My Old Lady

Kinostart: 20.11.14
2014
Filmplakat: My Old Lady

FBW-Pressetext

Mathias Gold reist nach Paris, um dort das Erbe seines Vaters anzutreten. Der alte Herr hat Mathias nichts hinterlassen, außer einer goldenen Uhr und ein Haus. Da Mathias selbst nicht viel Rücklagen hat, ist er entschlossen, das Haus schnell zu Geld zu machen. Doch das Haus ist noch bewohnt – von der rüstigen 92-Jährigen Mathilde, die ein Wohnrecht auf Lebenszeit hat. Und, dank der in Frankreich existierenden Immobilienleibrente, muss Mathias ihr auch noch monatlich Geld zahlen. Mathias versucht nun alles, doch noch irgendwie das für ihn finanziell Beste aus der Lage herauszuholen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn es stellen sich ihm gewiefte Immobilienmakler und diverse französische Rechtsprobleme in den Weg. Und dazu noch Chloe, Mathildes Tochter. Die ist so gar nicht erfreut, einen Eindringling im Haus vorzufinden – zumindest zunächst. Das gleichnamige Theaterstück des Autors Israel Horovitz feiert seit Jahren Erfolge auf internationalen Theaterbühnen. Nun entstand unter seiner Regie eine filmische Adaption der Geschichte rund um einen Mann im besten Alter, der nach dem Tod seines Vaters eigentlich nur zur Erledigung einer Angelegenheit an die Seine reißt, um dann doch neue Wurzeln zu schlagen. Kevin Kline ist die Idealbesetzung für diesen Mann, der an der Oberfläche als grummeliger Einzelgänger erscheint, dann aber doch eine verletzte Seele offenbart und dazu eine Sehnsucht nach Heimat und Zugehörigkeit. Kristin Scott Thomas steht ihm als Chloe in nichts nach, dazu herrscht zwischen den beiden auch eine extrem gute Chemie. Über allem aber thront die großartige Maggie Smith, die den Zuschauer vom ersten Erscheinen auf der Leinwand für sich einnimmt. Ihrer „Old Lady“ sitzt der Schalk im Nacken, dazu verfügt sie über eine spitze Zunge und einen stets wachen Geist. Genau diese Mischung, die Smith verkörpert wie keine Zweite, macht den Film zu einem besonderen Vergnügen. Fast kammerspielartig entwickelt sich die Handlung zwischen den drei Protagonisten, die Dialoge wechseln von spritzigen Wortgefechten über in berührende Unterhaltungen zwischen einsamen Seelen, die einander gefunden haben. Das Haus als vornehmlicher Handlungsraum spielt ebenfalls eine große Rolle. Authentisch ist die Einrichtung, stilvoll nostalgisch die Atmosphäre. Glaubhaft vermittelt sich, dass in diesem Haus viele Erinnerungen wohnen, die direkt mit den Figuren verbunden sind. MY OLD LADY ist ein bittersüßes und anmutig inszeniertes Filmvergnügen, das unterhält, berührt und große Freude bereitet.

Filminfos

Gattung:Drama; Komödie; Spielfilm
Regie:Israel Horovitz
Darsteller:Kevin Kline; Maggie Smith; Kristin Scott Thomas; Dominique Pinon; Noémie Lvovsky; Stéphane Freiss; Stéphane De Groodt; Christian Rauth; Delphine Lanson; Nathalie Newman; Jocelyne Vignon; Gillian Horovitz
Drehbuch:Israel Horovitz
Kamera:Michel Amathieu
Schnitt:Jacob Craycroft; Stephanie Ahn
Musik:Mark Orton
Webseite:myoldlady.de;
Weblinks:zelluloid.de; moviejones.de;
Länge:107 Minuten
Kinostart:20.11.2014
Verleih:Ascot Elite
Produktion: BBC Films , Cohen Media Group; Deux Chevaux Films; FullDawa Films; Krasnoff / Foster Entertainment; Le Premier Productions; Specialty Films;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Das Motiv „Ein Amerikaner in Paris“, das schon vielfach im Film bearbeitet wurde, wird nun von Israel Horovitz nach seinem gleichnamigen Theaterstück als Film auf die Leinwand gebracht. Dazu hat er großartige Schauspieler gefunden, die den konsequent als Kammerspiel inszenierten Film tragen.
Mathias (Kevin Kline) erlebt als Erbe einer großbürgerlichen Wohnung im Marais, einem der ältesten Stadtteile von Paris, Unerwartetes. Als er anreist, um die geerbte Wohnung zu verkaufen, trifft er auf Lady Mathilde (Dame Maggie Smith), die seit 45 Jahren mit ihrer Tochter (Kristin Scott Thomas) im Haus wohnt. Zu seinem Entsetzen erfährt Mathias, dass er sie sozusagen mitgeerbt hat, denn sie hat lebenslanges Wohnrecht und erhält noch dazu eine monatliche Rente. Mathias, entsetzt über das Vorgehen seines toten Vaters, der dies alles veranlasst hat, gerät immer tiefer in Schulden und verzweifelt fast an der Situation und vor allem an der Hartnäckigkeit der älteren Dame.

Die konsequent ohne Rückblenden inszenierte Komödie glänzt mit subtilem Humor, der besonders in der Rolle des Mathias häufig von Sarkasmus geprägt ist. Die positive Lebensweisheit von Mathilde durchzieht den Film jedoch auch, ganz wie ein roter Faden. Sie weiß zu leben und zeigt das dem verzweifelten Amerikaner, den sie als gute Gastgeberin sogar im Haus unterbringt. Hier trifft Mathias auf Chloe, die Tochter von Mathilde. Während seine Schuldenberge wachsen und er die Aussicht auf den lukrativen Verkauf der Wohnung schwinden sieht, entfaltet sich ein Familiendrama. Durch die Brille der altersweisen Mathilde, die die Vergangenheit als zwangsläufige Entwicklung des Lebens betrachtet, stellt sich jedoch alles weniger dramatisch dar als für Mathias. Er und Chloe, die sich zunächst im Gegensatz ihrer Interessen feindlich gegenüber stehen, entdecken Gemeinsamkeiten in ihrer Kindheit, die sie im Leiden verbinden.
Die grandiosen Schauspieler zeigen hier in höchster Vollendung ihr Können. Der Humor wirkt oft ironisch, manchmal direkt oder auch makaber, beispielsweise wenn die dramatischen Kindheitsszenen von Chloe und Mathias in Erinnerung gerufen werden. Jedoch wirkt er niemals überzogen oder von falschen Tönen begleitet. Die Gelassenheit der Lady Mathilde überzeugt stets souverän und macht deutlich: in diesem Familiendrama kann jeder seine eigene zutreffende Sicht der Dinge gut begründen. So wird auch der Zuschauer in den Lebensbeichten jedes einzelnen Protagonisten seine Sicht finden und darüber schmunzeln können.
Eine Komödie mit Tiefgang, die die Jury begeisterte und das Prädikat „besonders wertvoll“ einstimmig erhielt.