Into the Woods

Kinostart: 19.02.15
2014
Filmplakat: Into the Woods

FBW-Pressetext

Am Anfang war der Fluch. Eine Hexe hat vor langer Zeit einen Mann damit belegt, weil der ihr einst magische Bohnen aus dem Garten klaute. Nun leidet sein Sohn, der Bäcker, darunter. Er und seine Frau können solange kein Kind bekommen, bis der Fluch aufgehoben wird. Dies, so die Hexe, sei aber nur möglich, wenn folgende Dinge besorgt werden: Eine Kuh weiß wie Milch, Haar gelb wie Mais, ein Umhang rot wie Blut und ein Schuh aus purem Gold. Wo das alles zu finden ist? Im Märchenwald natürlich. Und so ziehen der Bäcker und seine Frau los, um alles zu besorgen. Doch im Wald sind sie nicht lange allein, denn auch Aschenputtel, Rotkäppchen und Rapunzel suchen dort ihr Glück… Regisseur Rob Marshall verfilmte das gleichnamige Erfolgsmusical von Steven Sondheim mit fulminanten Bildern und einem eindrucksvollen Starensemble. Der mystische Wald wird beherrscht von dunklen Tönen, das Blätterrauschen wirkt geheimnisvoll, die Figuren gleiten unsicher wie in einem Labyrinth durch die verwinkelte und tiefverwurzelte Baumlandschaft. Schon vom ersten Ton an faszinieren Sondheims Kompositionen, die von den Darstellern leidenschaftlich und stimmlich perfekt dargeboten werden. Auch spielerisch überzeugt das Ensemble. Ob James Corden als naiv-treuer Bäcker, der alles für die Seinen tun würde und sich jeder Gefahr stellt, Emily Blunt als seine Frau, die immer einen Rat weiß und ihren Mann mit unsichtbarer aber starker Hand führt, Chris Pine als völlig überdrehter Prince Charming oder Anna Kendrick als Aschenputtel, die nicht immer weiß, was sie will, aber stets das Richtige tut. Über allem thront aber Meryl Streep. Ihre Verkörperung der bösen Hexe ist so vielschichtig, so herrlich zynisch, so amüsant und berührend, dass man sich keine andere in dieser Rolle vorstellen könnte. Jeder einzelnen Szene wohnt ein gewisses Augenzwinkern inne und so konterkarieren Sondheim und Marshall auf sympathisch unterhaltsame Weise die Prämissen der Märchen, ohne diese bloßzustellen. Die Musiknummern sind filmisch perfekt umgesetzt, die Inszenierungen sind originell und abwechslungsreich. INTO THE WOODS ist ein mitreißendes und beschwingtes Märchen über Märchen selbst – selbstverständlich mit Happy End!

Filminfos

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Nach dem Musical von Stephen Sondheim entstand der Film INTO THE WOODS. Mit einer großartigen Besetzung steigt der Film in sein märchenhaftes Thema ein. Was alles im Wald passieren kann, wird durch die Figuren bekannter Märchen in einer runden Geschichte erzählt. Der musikalische Teil, die Songs und Melodien geben dem Film seine besondere Prägung. Der Einstieg erfolgt mit großem Schwung und wird im Tempo durchgehalten, bis sich die Geschichte in eine ruhigere Gangart begibt und gegen Schluss der Dialog einen stärkeren Anteil einnimmt. Auch die Tonart ändert sich von einem gelegentlich humorvollen und leichten Tonfall hin zu moralisch reflektierenden, quasi philosophischen Sätzen.

Die großartigen Auftritte der Hexe (Meryl Streep), stets begleitet von eindrucksvollen digitalen Effekten, die sie in einem Zyklon aus Staub erscheinen und wieder verschwinden lassen, sind die Höhepunkte des Films. Vor allem die gesungenen Monologe einzelner Figuren sind sehr anregend und wortreich, teils in Staccato gesungene Dialoge bestimmen das Tempo des Films mit. Eine weitere Attraktion ist Johnny Depp in der Rolle des Wolfs. Die Rolle des Verführers wird eindeutig, wenn auch poetisch verfremdet, im Film ausgespielt.

Die Kombination der Hauptelemente von vier Märchen – Hans und die Zauberbohnen, Aschenputtel, Rapunzel und Rotkäppchen – ergeben in ihrem Zusammenspiel ein neues reizvolles Märchen, das alle Elemente in sich vereint. Hier sehen wir in den Rollen des Bäckers (James Corden) und seiner Frau (Emily Blunt), wie ein Paar erfolgreich lernt, zusammen zu stehen und damit zum Erfolg zu kommen. So erfüllt sich schließlich auch ihr sehnlichster Wunsch nach einem Kind.

Die Struktur des Films wird weitgehend bestimmt durch die musikalischen Auftritte der Protagonisten. Dieses große Ensemble so in Szene zu setzen, ist dem Regisseur herausragend gelungen. Im letzten Akt, wenn sich die Aufregung und Suche der einzelnen Figuren gelegt hat und Ruhe einkehrt, werden alle Symbole nochmals beschworen, die Moral gefeiert, die Mystik des Waldes, seine Geheimnisse, die zum glücklichen Ende fast aller Beteiligten führen.

Die letzten Szenen trafen in der Jury nicht nur auf Zustimmung. Vor allem die moralisierenden Thesen wurden als didaktisch und zu umfangreich befunden, der Stimmungswechsel des Films nicht nur positiv vermerkt.

Die Jury entschied sich einstimmig für das Prädikat wertvoll.