Landrauschen

Kinostart: 19.07.18
2018
Filmplakat: Landrauschen

FBW-Pressetext

Das Spielfilm-Debüt LANDRAUSCHEN von Lisa Miller erzählt von Toni, einer jungen Frau, die mit Ende 20 in ihr Heimatdorf in der schwäbischen Provinz zurückkehren muss – und sich dort mit den konservativen Ansichten der Dorfbewohner nicht anfreunden kann.

Toni will nicht wieder zu Hause einziehen. Doch sie muss. Denn mit Ende zwanzig hat sie zwar zwei Studienabschlüsse, aber keinen Job. Somit kann sie sich das Leben in Berlin nicht mehr leisten und muss zurück in die schwäbische Provinzheimat, nach Bubenhausen. 700 Menschen wohnen dort, zweimal am Tag geht ein Bus in die nächstgrößere Stadt, es gibt eine Kirche, einen Marktplatz und eine Lebenseinstellung aus mindestens dem letzten Jahrhundert. Der einzige Lichtblick für Toni ist Rosa, mit der sie viel unternimmt und die als lesbische junge Frau vom Rest des Dorfes immer ein wenig kritisch beäugt wird. Und doch liebt Rosa ihre Heimat. Toni jedoch stellt fest: Sie hat sich selten so fremd gefühlt wie hier zuhause. Dieser spannende Konflikt ist die Grundlage für Lisa Millers Debütspielfilm LANDRAUSCHEN, dessen Produktion die Nachwuchsfilmemacherin zusammen mit dem Produzenten Johannes Müller und der Unterstützung einer Crowdfunding-Kampagne eigenständig finanziert hat. Gelohnt hat sich dieser Weg allemal. Der Film fängt das Lokalkolorit der Originalkulisse authentisch ein, unterstützt auch von der Besetzung sämtlicher Nebenrollen mit überzeugend agierenden Laiendarstellern aus dem Dorf. Da gibt es den eigenen finanziellen Vorteil spekulierende Vater, die frustrierte Mutter oder den bigotten Pfarrer. Die Dialoge sind entwaffnend realistisch, geben manchmal Anlass zum Schmunzeln, oft aber bleibt das Lachen auch im Halse stecken. Getragen wird der Film von Nadine Sauter als Rosa und Kathi Wolf als Toni. Nicht nur stehen beide für nachvollziehbare und glaubwürdige Konflikte, die junge Menschen heute umtreibt, sondern sie entwickeln im gemeinsamen Spiel auch eine große Kraft. Lisa Miller gelingt es, mit LANDRAUSCHEN das Genre des Heimatfilms neu zu beleben und den Begriff „Heimat“ ganz aktuell zu diskutieren. Manchmal bitterböse, immer aber bittersüß.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm; Satire
Regie:Lisa Miller
Darsteller:Kathi Wolf; Nadine Sauter; Heidi Walcher; Karl Fischer; Volkram Zschiesche; Rupert Markthaler
Drehbuch:Lisa Miller
Kamera:Hannes Kempert
Schnitt:Lisa Miller
Musik:Feine Sahne Fischfilet; dicht&ergreifend; Kofelgschroa; Julian Frank; Narcoleptica; Robert Thomas
Webseite:landrauschen-film.de;
Länge:103 Minuten
Kinostart:19.07.2018
Verleih:Arsenal
Produktion: Miller&Müller Film GbR Johannes Müller
FSK:12
Förderer:MFG Baden-Württemberg

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Lisa Millers Regiedebüt LANDRAUSCHEN ist ein Film, wie er eigentlich im deutschen Kino kaum mehr stattfindet - ein in der tiefsten bayrisch-schwäbischen Provinz angesiedelter (Neo-)Heimatfilm in deftiger und authentischer Mundart an einem Ort im Ulmer Umland, in dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Früher hat Klaus Lemke mal solche Filme gemacht und danach dann Marcus H. Rosenmüller, doch heute ist dem deutschen Kino, wie es scheint, jede Provinzialität gründlich ausgetrieben worden - zumindest was die Handlungsorte angeht.

Ganz anders in LANDRAUSCHEN, der genau dort spielt, wo Lisa Miller herkommt. In Bubenhausen blüht das Spießertum und eine junge Frau wie Toni, die gerade aus Berlin in ihr Heimatdorf zurückgekehrt ist, passt hier natürlich nicht hin. Ganz anders Rosa, die in Bubenhausen hängengeblieben ist, in einer WG lebt, soziale Arbeit leistet und die Frauen liebt - sie hat sich längst arrangiert mit den Eigenheiten des Dorflebens und seiner Bewohner. Doch erst als sie Toni trifft, findet sie das, was ihr bisher gefehlt hat.

Bisweilen übertreibt es der Film ein wenig in seiner Überzeichnung der „Landeier“ und manche Volte des Drehbuchs scheint vor allem den Wunsch geschuldet, möglichst viel in diesem Debüt unterbringen zu wollen. Und möglicherweise ist gerade der Humor für Norddeutsche weniger verständlich - von der Sprache einmal ganz abgesehen.

Dennoch ist LANDRAUSCHEN ein Film, der das Genre des Heimatfilms mit der nötigen Frische versorgt und gegen den Strich bürstet. Zwar merkt man dem Film deutlich an, dass er ein Regiedebüt ist, da und dort knirscht es dramaturgisch und stilistisch definitiv, doch genau diese Unbekümmertheit gehört zugleich zu den großen Stärken dieses gelungenen Debüts.