Filmplakat: Megatrick

FBW-Pressetext

Der Trick ist im Prinzip ganz einfach. Einfach nur einen Punkt zeichnen und dann immer darauf konzentrieren, wenn man eine Linie zeichnet, die auf den Punkt führt. So wird die Linie gerade. Aber vielleicht auch ein bisschen langweilig? Denn was wenn es gar nicht mehr ums Zeichnen geht, sondern um das Leben an sich? Soll da immer alles gerade sein? Die Filmemacherin Anne Isensee stellt sich in MEGATRICK genau diese Fragen und verwandelt ihre Gedankengänge in einen pointierten, höchst unterhaltsamen und charmanten Kurzanimationsfilm. Die eingesetzten Mittel, wie ein von ihr selbst gesprochener Kommentar oder die einfach gehaltene Strichzeichnung passen perfekt, um in nur einer Minute zu überraschen, zu begeistern und zum Nachdenken anzuregen. Mehr kann ein Kurzfilm nicht erreichen.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Animationsfilm; Kurzfilm
Regie:Anne Isensee
Drehbuch:Anne Isensee
Schnitt:Anne Isensee
Musik:Felix Rösch; Dascha Dauenhauer; Robert Pilgram; Marcus Sander; Carl Ludwig Wetzig
Länge:1 Minuten
Verleih:interfilm Berlin Management GmbH
Produktion: Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Förderer:Filmuniversität Babelsberg

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Videoblogger verraten auf ihren Channels jede Menge Kniffe und Tricks aus ihrem Leben. Für ältere Zuschauer mögen diese Tricks nicht unbedingt neu sein, für die Zielgruppe ganz im Stil eines Videoblogs präsentiert Anne Isensees Kurzanimationsfilm MEGATRICK eine Lebensweisheit, die beim jüngeren Publikum sicherlich gut ankommt.

Mit einem lapidaren „Ich habe mal den Megatrick gehört, wie man eine gerade Linie zeichnen kann“, beginnt Isensee einen filmischen Aphorismus auf das Leben. Eine schwarze Linie, die auf einen Punkt zuführt, dient ihr dabei als kinderleichte Analogie auf einen klaren Lebensentwurf.

Einhellig lobt die Jury Isensees grafische Reduktion, die den Inhalt ihres Kurzfilms perfekt spiegelt. Die klaren Formen, schwarz und weiß, Strukturen, die auch auf dem Displays eines Handys gelesen werden können, richten sich offensichtlich an die Generation Smartphone. Das tut sicherlich auch der Ton. Schnoddrig geplappert, ein wenig unüberlegt und nach Ansicht der Jury manchmal auch ein wenig zu redundant, kopiert Isensee den Stil der Videoblogs. Das ist in hohem Maße zielgruppenorientiert.

Dennoch ist der Witz von MEGATRICK auch für ältere Betrachter erfahrbar. In der Tat nähert sich Anne Isensee einer großen, philosophischen Frage mit so viel Esprit, dass die Jury ihrer Argumentation gerne folgen wollte. Ihre gerade mal 101 Sekunden dauernde Animation ist genauso frech wie hintersinnig und dennoch voller Respekt dem Thema gegenüber.

Besonders gefallen aber hat der Jury, dass Isensees Megatrick letztlich trickreicher ist, als anfänglich vermutet werden kann. In einer wilden Pirouette macht die Filmemacherin einen entschlossenen, erzählerischen Schritt zurück und lässt den Film im Endeffekt erklären, dass ein Leben voller Irrungen und Wirrungen ist und daher niemals aber auf einen Punkt gebracht werden kann. Eine Botschaft, die wahrlich nicht neu ist, aber nach Ansicht der Jury in der Leistungsgesellschaft nicht oft genug wiederholt werden kann.

Nach ausgiebiger Beratung lobte die Jury MEGATRICK als eine großartige Geschichte die, ohne zu verwirren, mit Witz und in sehr kurzer Zeit ein gewichtiges Thema zu erzählen vermag und verleiht dem Film das höchste zu vergebene Prädikat „besonders wertvoll“.