In ihren Augen

Kinostart: 28.10.10
VÖ-Datum: 31.03.11
2009
Filmplakat: In ihren Augen

FBW-Pressetext

Als der argentinische Kriminalbeamte Benjamín Espósito in den Ruhestand geht, beginnt er, ein Buch über seine Vergangenheit zu schreiben. Es führt ihn zu einem noch ungelösten Verbrechen an einer jungen Frau, die vor über 20 Jahren brutal vergewaltigt und ermordet wurde. Obwohl er damals einen Geständigen fassen konnte, kam dieser bald darauf wieder frei – ein Fall der ihm nie Ruhe gelassen hat. Espósito rollt die Geschichte noch einmal auf und schafft es, nach und nach der Wahrheit auf die Spur zu kommen. In wunderschönen, stimmungsvollen Bildern erzählt der Oscar prämierte Film von Juan José Campanella einen facettenreichen Thriller über die Suche nach Gerechtigkeit und Wahrheit, verbunden mit der Sehnsucht nach der ewigen Liebe. Neben großartigen Darstellern muss auch die künstlerische Leistung in Sachen Kamera und Ton hervorgehoben werden sowie die geschickte Dramaturgie in den verschiedenen Erzähl- und Zeitebenen. Über zwei Stunden lang hält der Film durchgehend seine Spannung und entlässt den Zuschauer tief bewegt. Aufregend, spannend und sinnlich knisternd. Die besondere Filmempfehlung!

Filminfos

Gattung:Thriller; Spielfilm
Regie:Juan José Campanella
Darsteller:Soledad Villamil; Guillermo Francella; Mario Alarcón; Alejandro Abelenda; Rudy Romano; Bárbara Palladino; Javier Godino; Pablo Rago; Carla Quevedo; Ricardo Darín; Sebastián Blanco
Drehbuch:Juan José Campanella; Eduardo Sacheri
Buchvorlage:Eduardo Sacheri
Kamera:Felix Monti
Schnitt:Juan José Campanella
Musik:Federico Jusid; Emilio Kauderer
Webseite:elsecretodesusojos.com; ;
Länge:129 Minuten
Kinostart:28.10.2010
VÖ-Datum:31.03.2011
Verleih:Camino Filmverleih
Produktion: Tornasol Films, Haddock Films; 100 Bares Producciones; El secreto de sus ojos (AIE);
FSK:12
DVD EAN-Nummer:4009750209769
Anbieter-Link:eurovideo.de

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Auf den ersten Blick scheint IN IHREN AUGEN ein Polizeithriller zu sein, in dem gezeigt wird, wie Polizei und Staatsanwaltschaft im Argentinien von 1974 einen Fall von brutaler Vergewaltigung und Mord untersuchen und schließlich aufklären. Aber der Film zwingt das Publikum von Anfang an dazu, genauer hinzusehen.

Der Protagonist Benjamín Espósito versucht 25 Jahre später die Geschichte, die ihn über diese Zeit verfolgt hat, in einem Roman zu verarbeiten. Und er ist unzufrieden mit verschiedenen Anfängen, die der Film als kurze Rückblende zeigt und die dann später auch an passender Stelle der Dramaturgie ausführlicher wieder gezeigt werden. Hier werden in einer filmischen Ouvertüre die verschiedenen Ebenen und Stimmungen des Films angespielt, denn IN IHREN AUGEN ist auch eine wunderschöne Romanze. Als Erstes fällt ihm ein trauriger Abschied am Bahnhof ein, ein realistisch wirkendes Bild der korrupten politischen Zustände jener Zeit in Argentinien und ein komplexes Drama, bei dem in vielen Variationen immer wieder von verpassten Chancen erzählt wird, nach denen ein verpasstes, leeres Leben droht.

Das Verhältnis von Benjamín zu der jungen Staatsanwältin Irene wird von Juan José Campanella ebenso spannend und intensiv dargestellt wie die Jagd nach dem Täter, die in einer virtuosen fünfminütigen Einstellung ihren Höhepunkt findet, die zwar eine meisterhafte Ausstellung von Filmtechnik ist, aber nie übertrieben wirkt, weil die entfesselte Kamera hier sowohl die manische Atmosphäre eines Fußballspiels wie auch die animalische Energie einer Menschenjagd einfängt. Genauso packend und intensiv gelingt Campanella aber auch eine ruhige, intime Szene wie das Verhör des Mörders Gómez durch Irene, die nach einem Blick das Geheimnis in seinen Augen erkennt und ihn dann in einem psychischen Duell durch sexuelle Beleidigungen aus der Reserve lockt. Hier erfährt der Zuschauer ganz nebenbei etwas über den unterschwelligen Frauenhass, der im Kern des lateinamerikanischen Machismo lauert und dies ist nur einer der vielen Subtexte, mit denen dieser Film gesättigt ist.

Dennoch wirkt er nie überladen oder konstruiert, denn Campanella entpuppt sich auch als ein Meistererzähler, dem es gelingt, dass das Publikum immer gespannt bleibt, was als nächstes passiert. Dabei kann es laufend neue Leidenschaften und Geheimnisse entdecken, durch die es ein tieferes Verständnis der Charaktere bekommt, sodass auch Nebenfiguren wie Benjamins alkoholkranker Kollege Pablo und Ricardo, der Ehemann der Getöteten, zu den Helden ihrer eigenen Dramen werden. Solch ein ambitionierter, origineller und humaner Film gelingt einem Regisseur selten.