Nicht im Traum

Filmplakat: Nicht im Traum

FBW-Pressetext

Paul und Elisabeth sind alt. Daran lässt sich nichts herumdeuten. Paul kann sich nicht mehr richtig bewegen, Elisabeth hat Probleme mit dem Gedächtnis und der Orientierung. Die Tochter versucht zu helfen. Doch Paul und Elisabeth wollen keine Hilfe, keine guten Ratschläge, nicht behandelt werden, als wären sie Kinder. Sie wollen ihre Ruhe haben. Und zusammen sein. Auch wenn sie wissen, dass das gemeinsame Leben nicht mehr so einfach sein wird, wie bisher. In NICHT IM TRAUM behandelt die Filmemacherin Astrid Menzel das Thema des Alterns. Doch neben den Figuren, die von Ulrich Voß und Monika Lennartz in intensivem und gänzlich angstfreiem Spiel dargestellt werden, setzt Menzel auch das Haus der Bewohner in Szene. Lange Einstellungen des mit großer Sorgfalt in Szene gesetzten Interieurs verraten so viel über das Paar, über die gemeinsame Geschichte, aber auch über die Leere, die nun in vielen Räumen herrscht, da sich das Leben nur noch auf wenigen Quadratmetern abspielt, unterstützt von sehr sparsamen Dialogen und einer fast gänzlich reduzierten Lichtsetzung. Und während einzelne Szenen die Ängste und Erwartungen auf fast surreale Weise visualisieren, so bleibt doch der Kern der Geschichte absolut realistisch. Es geht um das Altern. Um die Angst davor – aber auch die Würde darin. Berührendes Kurzfilmkino.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama; Kurzfilm
Regie:Astrid Menzel
Darsteller:Ulrich Voß; Monika Lennartz; Kirsten Sprick
Drehbuch:Astrid Menzel
Kamera:Lukas Eylandt:
Schnitt:Astrid Menzel; Christian Dubuisson
Musik:Oliver Pauls
Länge:20 Minuten
Kontakt:astrid.menzel@gmx.net
Produktion: Kinescope Film GmbH
Förderer:Nordmedia

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Szenen wie die, die man in Astrid Menzels eindrücklichem Kurzfilm NICHT IM TRAUM zu Gesicht bekommt, spielen sich wohl in Deutschland Tag für Tag vieltausendfach ab. Ein älteres Ehepaar, Paul und Elisabeth, versucht den Alltag zu bewältigen, doch der Zahn der Zeit hat beiden bereits spürbar zugesetzt: Sie scheint bereits Anzeichen von Demenz aufzuweisen, bei ihm ist es vor allem der Körper, der nicht mehr mitmacht und den Dienst versagt. Weil das Paar aber kein Einsehen hat, wird es für deren Tochter zunehmend schwer, den Status quo aufrecht zu erhalten. Und eine Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann, scheint sich vorerst nicht einstellen zu wollen. Wie geht man - auch und gerade als Angehörige/r - damit um? Wie lässt man Menschen - zumal den eigenen Eltern - das Maß an Selbstbestimmung und Würde, das sie verdienen?

Atmosphärisch und erzählerisch dicht und glaubwürdig inszeniert gelingt es Astrid Menzel mit ihrem Film auf bewegende Weise, ganz lebensnah von dem zu erzählen, was uns alle womöglich eines Tages erwartet. Ohne zu urteilen, aber mit gutem Gespürt für Nuancen und Zwischentöne gelingt ihr ein Werk, bei dem man den Geruch in der Wohnung, die Enge des jahrzehntelangen Beisammenseins, aber auch die gemeinsam verbrachte Vergangenheit und die geteilten schönen Erinnerungen förmlich mit dem Händen greifen zu können meint.

Der schonungslose, aber niemals ausstellende Realismus wird bisweilen durch Szenen gebrochen, in denen das Geschehen leicht überhöht und ästhetisch auf ein spür- und sichtbar anderes Level gehoben wird - nach Ansicht der Jury tat dies dem Film und seiner Botschaft aber keinen Abbruch, sondern verstärkte vielmehr die Wirkung dieses leisen und eindringlichen Werkes. Eine reife Leistung.