Kristall

FBW-Pressetext

Geradezu traumhaft tänzerische Montageelemente gelingen in diesem sorgfältig gestalteten Film. In vielen aus der Filmgeschichte zusammengetragenen und elegant montierten Szenenausschnitten inszeniert sich hier sozusagen eine Grammatik des Blicks. Die Magie der Blicke in den Spiegel, Schönheit und Verführung, Langeweile und Verdruss, Berührung und Distanz, all das offenbart sich in einem Bildertanz.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Kurzfilm
Regie:Christoph Girardet; Matthias Müller
Drehbuch:Christoph Girardet; Matthias Müller
Länge:14 Minuten
Verleih:Arsenal
Produktion: Matthias Müller & Christoph Girardet
FSK:12
Förderer:Nordmedia

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Reflexion über die Magie der Blicke vor dem Spiegel.

Frauen, Männer, Paare, Blicke, Gesten, Berührungen, Abschiede und Dramen. Stars wie Ingrid Bergmann, Marlene Dietrich, Sophia Loren, Audrey Hepburn, Marcello Mastroianni, Robert Taylor oder Jean Gabin sehen in den Spiegel, drehen sich vor ihm, sprechen zu uns sozusagen durch das Kristallglas. Die sich ewig wiederholende Inszenierungen von Schönheit und Verführung sind ebenso zu sehen wie die verzweifelt entnervten Blicke auf das ungeliebte eigene Bild.
Die untermalende Begleitung einer Glasharfe erhöht den Effekt des Unwirklichen. Das Genre des Found-Footage-Films ist hier überzeugend bedient. Viele ähnliche Szenen reihen sich aneinander, die Spiegelbilder sehen den Betrachter an, werden dadurch zu Schemen ihrer selbst, zusätzlich verfremdet mit Wischeffekten und Dehnungen, ein Paradies der Interpretationsmöglichkeiten.
Von selbstreflexiven Effekten des Films bis zu gespenstischer Wirkung und erhöhtem Pulsschlag beim Betrachter und geradezu tänzerisch choreographierten Bewegungsabläufen kann alles gesehen und betrachtet werden.
Dabei stellt sich, fand ein Teil der FBW-Jury, bei manchem Betrachter Ermüdung ein, die auch von der besonderen Dramaturgie des Films nicht verhindert werden kann.