Jenseits der Linie

Filmplakat: Jenseits der Linie

FBW-Pressetext

Amir und Niko sind zwei junge Polizisten, die, aufgrund ihrer Verhörmethoden eines verdächtigen Kindesentführers, suspendiert worden sind. Die verzweifelte Mutter der kleinen Louisa fleht die beiden dennoch an, weiter nach ihrer Tochter zu suchen. Und während der Polizei die Zeit wegläuft, entschließen sich die beiden zu handeln statt abzuwarten. Gerade in der heutigen Zeit ist die Diskussion um Polizeibrutalität wieder heiß entbrannt. Doch dieser Film setzt sich mit viel mehr als nur diesem Problem auseinander. Hier geht es um das individuelle Gewissen und die Entscheidung zwischen beruflichen Regularien und der persönlichen Auffassung von Gerechtigkeit. Matthias Starte bedient sich in seinem Film einer ausdrucksstarken und gewaltigen Bildsprache, fast hat man das Gefühl, einem skandinavischen Krimi zuzuschauen. Auch die Tonebene macht Eindruck, die Schauspieler überzeugen und vermitteln authentisch den zentralen Konflikt. Ein spannender, direkter Kurzfilm mit dem Wunsch nach mehr.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama; Thriller; Kurzfilm
Regie:Matthias Starte
Darsteller:Sebastian Becker; Johann Fohl
Drehbuch:Matthias Starte
Kamera:Johannes Knaupp
Schnitt:Sebastian Emeis
Musik:Karsten Laser
Webseite:jenseitsderlinie.com;
Länge:18 Minuten
Produktion: Filmproduktionsbüro Ralf Berchtold
Förderer:Macromedia Hochschule

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Ausgangspunkt ist die Entführung eines Mädchens und die scheinbare Hilflosigkeit der Polizei, den mutmaßlichen Täter zu überführen. Auf Bitten der Mutter des entführten Kindes ermitteln zwei suspendierte Polizisten auf eigene Faust weiter.
Die moralischen Fragen, die der Film aufwirft, sind gewaltig. Wie weit darf man gehen, um an die Wahrheit zu kommenund ein bedrohtes Leben zu retten? Was ist angesichts akuter Lebensgefahr moralisch vertretbar und wo verläuft die Grenzlinie zur Selbstjustiz? Diese Fragen sind die Ausgangssituation für die Geschichte, dabei werden die moralischen Aspekte angerissen, aber nicht tiefgehend beantwortet.
Die Stärke des Films liegt nicht in der psychologischen Tiefe der Inszenierung, sondern in der formalen Umsetzung. Selten war ein deutscher Krimi skandinavischer. Licht, Kamera, Darsteller, alles erinnert an Kollegen aus dem Kosmos von Wallander & Co.
Leider sind die Dialoge etwas hölzern, sodass selbst die ansonsten überaus überzeugenden Darsteller daran scheitern. Auch die Schlagzeilen der Tageszeitung sind wenig glaubhaft. Letztlich überzeugte das raffinierte Ende den Ausschuss, ein Prädikat zu erteilen, denn das Zusammenspiel aus Radionachrichten und den einsetzenden Skrupeln zumindest einer der beiden Polizisten macht klar, dass die moralische Grundfrage nicht nur einfach Tapete für eine Krimifingerübung ist, sondern durchaus weitgehender in das Konzept einbezogen und intensiv beleuchtet wurde. Und das alles, ohne einfache Antworten zu geben, wo diese unangebracht geblieben wären.