüstung der Erdoberfläche. Sie sind der tragende Pfeiler für die Storyentwicklung, wir sehen diese Erinnerungsfetzen bei seinen Erkundungen und Kämpfen gegen die Plünderer. Zum tragenden Wendepunkt wird der Absturz eines Raumschiffs. Julia (Olga Kurylenko) überlebt als einziges von Jack gerettetes Mitglied der in Tiefschlaf versetzten Mannschaft. Ein Lovestory-Aspekt in diesem Sciencefiction-Drama mit einem verblüffenden aber logisch nachvollziehbaren Ausgang am Ende des Films.

Bis dahin sind viele Abenteuer zu überstehen, dabei hält der Plot gelungene bis überraschende Wendungen parat und hält so die Spannung auf hohem Niveau. Am Ende steht die Auflösung für die wahre Identität der Aliens, die Idylle des altertümlichen Sommerhauses am sauberen See, eine Bachforelle inmitten der atomaren aufgeladenen Erde bis hin zur Umkehr des Heldens mit seiner Entscheidung für die richtige Seite. Dazu gesellen sich Gedanken zum Ende der Menschheit und ihrer Rettung, die Selbstaufgabe als Individuum zugunsten des Großen Ganzen: Ein patriotisches Hohelied begründet mit den Worten von Horaz aus der alten Welt: „Fürs Vaterland zu sterben ist eines Römers wert.“ Doch alles wird gut. Den nicht NUMMER 5 LEBT! sondern „Nr. 52“.

Oblivion – auf deutsch: Vergessen oder ohne Gedächtnis sein – ist ein Film mit durchgängigen ästhetisierten Bildwelten, seien es die Visionen der Zukunft oder die romantisierte Vergangenheit mit Versatzstücken und Zitaten aus vielen Filmen ähnlicher Storys und Genres. Von Kubricks 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM, STAR WARS, MATRIX 3 oder TOP GUN bis hin zu EASY RIDER, um nur einige zu nennen. Trotz allem ist es keine Zitatensammlung, die losgelöst von der Story ein Eigenleben entwickelt hat, sondern die sich harmonisch, ganz ohne Zeigefingeroptik, in die Geschichte einbettet. Die Wiedererkennung ist gewollt und ein hervorragend gelöstes Stilmittel. Dazu kommt ein perfektes Production Design mit stilistisch hellen Designerkampfanzügen für Jack und Top T-Shirts für Julia, ebenfalls kämpfend neben ihm, bis hin zur riesigen hippen Hyper-Apple-Tablet-Anmutung oder die idealisierte Landschaft mit See nebst rustikaler Hütte und Relikten aus Jacks alter Welt. Übrigens mit einem hervorragend besetzten Tom Cruise, er ist schließlich der einsame Comic-Held in diesem Comic-Abenteuer Film. Am überzeugendsten aber ist der Look eines durchgehaltenen Transfer von einer Graphic Novel, aus der Drehbuch und Filmumsetzung auch entwickelt wurden, eingebettet in eine helle, glatte und comicähnliche Farb- und Bildwelt. Joseph Kosinski ist nicht nur der Regisseur von OBLIVION, sondern auch der Autor seiner 2005 entstandenen gleichnamigen Graphic-Novel.

Apropos EASY RIDER. OBLIVION ist kein Film über die Revolte, sondern ein Stück angepasstes patriotisches Kino mit viel Mainstream. Es erfüllt damit die Erwartung der Zuschauer an gute Unterhaltung eines Genrefilms, aus Sciencefiction-Stoff gestrickt. Handwerklich perfekt, wie man es von Hollywood und seinen Finanzmitteln erwarten kann. Harmlos, patriotisch, mit viel Action, aber auch zum Nachdenken über unsere Zukunft als Menschheit sehr wohl geeignet.