Filmplakat: Kein Ende

FBW-Pressetext

Sie hat ihren Kindern gesagt, dass es kein Ende gibt. Auch nicht, als sie alle aufbrechen müssen in ein neues ungewisses Leben und alles Bekannte zurücklassen müssen. Immer wieder wird sie gefragt, ob es ein Ende geben würde. Immer wieder sagt sie nein, auch als sie nach all den Jahren zurückkehrt in die Heimat, von der sie nicht weiß, ob es diese überhaupt noch gibt. Der experimentelle Kurzfilm von Jakob Krese verfilmt das Gedicht von Marusa Krese, einer berühmten Autorin, die ihre Heimat Ljubljana in Slowenien verlassen hat, um Jahre später endlich wieder dorthin zurückzukehren. Unterlegt sind die Gedichtzeilen, die Krese selbst verliest, mit Fotografien der Familie (Aufnahmen: Meta Krese), die auf einem Schiff reist. Text und Bild evozieren im perfekten Zusammenspiel Gefühle von Sehnsucht, Heimweh, Fernweh, Heimatlosigkeit und Aufbruchsstimmung zugleich. Auf diese Weise schafft Jakob Krese einen filmischen Raum für Marusa Kreses Literatur. Die ungemein berührt und genug Raum für eigene Assoziationen und Gedanken lässt.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Experimentalfilm; Kurzfilm
Regie:Jakob Krese
Drehbuch:Jakob Krese
Kamera:Jakob Krese
Schnitt:Jakob Krese
Länge:6 Minuten
Produktion: Majmun Films Annika Mayer

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

KEIN ENDE ist ein verfilmtes Gedicht und selbst ein filmisches Poem. Der Regisseur Jakob Krese lässt die slowenische Dichterin Maruša Krese eines ihrer Werke lesen. Dazu schneidet er Filmaufnahmen und Stills. Der Film beginnt mit der Videoaufnahme einer Beerdigung: ein Friedhof im Winter, es liegt meterhoch Schnee, eine Menge von Leuten, die sich bunt davon abhebt, still stehend mit Regenschirmen gegen den fallenden Schnee – erst später wird man begreifen, um welches "Ende" es sich hier handelt.
Die restlichen Filmminuten sind vor allem durch die schwarzweißen Fotografien von Meta Krese gefüllt: Familienbilder, darunter oft Schnappschüsse mit Unschärfen, die Passagiere auf einer Fähre zeigen. Das aus dem Off vorgetragene Poem erzählt von Flucht und Neuanfang in einer neuen Heimat, von Stolpersteinen des Lebens und immer wieder vom Hoffnung fassen und vom Trösten der Kinder mit dem elliptisch formulierten Hinweis, dass so schlimm die Dinge scheinen, noch nichts verloren ist, solange noch "kein Ende" eingetreten ist. Vieles, was im Gedicht poetisch vage und vieldeutig bleibt, greifen die Filmbilder in gelungen suggestiver Weise durch Wiederholung, Suggestion und Elemente im Hintergrund auf. Wenn die Dichterin schließlich vor Umzugskartons zu sehen ist, wieder in Farbe, unterstreicht das das Thema: Es gibt kein Ende. Das Leben wird gezeigt als eine Folge von Aufbrüchen und Neuanfängen.