Madame Aurora und der Duft von Frühling

Kinostart: 26.04.18
VÖ-Datum: 02.10.18
2017
Filmplakat: Madame Aurora und der Duft von Frühling

FBW-Pressetext

Spritziges Feelgood-Kino über eine unwiderstehliche Frau, die in der Mitte des Lebens mit Charme und Esprit ihrem Leben eine neue Wendung gibt.

Für Aurora ist das Leben zur Zeit echt kompliziert: Ihre ältere Tochter wird schwanger, ihre jüngere Tochter will ihr Studium wegen ihrem Freund hinwerfen, ihr neuer Chef macht ihr das Leben als Kellnerin zur Hölle – und dann begegnet Aurora auch noch ihrer ersten großen Liebe, dem Arzt Totoche. Und Aurora stellt fest: Älterwerden stellt einen vor ganz schön viele Herausforderungen – macht das Leben aber nicht weniger aufregend. MADAME AURORA UND DER DUFT VON FRÜHLING von Blandine Lenoir begeistert von der ersten bis zur letzten Minute mit seiner Geschichte, seinem charmanten Witz und seinen außergewöhnlichen Figuren. Immer wieder überrascht das Drehbuch mit spritzigen Wendungen und pfiffigen Dialogen, die ganz aus dem Leben gegriffen scheinen und somit allen Figuren etwas zutiefst Menschliches verleihen. Der großartige Cast bietet für Zuschauer jeden Alters eine liebenswerte Identifikationsfigur mit Ecken und Kanten. Die einzelnen Situationen sind wie aus dem Leben gegriffen und die Dialoge sind voller Witz und Wärme. Und über allem steht die Protagonistin Aurora. Agnès Jaoui spielt sie hingebungsvoll lebendig und sinnlich, mit Charme und Esprit. So spürt man, neben all den schwierigen Problemen, mit denen Aurora zu kämpfen hat, dass sie eine Frau ist, die das Leben liebt und die mit ihrem strahlenden Wesen jeden Raum erleuchten kann. Doch neben der berührenden Geschichte von Aurora ist Blandine Lenoirs Film auch ein herrlich kraftvolles Plädoyer für die Kraft und den Zusammenhalt von Frauen. Die Geschichte ist voller starker weiblicher Charaktere, die sich gegenseitig unterstützen und auch über die Leinwand hinaus zu Courage aufrufen, sich jeder Herausforderung zu stellen. MADAME AURORA UND DER DUFT VON FRÜHLING ist herzerwärmende Kinounterhaltung aus Frankreich. Ein inspirierender, temperamentvoll leidenschaftlicher Film, der die pure Lust am Leben verkörpert.

Filminfos

Gattung:Drama; Komödie; Spielfilm
Regie:Blandine Lenoir
Darsteller:Agnès Jaoui; Thibault de Montalembert; Pascale Arbillot; Sarah Suco; Lou Roy-Lecollinet
Drehbuch:Agnès Jaoui; Anne-Françoise Brillot; Benjamin Dupas; Jean-Luc Gaget; Blandine Lenoir; Océane Michel
Kamera:Pierre Milon
Schnitt:Stéphanie Araud
Musik:Bertrand Belin
Länge:89 Minuten
Kinostart:26.04.2018
VÖ-Datum:02.10.2018
Verleih:Tiberius Film
Produktion: Karé Productions, France 3 Cinéma;
FSK:0

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Eine faustdicke Überraschung verbirgt sich hinter Blandine Lenoirs zweiten Langspielfilm MADAME AURORA UND DER DUFT VON FRÜHLING. Die souverän inszenierte Tragikomödie changiert geschickt zwischen den Genres und versteht es, trotz des etwas beliebig wirkenden Titels, leichte Unterhaltung und gelungenen Humor mit präziser Zeichnung eines Lebensabschnitts zu verbinden, der sonst oft im Kino nur mit Zotigkeit und wenig Verständnis für die spezielle Situation der Wechseljahre dargestellt wird.

Im Mittelpunkt steht Aurora (wunderbar gespielt von Agnès Jaoui), die sich vor einiger Zeit von ihrem Mann getrennt hat. Die große Tochter ist schon aus dem Haus und erwartet bald ihr erstes Kind. Und auch die zweite schickt sich an, bald flügge zu werden und das Nest zu verlassen. Aurora indes hat ihre ganz eigenen Sorgen und Probleme - die Hitzewallungen etwa, die sie immer wieder überkommen. Oder der Ärger beim Job, bei dem ein neuer Besitzer in dem Restaurant, in dem man sie als Servicekraft so respektlos behandelt, dass sie einfach hinschmeißt und kündigt. Das Problem ist nur, dass sie nie „etwas Richtiges“ gelernt hat, sondern während ihrer Ehe ihrem Mann in seinem Handwerksbetrieb die Buchhaltung machte - schwarz natürlich und ohne jeden Nachweis für das Arbeitsamt, bei dem sie nun vorstellig werden muss. Und dann taucht plötzlich eine alte Jugendliebe auf - und noch ein Mann, die beide Interesse an ihr zeigen …

Blandine Lenoir erzählt diese Geschichte, die man als „Coming-out-of-age“ bezeichnen könnte, überaus feinfühlig und paart dies mit Witz und Humor, der nicht auf oberflächliche Lacher abzielt, sondern wirklich gekonnt ist. Auch inszenatorisch hat der Film einiges zu bieten: Immer wieder streut Lenoir Szenen ein, die ohne Worte funktionieren - wenn sich Mutter und Tochter beispielsweise beim Zähneputzen unterhalten, versteht man als Zuschauer zwar kein Wort, weiß aber doch genau, was in diesem Moment gemeint ist. Oder jene Szenen, bei denen sich der Subtext vor allem über die Musik und die Gesangspassagen überträgt.

Alles dies fügt sich mit Tempo und einem natürlich wirkenden Flow zusammen, ist immer wieder überraschend, steckt voller liebenswerter kleiner Details und beweist ein gutes Auge für die Charaktere bis hin zu den kleinsten, aber fast immer treffend besetzten Nebenrollen, von denen jede einzelne ihre Berechtigung für die Geschichte besitzt.

Ein Kleinod des französischen Films, der bei allem Humor auch Tiefe entwickelt und vom ganz normalen Leben erzählt und dabei selbst jene Teile davon nicht unterschlägt, die nicht gelebt wurden: Die verpassten Chancen, die falschen Entscheidungen, die Fehler, die man gemacht hat - ohne Larmoyanz, aber mit einer gehörigen Portion Optimismus. Ein Film, der sich sogar das Kunststück erlauben kann, über die Töchter und den Ausblick in eine Alters-WG zu einem Film zu werden, der das Leben von Frauen von heute über verschiedene Generationen betrachtet und dem Stand der Emanzipation fernab aller theoretischen Diskurse einen Spiegel vorhält.