Lornas Schweigen

Kinostart: 09.10.08
2008
Filmplakat: Lornas Schweigen

FBW-Pressetext

Geld ist das Lei(d)tmotiv. Das Durchschnittsmädchen Lorna lässt sich auf einen Deal mit der Mafia ein: Ein Junkie muss sterben, und sie soll dabei helfen. Ihre Entscheidungen sind zweitrangig, und doch trifft sie sie. Lorna ist ein Instrument in einem System, Gefühle sind Ballast für sie - doch sie gewinnen die Überhand. Dieses Drama - in Teilen an Dogma erinnernd - ist äußerst raffiniert erzählt. Die unterkühlte Darstellung wird meisterlich durch sparsam eingesetzte Momente voller Emotionalität gebrochen. Die Stille von Lorna ist ein Film von höchster Intensität. Er handelt von Schuldgefühl und Geldgier, von Marktverhältnissen und Beziehungen. Den Brüdern Dardenne ist wieder ein kompromissloser, präzise beobachteter und trotz seiner vermeintlichen Kunstlosigkeit in der Wirkung fein kalkulierter Film gelungen.
Prädikat besonders wertvoll

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Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Jean-Pierre Dardenne; Luc Dardenne
Darsteller:Jérémie Renier; Arta Dobroshi; Fabrizio Rongione
Drehbuch:Luc und Jean-Pierre Dardenne
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:111 Minuten
Kinostart:09.10.2008
Verleih:Piffl
Produktion: Les Films Du Fleuve, Les Films du Fleuve, Archipel 35, Lucky Red, Mogador Film, Gemini Film
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

„Das Geld“ wäre der perfekte Titel für diesen Film gewesen, aber „L´Argent“ heißt leider schon ein Film von Robert Bresson. Geld ist das Leitmotiv, das diesen Film durchzieht. Ständig wird mit ihm bezahlt, wird es gezählt, versteckt, hervorgeholt, über es geredet, für es gelitten.

Die Kamera folgt ausschließlich der Protagonistin Lorna, und wenn der Zuschauer ihr durch die Handlung dieses Filmes folgt, wird er dazu eingeladen, ihre Handlungen und moralischen Entscheidungen zu durchdenken und zu bewerten. Die junge Frau ist zu Beginn des Films Komplizin bei einem schmutzigen Geschäft, und dass sie ausgerechnet in einer Reinigung arbeitet, ist nur eine der versteckten Ironien des Films.

Lorna hat für Geld geheiratet, für Geld soll der Junkie, den sie geheiratet hat, aus dem Weg geschafft werden, und für Geld soll sie dann einen Russen heiraten, der mit ihr auch die belgische Staatsbürgerschaft gekauft hat. Aber Lorna lässt sich nicht auf ihren Preis reduzieren, und so folgt der Film ihrer langsamen moralischen Erweckung, in deren Verlauf sie immer mehr in Schwierigkeiten gerät, denn ihren Komplizen ist sie nur so viel lieb und wert, wie sie einbringt.

Skrupel, Mitgefühl, Reue und schließlich Liebe, die sie stark macht, auch wenn sie auf einen von ihr nur imaginierten Fötus gerichtet ist, bringen sie in immer bedrohlichere Gefahr, und der Film lässt sie schließlich an einem mythischen Ort zurück, an dem ein neuer Anfang ohne Geld möglich ist.

Die Gebrüder Dardenne erzählen hier wieder meisterlich von einem armen Sünder, dem nach redlichem Bemühen Gnade gewährt wird. Lorna entwickelt sich auf einem schwierigen und leidvollen Weg von einem Objekt, das gekauft und benutzt wird, zu einem Subjekt, das sich frei entscheiden und wehren kann.

Mit ihrer sparsamen, spröde wirkenden Inszenierung, bei der Gefühle kaum direkt ausgedrückt, sondern eher unterschwellig spürbar gemacht werden, ist Jean-Pierre und Luc Dardenne wieder ein kompromissloser, präzise beobachteter und (trotz seiner vermeintlichen Kunstlosigkeit) in der Wirkung genau kalkulierter Film gelungen.