Ich, Tomek

Kinostart: 10.06.10
2009
Filmplakat: Ich, Tomek

FBW-Pressetext

Der 15jährige Tomek lebt in einer tristen Welt an der deutsch-polnischen Grenze. Um die Träume seiner Freundin Marta vom westlichen Luxus zu erfüllen und aus den beengten Familienverhältnissen auszubrechen, wird Tomek kriminell. Zuerst als Handlanger, doch schon bald beginnt er sich zu prostituieren. Aus dem begeisterungsfähigen, aufgeweckten Jungen entwickelt sich im Laufe der Geschichte ein erschreckend berechnender Zuhälter. Die realistische Geschichte über den Umgang mit „der Ware Mensch“ weiß in knappen Bildern mit überzeugenden Charakteren zu fesseln. Selten wurde die Sogwirkung in den kriminellen Abgrund und die sexuelle Verwahrlosung so schonungslos dargestellt. Ein begrüßenswerter Beitrag!

Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Robert Glisnski
Darsteller:Rolf Hoppe; Anna Kulej; Filip Garbacz; Daniel Furmaniak
Drehbuch:Joanna Didik; Robert Glinski
Kamera:Petro Aleksowski
Schnitt:Krzysztof Szpetmanski
Musik:Cornelius Renz
Länge:94 Minuten
Kinostart:10.06.2010
Verleih:Salzgeber & Co.
Produktion: 42film GmbH, Widark
FSK:16
Förderer:MDM

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Eine Stadt im Nirgendwo an der polnisch-deutschen Grenze. Der 16jährige Tomek lebt noch ein behütetes Kinderleben in Familie, Schule, im Kirchenkreis und Fußballverein. Er träumt von der Anschaffung eines großen Teleskops, mit dem er seiner Leidenschaft, der Astronomie, nachgehen könnte. In einer Jugenddisco lernt er die junge Marta kennen. Sein erstes Verliebtsein versucht er mit Geschenken zu untermauern. Aber woher das Geld dafür nehmen? Sein Freund Ciemny gibt ihm den entscheidenden Hinweis, wie man leicht an Geld herankommen kann. Tomek betritt einen unheilvollen Weg, der ihn mit einem ungeheuren Sog immer weiter ins Verderben zieht. Ist es zunächst der Schmuggel über die Grenze hinweg, so kommt nach der Grenzöffnung der noch lukrativere Sextourismus mit Teenagern hinzu. Tomeks Verlangen nach Geld und Unabhängigkeit von den Eltern zieht ihn unaufhörlich immer tiefer in das schmutzige Geschäft, bis er vom Opfer letztlich zum Täter wird.

Regisseur Robert Glinski inszenierte ein starkes Stück Gegenwartskino konsequent mit hartem Realismus und großer Glaubwürdigkeit. Die eindrucksvolle Milieuzeichnung einer zerfallenden Stadt an der Grenze, die soziale Verwahrlosung der Menschen in Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit erzeugen eine große atmosphärische Dichte. In schönem Kontrast dazu die Szenen vom polnischen Wallfahrtsort und dem Christopher Street Day in Berlin. Wunderschön gezeichnet ist die psychische Fragilität von Tomeks Familienleben während des Sports und im Kirchenkreis.

Ein Glücksfall für den Film ist die Besetzung: Junge Menschen, eindrucksvoll unter guter Führung. An ihrer Spitze Filip Garbacz, welcher der Figur des Tomek Intelligenz und große Souveränität verleiht – eine erschütternd eindrucksvolle Charakterzeichnung. Den Jugendlichen gegenüber gestellt werden vier starke erwachsene Charaktere: Tomeks Mutter als Ernährerin der Familie, der arbeitslose Vater, der Gemeindepfarrer und Tomeks Deutschlehrer (Rolf Hoppe), alle glänzend besetzt und mit hervorragendem Spiel.

Die überzeugende Kamera und gute Lichtarbeit sind weitere positive Leistungen, die diesen außergewöhnlichen Film zu einem Erlebnis machen, das unter die Haut geht.