Mein Krieg

Kurzbeschreibung

Sechs ehemalige Wehrmachtssoldaten, die beim Russlandfeldzug ihre Schmalfilmkamera dabei hatten, errinern sich und präsentieren ihre privaten Dokumente.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm
Regie:Thomas Kufus; Harriet Eder
Drehbuch:Thomas Kufus; Harriet Eder
Kamera:Johann Feindt
Schnitt:Arpad Bondy
Länge:94 Minuten
Verleih:Basis Filmverleih
Produktion: Känguruh-Film GmbH, Berlin

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Mit dieser Collage aus Schmalfilmdokumenten und Einzelfotos aus dem Zweiten Weltkrieg wird eine Gedächtnisübung veranstaltet, in der klar wird, wie Krieg aus Sicht von Soldaten erlebt wurde und heute erinnert und reflektiert werden kann – bis hin zu den Augenblicken, die keiner weiteren Verbalität bedürfen. Die hier gewählte Form gewinnt ihr ästhetisches Gewicht und ihre Überzeugungskraft dadurch, dass auf jeden Kommentar verzichtet wird und der Rhythmus der Filmprojektion wie eine begleitende Tonlinie durch alle Einstellungen läuft - eine Art von Authentizitätsbeweis, die selten ist. Der doppelte Boden eines Lebens, das sich zwischen schematisch angelegter Pflichterfüllung und dem fotografisch überlieferten Zeitrealismus der damaligen Wirklichkeit „abspielt“, ist wohl selten so deutlich klargemacht worden. Die Fragen sind offensichtlich so behutsam und doch direkt gestellt worden, dass die filmenden und fotografierenden Soldaten dieses schrecklichen Krieges bis zu Punkten der Ehrlichkeit vorstoßen, die ebenso entlarven wie erschrecken und bedrücken. Die Befragten machen ungewollt nachvollziehbar, die abhängig sie von propagandistischen Versprechungen sind, deren Haltlosigkeit bei einigem Nachdenken hätte eingesehen werden können. Vielleicht aber braucht der Mensch Schutzmechanismen dieser Art, deren Irrationalität sich im schlimmsten Fall – wie in diesem – verselbstständigt